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La Rochelle Université, France, Winter Semester 2025/26
Stephanie Blaha
(This blog is available in German language only)
September 2025
Da mein Studium hier bereits Anfang September begonnen hat, bin ich Ende August nach La Rochelle gekommen. Das war ein perfekter Zeitpunkt, um noch die letzten warmen Sommertage an den Stränden der Stadt zu genießen und so direkt ein erstes Urlaubsgefühl zu haben, bevor der Studienalltag losging. Schon in den ersten Tagen hat mich La Rochelle mit seinem besonderen Charme in den Bann gezogen: die lebendige Altstadt mit ihren hellen Steinfassaden, die kleinen Boutiquen in den Arkadengängen und natürlich die vielen gemütlichen Cafés und Bars entlang des Alten Hafens. Besonders die drei markanten Türme am Hafen gelten als Wahrzeichen der Stadt. Sie verleihen ihr ein beinahe märchenhaftes Flair, vor allem abends, wenn sie in warmes Licht getaucht werden und man in einer Bar am Hafen einen Aperitif mit Blick auf einen der Türme genießt.
Obwohl La Rochelle auf den ersten Blick eher klein wirkt, spürt man sofort ihre große historische Bedeutung als Hafenstadt und ihre heutige Rolle als Hauptstadt des Départements Charente-Maritime. Für ihre Größe verfügt die Stadt zudem über eine überraschend große Universität, wodurch der Anteil an Studierenden sehr hoch ist und La Rochelle eine junge, lebendige Atmosphäre erhält. Man findet alles, was man braucht, behält leicht den Überblick und begegnet überall anderen Studierenden. Deshalb ist auch das Fahrrad das praktischste Fortbewegungsmittel, dank der gut ausgebauten Radwege ist man in wenigen Minuten am Campus, am Strand oder im Hafenviertel.
Der Campus selbst liegt zwischen Strand, Yachthafen und Altstadt im Gebiet “Les Minimes” und ist damit etwas abgeschottet vom restlichen Stadtzentrum. Hier wohnen auch die meisten Studierenden. Auch ich habe dort ein Zimmer in einem Studentenwohnheim von der Uni organisiert bekommen. Es ist zwar eher klein und einfach, hat aber durch den günstigen Preis und die Nähe zur Uni überzeugt und erfüllt seinen Zweck vollkommen.
Mein erstes Event an der Uni war das Willkommenstreffen für internationale Studierende, wo ich gleich die ersten Freundschaften schließen konnte. Überraschend war für mich, dass die gesamte Veranstaltung ausschließlich auf Französisch stattfand und eine der Vortragenden eine Frage auf Englisch nur sehr zögerlich beantworten konnte. Spätestens beim ersten Gruppenevent meines Masterjahrgangs wurde mir klar, dass Englisch an der Uni so gut wie keine Rolle spielt. Obwohl alle meine Kurse im Internet als „ein ganzes Semester auf Englisch“ beworben wurden, werden die Vorlesungen ausschließlich auf Französisch gehalten und auch die meisten Unterlagen sind nur auf Französisch verfügbar.
Da der Master “Mathématiques et Interactions”, oder kurz „MIX“, im dritten Semester, in das ich eingestiegen bin, nur neun weitere Studierende umfasst, habe ich mich sehr schnell in die Gruppe einfinden können. Meine Kommiliton*innen waren von Anfang an hilfsbereit, haben mir bei Fragen sofort Unterstützung angeboten und mich direkt in ihre gemeinsamen Freizeitaktivitäten integriert. Auch die Professor:innen sind sehr offen und sind jederzeit auf meine Fragen eingegangen. Dennoch musste ich mich in den ersten zwei Wochen erst an das französische Mathematik-Vokabular gewöhnen und zuhause einiges nacharbeiten, um den Kursen gut folgen zu können.
Diese (nicht ganz freiwillige) direkte Inklusion in die französische Sprache hat mich jedenfalls stark motiviert, an meinem Französisch zu arbeiten. Besonders hilfreich ist dabei der Sprachkurs für Austauschstudierende, der in der dritten Woche begonnen hat. Ich wurde der C1-Gruppe zugeteilt, was den Kurs zwar sehr intensiv macht, mir aber gleichzeitig ein gutes Gefühl gibt und schnelle Fortschritte ermöglicht.
Trotz des Studienalltags bleibt genug Zeit für Freizeitaktivitäten. Jeden Donnerstag Nachmittag haben Studierende offiziell frei, um Sport oder kulturellen Aktivitäten nachzugehen. Über die Uni bekommt man über die Plattform “SUAPSE” kostenlosen oder stark vergünstigten Zugang zu verschiedenen Sportarten. Gemeinsam mit zwei Freundinnen habe ich mich für Segeln entschieden, was in La Rochelle eigentlich ein Muss ist. Jeden Donnerstagabend ist dann traditionell „Soirée Étudiante“. In den Bars der Stadt treffen sich unzählige Studierende, und regelmäßig finden große Veranstaltungen statt. Das ist die perfekte Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und den französischen Student*innenalltag zu erleben.

