Programm Open Science Day 2026
Wann und wo?
Datum: Mittwoch, 13. Mai 2026
Uhrzeit: 09:00 - 16:45 Uhr
Ort: TU Wien Bibliothek, 5. Stock, Vortragsraum
Sprache: Deutsch, Englisch
zur Anmeldung
Programm
09:00-09:30 | Willkommenskaffee
09:30-09:45 | Eröffnung durch Bibliotheksdirektorin Beate Guba und Überblick durch Moderator Philipp Steger
10:30-12:00 | Session I: Citizen science - Good practices and challenges
- Research meets activism: The case of ‚Wir machen Wien‘ and citizen initiatives for sustainable public space - Barbara Laa (Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen)
- Mikroklimatische Freiraumuntersuchungen und co-kreative Entwicklung von Maßnahmen zur Steigerung der Klimaresilienz österreichischer Schulen - Erich Streit (Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen)
- Images are more than points on a map: Enhancing citizen science with photogrammetry - Sebastian Mikolka-Flöry (Fakultät für Mathematik und Geoinformation)
12:00-12:15 | Pitch session: Services for open science @ TU Wien
- Open access publishing, journal hosting, recognising predatory publishing, ORCID service, ReposiTUm, TU Wien Academic Press, Davis as an open infrastructure, TU Wien research data repository, research data management, IP4OS
12:15-13:00 | Mittagessen & Vernetzung
13:00-14:15 | Session II: Open science in action - 2 Parallel-Workshops
- Workshop A: Janeway - Run your own journal or proceedings - David Krassnig und Tanja North
- Workshop B: How can open science, intellectual property strategies, and AI serve to better increase the impact of your research? - Sarah Krassnig und Christoph Hornung (IP4OS)
14:15-14:30 | Kaffeepause
14:30-16:30 | Session III: EOSC - Shaping science between policy and industry
- EOSC, EOSC nodes and service: What are they and how might they impact (help) us when doing our research? - Andreas Rauber (Fakultät für Informatik)
- Open science, open source, open society - Peter Purgathofer (Fakultät für Informatik)
- From research to community: Ergo4All, an open-source AI app for ergonomics prevention - David Kostolani (Fakultät für Maschinenwesen und Betriebswissenschaften)
- How open is open? Data practices in human-centered mobility research - Negar Alinaghi (Fakultät für Mathematik und Geoinformation)
16:30 | Abschlussworte
Vortragende und Abstracts
Keynote
Katharina Ehrmann: From secrets and data chaos to open science - our (open‑ended) quest to publish data meaningfully
Abstract
Forschende bewegen sich oft zwischen rohen, heterogenen Daten und dem intuitiven Wissen, das diesen Daten Bedeutung verleiht. Dieser Vortrag schildert einen pragmatischen Weg von „Geheimnissen und Datenchaos“ hin zu offenen, wiederverwendbaren Forschungsergebnissen und stützt sich dabei auf Erfahrungen aus der Forschungsförderung und aus Projekten aus der Praxis. Wir werden unsere Erfahrungen untersuchen, warum es schwierig sein kann, Daten auf sinnvolle Weise zu teilen – und dabei ehrliche Einblicke in Überlegungen zu Sensibilität und Vertraulichkeit, fragmentierten Arbeitsabläufen, veralteten Formaten, fehlenden Metadaten und implizitem Know-how geben – und wie wir begonnen haben, diese Hürden anzugehen und sie in Triebkräfte für Qualität und Offenheit zu verwandeln.
