Forschungs-Profil
Knowledge Spheres – die neue Forschungslandschaft der TU Wien
Die Knowledge Spheres bündeln die Expertise der Universität in Bereichen, die für die Bewältigung zentraler gesellschaftlicher Herausforderungen besonders relevant sind – von resilienten Infrastrukturen über nachhaltige Energiesysteme bis hin zu Quantentechnologien und digitaler Transformation. Die dynamische, vernetzte Darstellung der Forschungs- und Lehraktivitäten zeigt, wie unterschiedliche Disziplinen zusammenwirken, um komplexe Fragen zu beantworten, und macht deutlich, welchen Beitrag die TU Wien für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt leistet.
Auf Basis einer datenbasierten, KI-gestützten Analyse von Forschungsprojekten, Publikationen, Qualifikationen und Lehraktivitäten entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Forschenden und Administration (Forschungsteams Data Science und Knowledge Graph Lab, Fachbereiche Forschungskoordination und Forschungsinformationssysteme, Campus-IT) eine neue Struktur. Der Prozess wurde von Feedbackschleifen mit Forschenden sowie dem Rektorat begleitet.
Mit den neu definierten Knowledge Spheres ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Die neue Landschaft besteht aus sechs übergeordneten, missionsorientierten Themen, darunter 31 Fields of Competences als verbindende interdisziplinäre Kompetenzcluster und 115 Nodes of Expertise als thematisch fokussierte Forschungsfelder Sechs transversale Themen – AI, Materials, Mathematics, Modelling, Sensing und Nachhaltigkeit – durchziehen alle Spheres als Querschnittslinien.
Die Knowledge Sphere „Bioengineering and Medical Technologies for One Health“ verbindet Forschung und Lehre an der Schnittstelle von Naturwissenschaften, Technik und Medizin. Im Mittelpunkt stehen biologische Prozesse, neue Materialien, Sensoren, Bildgebung und medizinische Assistenzsysteme – von der molekularen Ebene bis zur Anwendung. Forschende arbeiten unter anderem an Tissue Engineering, Biosensorik, medizinischer Bildgebung, Rehabilitation und KI-gestützter Wirkstoffentwicklung. Studienangebote wie Biomedical Engineering und Technische Physik vermitteln die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen dafür. In Zusammenarbeit mit Kliniken, Industrie und öffentlichen Einrichtungen entstehen durch modernste Technik und ingenieurswissenschaftliche Expertise neue Methoden und Anwendungen für personalisierte Medizin, Gesundheitsversorgung und Public Health, und damit für eine ganzheitliche Betrachtung von Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt.
Die Knowledge Sphere „Data and Intelligent Systems for Digital Transformation“ inkludiert Themen aus Forschung und Lehre rund um Künstliche Intelligenz, Daten und vernetzte Computersysteme. Ziel ist es, digitale Technologien zu entwickeln und zu verstehen, die leistungsfähig, sicher und vertrauenswürdig eingesetzt werden können. Die Themen reichen von theoretischer Informatik, Logik und Mathematik über maschinelles Lernen, Computer Vision und Sprachverarbeitung bis zu autonomen Systemen, digitalen Zwillingen und verteiltem Rechnen. Studienangebote wie Computational Science and Engineering vermitteln die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen dafür. Gleichzeitig entstehen Anwendungen für Industrie, Infrastruktur und Gesellschaft – etwa intelligente Assistenzsysteme, datenbasierte Entscheidungsprozesse und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI.
Die Knowledge Sphere „Future Energy and Advanced Manufacturing for Industrial Leadership“ umfasst Aktivitäten rund um eine nachhaltige Energieversorgung und ressourcenschonende Produktion. Im Zentrum stehen erneuerbare Energiesysteme, nachhaltige Materialien, Wasserstoff, Energiespeicherung und zukunftsfähige Herstellungsverfahren. Grundlagen aus Thermodynamik, Elektrochemie, Materialwissenschaften, Strömungsmechanik und Regelungstechnik bilden die Basis für neue Technologien. Studienangebote wie Physikalische Energie- und Messtechnik, Green Chemistry und Umweltingenieurwesen vermitteln die dafür notwendigen Kompetenzen. Gleichzeitig entstehen Lösungen für Recycling, additive Fertigung und KI-gestützte Produktionsprozesse. In enger Zusammenarbeit mit Industrie und Gesellschaft werden Forschungsergebnisse in skalierbare Technologien für die Energie- und Ressourcenwende überführt.