La Rochelle Université



Hafen “La Rochelle Vieux Port”

Leuchtturm “Phare du bout du monde”
Oktober 2025
Nach den ersten Wochen des Einlebens habe ich mich schon gut im Alltag eingefunden. Ich verbringe viel Zeit mit Freund*innen und genieße die Freizeit hier, und auch an der Uni geht es mit Abgaben, Gruppenarbeiten und den ersten Prüfungen schon richtig los.
An den Wochenenden war ich viel unterwegs, um die Gegend rund um La Rochelle besser kennenzulernen. Für die Journées du Patrimoine habe ich einen Ausflug etwas nördlich in die Region La Vienne gemacht. Wir haben unter anderem das Château de Purnon und das Château de Coussay besichtigt, was ein spannender Einblick in die französische Kultur und Geschichte war. Außerdem war ich auf den beiden Inseln Île de Ré und Île d’Oléron, die vor La Rochelle liegen und beide über Brücken mit dem Festland verbunden sind. Die Inseln sind sehr unterschiedlich, aber beide absolut sehenswert: die Île de Ré eher ruhig und elegant mit weißen Häusern und grünen Fensterläden, die Île d’Oléron wilder und naturbelassener mit langen Stränden und viel Wald. Auf beiden Inseln gibt es viele Orte, um frische Meeresfrüchte, besonders Austern, zu essen. Perfekte Ausflüge, um kurz rauszukommen und wieder ein bisschen mit der Natur zu reconnecten.
Mit meinen Studienkolleg*innen habe ich außerdem einen Tag in Paris verbracht, da die Reise von der Uni organisiert und bezahlt wurde, um am “Forum Maths Entreprise” teilzunehmen. Dort wurden verschiedene mathematische Vorträge gehalten und einige Firmen haben sich präsentiert. Neben dem Forum haben wir die Gelegenheit natürlich auch genutzt, um Paris ein bisschen zu erkunden.
Auch im Segelkurs habe ich schon einiges dazugelernt. Beim Katamaranfahren sind wir inzwischen richtig flott unterwegs und die ersten Wenden funktionieren schon gut. Das Wetter war dafür ideal, mit rund 18 Grad, Sonne und angenehmen Wind. Nur der erste Herbststurm, der über die Küste gezogen ist, hat gezeigt, wie wild und nass es hier werden kann.
Ende Oktober hatte ich dann eine Woche Ferien, die ich nach den ersten Prüfungen wirklich gebraucht habe. Meine Eltern haben mich besucht und gemeinsam haben wir ein paar Tage in Bordeaux verbracht, das nur etwa zwei Stunden südlich von La Rochelle liegt. Die Stadt hat mir sehr gut gefallen, elegant, lebendig, mit ausgezeichnetem Essen und natürlich hervorragendem Wein. Nach der intensiven Uni-Zeit war es schön, ein bisschen abzuschalten und Zeit mit der Familie zu verbringen.
Alles in allem war der Oktober eine perfekte Mischung aus Uni, Reisen und neuen Erfahrungen. Ich habe das Gefühl, hier wirklich angekommen zu sein, sowohl in der Stadt als auch an der Uni und im französischen Alltag. Sprachlich hat sich ebenfalls viel getan. Ich fühle mich inzwischen deutlich sicherer im Französischen und merke, wie sehr das tägliche Sprechen hilft. Besonders wertvoll war dabei, dass ich bereits einige Freundschaften mit Einheimischen knüpfen konnte.
Den Abschluss des Monats bildete Halloween. Die Stadt war voller Leben, überall fanden Events in Bars und Clubs statt und alle Student*innen trieben sich durch die Stadt. Die Atmosphäre war ausgelassen und fröhlich und hat den Monat auf eine richtig schöne Weise abgerundet.