Die Sitzung skizziert einen schlanken, skalierbaren Ansatz für eine sinnvolle Datenveröffentlichung, der auf den FAIR-Prinzipien basiert: frühzeitige Festlegung des Umfangs durch Datenmanagementpläne, Erfassung des Kontexts durch README-Dateien, Codebücher und Domänenstandards, Sicherstellung der Provenienz durch Versionierung und Workflow-Dokumentation, Verknüpfung von Daten, Code und Methoden über persistente Identifikatoren, sowie die Auswahl von Lizenzen und Repositorien, die Offenheit und Compliance in Einklang bringen. Wir werden den Umgang mit sensiblen oder proprietären Komponenten (gestaffelte Veröffentlichungen, Anonymisierung und synthetische Daten) erörtern und wie kleine Prozessänderungen – automatisierte Validierung, Metadatenvorlagen, Notebooks – zu überproportionalen Gewinnen an Vertrauen und Wiederverwendbarkeit führen.
Anstatt einer einmaligen „Veröffentlichung“ möchte ich eine Perspektive auf Open Science als iterativen, gemeinschaftsorientierten Prozess vermitteln: das Veröffentlichen dessen, was derzeit möglich ist, das Einholen von Feedback und die schrittweise Verbesserung im Laufe der Zeit. Die Teilnehmenden werden konkrete Vorgehensweisen und Entscheidungshilfen mitnehmen, um ihre eigenen Datensätze aus privaten Sammlungen in interoperable, zitierfähige und wirklich nützliche Forschungsressourcen zu verwandeln.
Kurzbiografie
Katharina Ehrmann ist Assistenzprofessorin für Makromolekularchemie an der TU Wien und Leiterin des Additive Manufacturing Lab. Ihre Forschung treibt die Photopolymerchemie für den 3D-Druck der nächsten Generation voran, darunter wellenlängenorthogonale Netzwerke, der Druck mit mehreren Materialien und bei unterschiedlichen Temperaturen sowie zähe oder biologisch abbaubare Materialien. Sie hat über 40 Artikel in führenden Fachzeitschriften veröffentlicht und hält drei Patente. Zu ihren Auszeichnungen zählen ein Elise-Richter-Stipendium, ein FWF-1000-Ideen-Stipendium, der Dr.-Ernst-Fehrer-Preis der TU Wien und ein Chemistry-Europe-Reisestipendium. Sie ist Mitherausgeberin von ACS Macro Letters, Mitglied des ACS PMSE und setzt sich für die Förderung der Gleichstellung in ihrem Berufsfeld sowie für die Schaffung von Mehrwert durch ihre wissenschaftliche Arbeit innerhalb und außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft ein. Dies tut sie durch aktive Beiträge in verschiedenen Netzwerken (z. B. International Younger Chemists Network (IUPAC), Young Investigator Academy (TCH, TUW), FemChem (TCH, TUW) sowie durch ihr Engagement für Open Science.
Session I: Citizen science - Good practices and challenges
Barbara Laa: Research meets activism - The case of ‚Wir machen Wien‘ and citizen initiatives for sustainable public space
Abstract
Die Verkehrspolitik wird nicht nur von öffentlichen Institutionen geprägt, sondern auch von Basisinitiativen, Aktivist_innen und bürgergetriebenen Gruppen. Das Projekt „Wir machen Wien“ untersucht diese Dynamik, indem es Forschende und lokale Initiativen zusammenbringt, um gemeinsam eine Karte und eine Datenbank solcher Akteur_innen zu erstellen, die durch wissenschaftliche Zusammenarbeit informiert und unterstützt werden. Dieser Vortrag bietet Einblicke in die Chancen und Herausforderungen dieses Ansatzes und reflektiert die Rolle der angewandten Forschung bei der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft. Er wirft kritische Fragen darüber auf, wie – und in welchem Umfang – Forschende und Aktivist_innen bei der Gestaltung nachhaltigerer öffentlicher Räume zusammenarbeiten können und sollten.
Kurzbiografie
Barbara Laa ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsbereich Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der TU Wien. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Förderung nachhaltiger Mobilität und der Gestaltung der Verkehrspolitik. Dazu gehört auch die Erforschung der Rolle von Basisinitiativen als Triebkräfte des Wandels. Im Rahmen von Projekten wie „Wir machen Wien“ arbeitet sie mit diesen Initiativen zusammen, um deren Beitrag zu nachhaltigeren und lebenswerteren öffentlichen Räumen besser zu verstehen und zu unterstützen.