Die Knowledge Sphere „Quantum and Nano Systems for Deep Tech Leadership“ verbindet Forschung und Lehre zu Quantenphysik, Nanotechnologie und Quanteninformation. Sie schafft die Grundlagen für neue Technologien in Computing, Kommunikation, Sensorik und Materialentwicklung. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Quantencomputing, Quantenkommunikation und Quantensensorik sowie die Entwicklung und Modellierung neuer Materialien und Halbleiter. Mathematik, Physik und Künstliche Intelligenz spielen dabei ebenso eine wichtige Rolle wie moderne Mess- und Fertigungstechnologien. Der Masterstudiengang Quantum Information Science and Technology vermittelt zentrale Kompetenzen für die Quantenära und ergänzt die interdisziplinäre Ausbildung in verwandten Bereichen. Forschung aus diesem Bereich bringt neue Ansätze für sichere Kommunikation, präzise Messtechnik, medizinische Bildgebung und Halbleitertechnologien hervor.
Die Knowledge Sphere „Safety and Security for Resilient Societies“ umspannt Forschung und Lehre, die sich einer sicheren und widerstandsfähigen Gesellschaft widmet. Im Fokus stehen der Schutz digitaler und physischer Infrastrukturen, der Umgang mit Cyberbedrohungen sowie die Anpassung an Klimawandel und andere Risiken. Künstliche Intelligenz, Kryptografie, Geodaten, Fernerkundung und Umweltforschung liefern dafür wichtige Grundlagen. Forschende entwickeln Methoden, um Cyberangriffe zu erkennen, kritische Systeme abzusichern und Hochwasser, Dürren oder Veränderungen der Landnutzung besser zu beobachten und vorherzusagen. Studienangebote wie Digital Civil Engineering Science und der Erasmus Mundus Master of Cartography[LD3.1] vermitteln dafür relevante Kompetenzen. In Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen und Industrie entstehen Lösungen für sichere Infrastrukturen, Wasser- und Energiesysteme sowie die Klimaanpassung.
Die Knowledge Sphere „Urban Systems Design for Sustainable Transformation“ umfasst Forschung und Lehre für die nachhaltige Entwicklung von Städten und Regionen. Im Mittelpunkt stehen Gebäude, Energie, Mobilität, Materialien [LD4.1]und Raumplanung sowie deren Zusammenspiel in urbanen Systemen. Die Forschung reicht von energieeffizienten Gebäuden und nachhaltigen Bau- und Konstruktionsmaterialien über erneuerbare Energiesysteme und intelligente Netze bis zu Stadtentwicklung, Wohnen und Klimaanpassung. Digitale Methoden wie Building Information Modeling, Monitoring und Computer Vision unterstützen Planung, Bau und Betrieb. Studienangebote wie Green Chemistry, Umweltingenieurwesen, Digital Civil Engineering Science und Building Science and Environment vermitteln die dafür notwendigen Kompetenzen. Gemeinsam mit Praxis und Gesellschaft entstehen Lösungen für klimaneutrale, resiliente und lebenswerte Städte und Regionen.
Die TU-Forschungsschwerpunkte sind von der Fakultätsstruktur losgelöst und mit Forschungsfeldern hinterlegt. Diese stellen fakultätsübergreifende Kompetenzgebiete dar, die mit TU-Forschungsexpertise belegt sind und damit die wissenschaftliche Profilierung begründen.
Eine detaillierte Auswertung der Forschungsleistungen der TU Wien in Korrelation mit den Forschungsprofilen der Wissenschaftler_innen hat ergeben, dass rund 80 % der Forschung an der TU Wien in den Forschungsfeldern innerhalb der TU-Forschungsschwerpunkte liegen.
Um fachlich gebündelten Forschungen außerhalb der fünf TU-Schwerpunkte Sichtbarkeit zu geben, wurde die TU-Forschungsmatrix um "Additional Fields of Research" erweitert.
Ausblick: Research Spheres – Weiterentwicklung der Forschungsstärken
Die bestehende Forschungsmatrix belegt seit fast zwanzig Jahren die fakultätsübergreifenden Kompetenzgebiete der TU Wien-Forschungsexpertise und begründet somit ihre wissenschaftliche Profilierung.
Im Rahmen eines partizipativen Prozesses mit relevanten Stakeholdern aus der TU Wien-Forschungscommunity wie auch mit Kooperationspartnern wird die bestehende Forschungsmatrix derzeit in „Research Spheres“ weiterentwickelt und neu definiert. Dabei sollen sowohl bestehende Forschungserfolge als auch neue Forschungsthemen („Emerging Fields“) sichtbarer werden. Zukünftig sollen diese Schwerpunkte als regionaler Knowledge-Hub zur Bündelung der missionsorientierten Kompetenz beitragen.
Die Umsetzung der Research Spheres sowie Maßnahmen zum Community-Building sind ab Mitte 2026 geplant.