Hafenausfahrt in La Rochelle

Aytré Plage

Chateau de Coussay

Notre-Dame de Paris

Le phare des Baleines

Bordeaux
November 2025
Der November war im Vergleich zum Oktober deutlich ruhiger. Nach den vielen Ausflügen und neuen Eindrücken der vergangenen Wochen hat sich in La Rochelle langsam ein echter Alltag eingestellt. Die Uni nimmt inzwischen viel Zeit in Anspruch, denn wir haben mehrere größere Projekte gestartet und die Abgaben werden mehr. Ein großer Teil des Monats bestand deshalb aus Gruppenarbeit, Bibliothekszeit und Vorlesungen.
Ganz ohne Abwechslung war der Monat aber trotzdem nicht. Anfang November habe ich ein Wochenende in Royan beziehungsweise Saint-Georges-de-Didonne, dem kleinen Ort direkt daneben, verbracht. Saint-Georges ist sehr gemütlich und hat einen breiten, offenen Strand, der besonders im Herbst eine beeindruckende Stimmung hat. In beiden Orten merkt man, dass sie im Sommer stark auf Tourismus ausgelegt sind. Jetzt im Herbst war es jedoch angenehm ruhig und man hatte die Küste teilweise fast für sich allein.
Unweit des Ortes haben wir außerdem die Côte Sauvage besucht, die ihrem Namen absolut gerecht wird. Dort findet man weitläufige Dünen, Kiefernwälder und eine unberührte, wilde Atmosphäre, wie man sie in vielen anderen Badeorten der Region kaum erlebt. Durch den direkten Zugang zum offenen Atlantik, ohne vorgelagerte Inseln, sind die Wellen hier deutlich höher und kraftvoller als in La Rochelle. Das macht die Gegend besonders beliebt bei Surfer*innen, die sich auch im Herbst noch ins Wasser wagen. Der Phare de la Courbe, der direkt am Strand steht, verleiht der Landschaft zusätzlich eine eindrucksvolle Kulisse. Die Kombination aus rauem Meer, leerem Strand und der stillen Herbstlandschaft hat die Gegend für mich besonders sehenswert gemacht, selbst (oder gerade) außerhalb der Saison.
Auch in La Rochelle selbst habe ich den Monat genutzt, um etwas Kultur mitzunehmen. Ich war im Kino, habe einige neue Restaurants ausprobiert und war bei einem Rugby-Match. Die Rochelaiser sind extrem stolz auf ihr Team, weshalb die Spiele meistens sofort ausverkauft sind. Zum Glück hat ein lokaler Freund von mir ein Abo für die Saison und konnte mich mitnehmen. Die Stimmung im Stadion war unglaublich mitreißend und alle haben begeistert mit dem Stade Rochelais mitgefiebert.
Alles in allem war der November vielleicht weniger ereignisreich, aber trotzdem ein schöner Monat, um etwas zur Ruhe zu kommen, an Projekten zu arbeiten und das Leben in La Rochelle im Alltag zu genießen.

Cote Sauvage

Küste La Rochelle

Phare de la Coubre

Rugby
Dezember 2025 & Jänner 2026
Der Dezember hat La Rochelle in eine richtig winterliche Stimmung versetzt. Überall in der Stadt hingen Lichter, es gab mehrere kleine Weihnachtsmärkte und viele geschmückte Plätze. Obwohl es offiziell Winter war, blieb das Wetter weiterhin relativ mild, was Spaziergänge durch die Altstadt und entlang des Hafens auch in dieser Jahreszeit sehr angenehm gemacht hat.
An der Uni wurde es im Dezember aber noch einmal richtig intensiv. Eine ganze Woche lang hatten wir die „Semaine Math-Entreprise“, bei der alle Studierenden gemeinsam an einem realen Projekt gearbeitet haben. Unser Projektpartner war das Krankenhaus von La Rochelle, und wir haben gemeinsam an der Entwicklung eines Machine-Learning-Modells gearbeitet. Das war fachlich sehr spannend und gleichzeitig eine gute Möglichkeit, das im Studium Gelernte praktisch anzuwenden. Außerdem haben wir in dieser Woche extrem viel Zeit miteinander verbracht, da wir in der Woche jeden Tag von früh bis spät gemeinsam an dem Projekt gearbeitet haben und versucht haben, die besten Lösungen im Team zu finden.
Kurz vor Weihnachten standen dann noch die letzten Französischprüfungen an, bevor es endlich in die Weihnachtsferien ging. Diese habe ich zwei Wochen zuhause verbracht, was nach dem intensiven Semester richtig gut getan hat und es war richtig schön, die Familie und all meine Freunde in Wien wiederzusehen.
Im Jänner ging es dann noch einmal zurück nach La Rochelle, allerdings nur für kurze Zeit. Die letzten zwei Wochen waren vollgepackt mit Prüfungen, Abgaben und Präsentationen für alle laufenden Projekte. Die Stimmung war zwar stressig, aber auch sehr gemeinschaftlich, weil alle im selben Boot waren und man sich gegenseitig unterstützt hat.
Für ein ganz besonderes Highlight hat dann sogar das Wetter gesorgt: Es gab tatsächlich einen Schneesturm, obwohl es laut Einheimischen seit rund 15 Jahren keinen richtigen Schnee mehr in La Rochelle gegeben hatte. Für viele war das ein richtiges Ereignis, und die Stadt hat sich für kurze Zeit komplett verwandelt. Es war lustig zu sehen, wie alle begeistert Fotos gemacht und sich über den Schnee gefreut haben, gleichzeitig wurde aber auch der gesamte Verkehr für zwei Tage eingestellt und die Uni wegen rund 15 Zentimetern Schnee sogar geschlossen.
Am Ende des Monats hieß es dann Abschied nehmen. Nach so vielen gemeinsamen Projekten, Ausflügen und Alltagsmomenten war es gar nicht so leicht, sich von allen zu verabschieden. Mein Erasmus-Aufenthalt ist viel schneller vergangen, als ich erwartet hätte, und ich nehme unglaublich viele schöne Erinnerungen, neue Freundschaften und wertvolle Erfahrungen mit nach Hause.
Rückblickend war diese Zeit in La Rochelle eine ganz besondere Erfahrung, die mich sowohl persönlich als auch studientechnisch sehr bereichert hat. Ich bin sehr dankbar für alles, was ich hier erleben durfte, und werde diese Monate sicher für immer in Erinnerung behalten.