Erich Streit: Mikroklimatische Freiraumuntersuchungen und co-kreative Entwicklung von Maßnahmen zur Steigerung der Klimaresilienz österreichischer Schulen
Abstract
Das Projekt „Climate Ready Schools“ untersucht, wie Schulen in Österreich besser mit den Folgen des Klimawandels (z. B. steigende Hitze) umgehen können. Ziel ist es, Schulen klimaresilienter zu machen, also besser an zukünftige Klimabedingungen anzupassen.
Dafür arbeiten Wissenschaftler_innen gemeinsam mit Schüler_innen und Lehrpersonen (Citizen Science). Sie analysieren, wie stark Schulen bereits betroffen sind, und entwickeln sowie testen konkrete Maßnahmen – etwa Begrünung oder Beschattung.
Am Ende entstehen Handlungsempfehlungen, praktische Lösungen und ein „Climate Readiness Check“, mit dem Schulen ihre eigene Klimafitness bewerten können.
Kurzbiografie
Erich Streit arbeitet als Universitätsassistent am Forschungsbereich Ökologische Bautechnologien seit 2020 und befasst sich hauptsächlich mit Gebäudebegrünung (hygrothermische Auswirkungen, Effekte auf Luftqualität, Kombination mit PV) und ökologischen Materialien.
Sebastian Mikolka-Flöry: Images are more than points on a map - Enhancing citizen science with photogrammetry
Abstract
Das Aufnehmen von Bildern mit Smartphones gehört zu den bekanntesten und einfachsten Möglichkeiten, Bürger_innen in Citizen-Science-Projekte einzubinden. Doch abgesehen davon, dass sie als Markierungen auf einer Karte angezeigt werden, werden sie selten zur Interaktion mit den Bürger_innen genutzt. Die Photogrammetrie eröffnet nicht nur vielfältige Möglichkeiten zur Analyse der Raumnutzung durch den Menschen und zur Beobachtung natürlicher Prozesse, sondern vor allem auch zur Einbindung der Bürger_innen und zur Vermittlung von Informationen.
Kurzbiografie
Sebastian Mikolka-Flöry studierte Geodäsie an der TU Wien, wo er derzeit als Projektassistent in der Forschungsgruppe Photogrammetrie tätig ist. Seine Forschungsarbeit an der TU Wien konzentriert sich auf die Verarbeitung unstrukturierter historischer Schrägaufnahmen sowie auf die Integration hochauflösender topografischer Daten mit satellitengestützter Erdbeobachtung, um die landesweite Überwachung und Vorhersage der Vegetationsdynamik zu verbessern.
Session II: Open science in action - 2 Parallel-Workshops
Workshop 1 (David Krassnig und Tanja North): Janeway - Run your own journal or proceedings
Abstract
Möchten Sie eine eigene Zeitschrift herausgeben oder sind Sie neugierig darauf, was hinter den Kulissen des redaktionellen Publikationswesens vor sich geht? In diesem praxisorientierten Workshop schlüpfen die Teilnehmenden in die Rolle von Redakteur_innen und Gutachter_innen und erkunden, wie der Peer-Review- und Publikationsprozess in Janeway funktioniert, der von der TU Wien genutzten Open-Source-Plattform für Zeitschriftenveröffentlichungen.
Anhand einer Testzeitschrift probieren die Teilnehmenden die wichtigsten Schritte des Arbeitsablaufs selbst aus und erhalten praktische Einblicke darin, wie eingereichte Beiträge begutachtet, verwaltet und durch den redaktionellen Prozess geleitet werden.
Kurzbiografie David Krassnig
David Krassnig ist Bibliothekar an der TU Wien Bibliothek und auf Open Access sowie Publikationsdienstleistungen spezialisiert. Er verfügt über einen Master-Abschluss in Bibliotheks- und Informationswissenschaft, einen staatlichen Befähigungsnachweis für den Bibliotheksdienst sowie einen Doktortitel in Linguistik. Zuvor war er im Bereich der Digital Humanities an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg tätig.
Kurzbiografie Tanja North
Tanja North absolvierte 2019 den Universitätslehrgang Library and Information Studies an der Universität Wien und arbeitet seither in der Fachgruppe Publikationsservices der TU Wien Bibliothek.
Workshop 2 (Sarah Krassnig und Christoph Hornung/IP4OS): How can open science, intellectual property strategies, and AI serve to better increase the impact of your research?
Abstract
Dieser interaktive Workshop lädt Forschende dazu ein, Ideen, Herausforderungen oder Anwendungsfälle aus ihrer eigenen Forschung einzubringen und diese in einem kollaborativen Rahmen zu erörtern. Die Veranstaltung bietet Raum, um darüber nachzudenken, wie innovative Konzepte durch KI-gestützte Ansätze, Open-Science-Praktiken und Überlegungen zum geistigen Eigentum (z. B. Patente und Lizenzen) gestärkt werden können.
Die Teilnehmenden sind eingeladen, ihre Ideen vorzustellen und zu diskutieren und erhalten Feedback von einem multidisziplinären Team, das sich aus Kolleg_innen des Innovation Incubation Center, des Zentrums für Forschungsdatenmanagement, des Forschungsbereichs Data Science, der Fachgruppe Publikationsservices, der Abteilung Datenschutz und Dokumentenmanagement, der Fachgruppe F&E Verträge und Beschaffungen, der Fachgruppe Förderberatung - angewandte Forschung und Wirtschaftskooperation, der Fachgruppe Patent- und Lizenzmanagement sowie des Center for Technology and Society (CTS) zusammensetzt.
Kurzbiografie Sarah Krassnig
Sarah C. Krassnig arbeitet als Bibliothekarin in der Fachgruppe Publikationsservices der TU Wien Bibliothek, wo sie sich auf Open Access konzentriert. Sie hat in Molekularer Toxikologie promoviert und bringt Berufserfahrung aus der Industrie mit, wo sie zuvor als Projektmanagerin tätig war.
Kurzbiografie Christoph Hornung
Christoph Hornung ist als Leiter der Fachgruppe Publikationsservices an der TU Wien Bibliothek tätig. Er ist promovierter Hispanist und hat Open-Access-Projekte in verschiedenen Fachbereichen durchgeführt sowie zu Plattformen im Verlagswesen wie open-access.network und iRights.info beigetragen.
Session III: EOSC - Shaping science between policy and industry
Andreas Rauber: EOSC, EOSC nodes and services: What are they and how might they impact (help) us when doing our research?
Abstract
Über die EOSC wird schon seit langem diskutiert und an ihrer Entwicklung gearbeitet; angesichts der derzeitigen regen Aktivitäten rund um die Entstehung von EOSC-Knotenpunkten findet sie zunehmend Beachtung. Dem wird oft die Kritik gegenübergestellt, dass die EOSC nach Jahren der Arbeit immer noch nicht vollendet sei, sondern sich in einem fortwährenden Zustand der Emergenz befinde (immerhin nicht einer Emergency).
In diesem Vortrag werde ich versuchen, darüber zu reflektieren, was wir meiner Meinung nach bisher aus all den EOSC-Aktivitäten gewonnen haben, wie sich die EOSC-Nodes entwickeln und welche Vorteile wir als Forschende von den von den EOSC-Nodes angebotenen Diensten erwarten können. Anschließend können wir auch die potenzielle Rolle eines entstehenden österreichischen nationalen EOSC-Nodes, seine Funktion und die Beiträge diskutieren, die wir für die globale wissenschaftliche Gemeinschaft leisten möchten.
Kurzbiografie
Andreas Rauber ist Professor an der Forschungsgruppe für Datenwissenschaft (DS-IFS) am Institut für Wirtschaftsinformatik (ISE) der Technischen Universität Wien (TU Wien) und Leiter des Austrian Scientific Computing Research Center (ASC). Darüber hinaus ist er Präsident der AARIT, der Österreichischen Vereinigung für Forschung in der Informationstechnologie, und leitender Forscher bei Secure Business Austria (SBA-Research). Er promovierte im Jahr 2000 an der TU Wien in Informatik. Im Jahr 2001 trat er als ERCIM-Forschungsstipendiat in den Dienst des Nationalen Forschungsrats Italiens (CNR) in Pisa, gefolgt von einer ERCIM-Forschungsstelle am französischen Nationalen Institut für Forschung in Informatik und Steuerung (INRIA) in Rocquencourt, Frankreich, im Jahr 2002. Von 2004 bis 2008 war er zudem Leiter der Forschungsgruppe iSpaces am eCommerce Competence Center (ec3).
Seine Forschungsinteressen decken das breite Spektrum der Datenwissenschaft ab, von Datenmanagement über Aspekte der Reproduzierbarkeit und Transparenz in Datenanalyseprozessen, deren Umsetzung in virtuellen Forschungsumgebungen und Hochleistungs-Recheninfrastrukturen bis hin zu Aspekten der Erklärbarkeit und Rechenschaftspflicht in Modellen des maschinellen Lernens, mit dem Ziel, Vertrauen und Rechenschaftspflicht in der Forschung zu ermöglichen.
Peter Purgathofer: Open science, open source, open society
Abstract
Die Geburt der zentralen Ideen dessen, was wir heute »Wissenschaft« nennen, war stark mit Ideen des offenen und kritischen Diskurses verknüpft. Im modernen Universitätsbetrieb ist es sehr schwierig geworden, diese Ideale hochzuhalten. Die Rahmenbedingungen der Finanzierung, die Notwendigkeiten des Publikationsbetriebs und die praktischen Grenzen des offenen Diskurses haben uns zu einer Wissenschaftspraxis geführt, die von diesen Idealen weit entfernt ist. Die plötzliche Verfügbarkeit textgenerierender KI-Systeme führt diese Praxis ad absurdum und wir stehen vor den Trümmern der Mechanismen, die wissenschaftliche Integrität garantieren sollen.
Kurzbiografie
Peter Purgathofer ist Forscher und Universitätslehrer im Forschungsbereich Human-Computer Interaction der TU Wien. Seine Arbeit zeichnet sich durch Interdisziplinarität und Pragmatik aus. Er hat sich als Künstler (Prix Ars Electronica), Dozent (Staatspreis Gute Lehre) und Designer (zahlreiche UX-Design-Projekte für Großkunden) einen Namen gemacht. Eine wichtige wiederkehrende Frage in seiner Arbeit ist die Verortung des intellektuellen und methodischen Grundgerüsts der Informatik.
David Kostolani: Ergo4All, an open-source AI app for ergonomics prevention
Abstract
Ungünstige Körperhaltungen und industrielle Tätigkeiten wie das Heben schwerer Lasten tragen zur Entstehung arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Erkrankungen bei. Während Ergonomie weithin als Mittel zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen anerkannt ist, stehen bei der Forschung zu ergonomischen Methoden und KI-Systemen häufig die Bedürfnisse von Forschenden und Analyst_innen im Vordergrund. Dies führt zu einer Barriere-Lücke und einer Diskrepanz zwischen Präventionszielen und den Auswirkungen der Technologieforschung.
Das Forschungsprojekt Ergo4A befasst sich mit der Kluft zwischen universitärer Forschung und barrierefreien Technologieprodukten, die sich an die breite Öffentlichkeit richten. Im Rahmen des Projekts wurde eine KI-App zur Haltungsanalyse entwickelt, die in App-Stores frei verfügbar ist und deren Code als Open Source zur Verfügung steht. Dieser Vortrag erörtert die Herausforderungen bei der Umsetzung von Technologieforschung in Werkzeuge, die den Menschen sinnvoll dienen, und hebt gleichzeitig die Chancen hervor, die sich aus solchen Initiativen ergeben, die dem Motto „Technologie für Menschen“ folgen.
Kurzbiografie
David Kostolani ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe „Mensch-Maschine-Interaktion“ an der TU Wien. Geleitet vom Prinzip der technologieunterstützten Arbeit betreibt er transdisziplinäre Forschung zu KI-basierten Assistenztechnologien für manuelle und industrielle Tätigkeiten, wobei er menschenzentrierte KI mit soziopsychologischen Aspekten der Mensch-Maschine-Interaktion verbindet. David hat zahlreiche Projekte geleitet, darunter das Forschungsprojekt Ergo4A, dessen Schwerpunkt darauf lag, das Bewusstsein für Ergonomie am Arbeitsplatz durch eine frei zugängliche KI-App zu stärken.
Negar Alinaghi: How open is open? Data practices in human-centered mobility research
Abstract
Das XMo-Lab der Forschungsgruppe Geoinformation an der TU Wien stützt seine Forschung auf ein starkes Bekenntnis zu Open Science, wobei offene Daten die Grundlage vieler unserer Projekte bilden. Wir stützen uns in hohem Maße auf frei zugängliche Ressourcen wie OpenStreetMap und offene Daten von Behörden, um Mobilitätsverhalten, Stadtentwicklung und die Interaktion zwischen Mensch und Umwelt zu untersuchen. Diese Datenquellen ermöglichen Reproduzierbarkeit, Transparenz und Skalierbarkeit in vielfältigen städtischen Kontexten.
Gleichzeitig umfasst ein wesentlicher Teil unserer Arbeit die Erhebung von Daten mit menschlichen Proband_innen, darunter Eye-Tracking, Bewegungs- und Verhaltensbeobachtungen in realen und experimentellen Umgebungen. Obwohl wir bestrebt sind, diese Datensätze so zugänglich wie möglich zu machen, erlegen ethische und datenschutzrechtliche Überlegungen uns wichtige Einschränkungen auf. Wir wenden Strategien zur Anonymisierung und Datenminimierung an. Bestimmte Datentypen können jedoch nicht vollständig geteilt werden, ohne das Risiko einer Re-Identifizierung einzugehen oder Einverständniserklärungen zu verletzen.
In diesem Vortrag reflektieren wir unsere aktuellen Open-Science-Praktiken, darunter Datenaustausch, reproduzierbare Arbeitsabläufe und methodische Transparenz. Wir diskutieren zudem kritisch die Grenzen der Offenheit in der menschenzentrierten Forschung und beleuchten dabei die Abwägungen zwischen wissenschaftlicher Transparenz und ethischer Verantwortung. Unser Ziel ist es, zu einem besseren Verständnis dessen beizutragen, was „offen“ in der datenintensiven Mobilitätsforschung bedeuten kann und sollte.
Kurzbiografie
Negar Alinaghi ist Postdoktorandin und leitende Forscherin am XMo-Lab der Forschungsgruppe Geoinformation an der TU Wien und arbeitet an der Schnittstelle von räumlicher Wahrnehmung, Mobilitätsverhalten und GeoAI. Ihre Forschung konzentriert sich darauf, das Mobilitätsverhalten in städtischen Gebieten zu verstehen und zu ergründen, wie Menschen in komplexen Umgebungen Entscheidungen treffen, wobei sie multimodale Daten wie Eye-Tracking, Bewegungssensoren und Geodaten nutzt. Sie verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Konzeption und Durchführung von Studien mit Proband_innen sowie in der Entwicklung computergestützter Rahmenwerke zur Analyse von Verhaltensmustern in den Bereichen Mobilität und Wegfindung. Ihre aktuelle Arbeit zielt darauf ab, Erkenntnisse über menschliches Verhalten mit KI-basierten Modellierungsansätzen zu verbinden, um Mobilitätssysteme besser zu verstehen und zu simulieren.