Die folgenden Dissertationsprojekte werden zur Zeit am Forschungsbereich Soziologie bearbeitet:

Arbeitstitel „Die lernende Stadt“

Anna Caroline Aigner

Geplante Fertigstellung: 2027

Betreuung: Simon Güntner

Das Dissertationsvorhaben von Anna Aigner fokussiert sich auf die Beziehung zwischen Experimentieren und Lernen in städtischen Gebieten, insbesondere darauf, wie städtische Akteur:innen durch experimentelle Interventionen lernen können, Stadtentwicklungsprozesse zu verbessern und urbane Resilienz gegenüber dem Klimawandel zu fördern. Durch die Untersuchung gelungener städtischer Experimente, wie dem Wiener Klimateam, soll herausgearbeitet werden, wie diese Interventionen zu einem verbesserten Verständnis von und zur Anpassung an soziale und ökologische Herausforderungen beitragen sowie welchen Einfluss sie auf langfristige Stadtplanungspraktiken haben. Der Fokus liegt darauf herauszuarbeiten, wie das Lernen aus diesen Experimenten neue Handlungsweisen und Praktiken in der Stadtentwicklung beeinflusst und institutionalisiert.

Arbeitstitel „Refiguration ländlicher Räume durch Caring Communities“

Nina Faltermayr, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

Geplante Fertigstellung: 2029

Betreuung: Ariane Sept

Der aktuell zunehmende Bedarf an Care-Arbeit aufgrund des demographischen Wandels sowie unzureichende Angebote an qualitativ angemessener Sorgearbeit sind zentrale Faktoren der gegenwärtigen Care-Krise. Diese und weitere aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen verdeutlichen die Notwendigkeit eines sozialen Wandels. 
Für das Dissertationsvorhaben wird die Theorie der Refiguration als ein Verständnis von gesellschaftlicher Transformation herangezogen, welche Raum und Zeit sowie das Nebeneinander verschiedener Logiken, Widersprüche und Spannungen berücksichtigt. Ländliche Räume bieten erhebliches Potenzial, um die notwendige Transformation lokal voranzutreiben. Das holistische Verständnis von nachbarschaftlichen Hilfeleistungen in Caring Communities stellt dabei einen besonders vielversprechenden Ansatz dar. 
Ziel des Forschungsvorhabens ist es herausfinden, inwiefern Caring Communities zu einer Refiguration ländlicher Räume beitragen. 

Sozialraumanalyse für Straßenraumgestaltungen 
Klassentheoretische Perspektiven und ihre Relevanz in Planungsprozessen

Johanna Gassner

Geplante Fertigstellung: 2028

Betreuung: Alexander Hamedinger

Angesichts der multiplen Krise und zunehmender sozialer Ungleichheiten steht die räumliche Planung vor der Herausforderung, gesellschaftliche Prozesse in ihrer Komplexität angemessen zu erfassen. Aktuelle sozialwissenschaftliche Forschung bestätigt zudem, dass die Krise eine sozial-ökologische Klassendimension aufweist. Das Dissertationsvorhaben setzt hier an und untersucht, wie Sozialraumanalysen um eine klassentheoretische Perspektive erweitert werden können. In den meisten Klassenanalysen zeigt sich eine analytische Leerstelle: Die räumliche Ebene wird theoretisch wie empirisch nur begrenzt berücksichtigt. Umgekehrt fehlt in Sozialraumanalysen häufig die Perspektive auf Klassenbeziehungen, obwohl dieses Planungsinstrument Potenzial zur Erfassung komplexer gesellschaftlicher Dimensionen und sozialer Ungleichheiten bietet. Vor diesem Hintergrund entwickelt die Arbeit ein theoriegeleitetes und empirisch überprüftes Indikatorensystem für eine klassensensible Sozialraumanalyse. Straßenräume werden als konkrete Lokalitäten verstanden, in denen sich Konflikte materialisieren und sichtbar werden. Ziel ist die Weiterentwicklung der Sozialraumanalyse zu einem kritischen Planungsinstrument, das sichtbar macht, wer an Planungsprozessen beteiligt ist, wer ausgeschlossen bleibt und wie Klassenverhältnisse räumlich organisiert und in Planungsprozessen reproduziert werden.

Energiekonsum, Stadt & soziale Milieus

Nadine Haufe

Geplante Fertigstellung: 2024

Betreuung: Jens Dangschat

Mit den immer deutlicher werdenden Auswirkungen des Klimawandels und Diskussionen um die Energie- und Verkehrswende sowie der Forderung nach lebenswerten Städten wächst die Einsicht, dass auch der individuelle Konsum von Energie in Städten sich ändern muss, um die Klimaziele von Paris zu erreichen und damit negative Langzeitfolgen für Umwelt und Gesellschaft zu begrenzen.

Um die Effektivität von Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Energiekonsumpraktiken in den CO2-intensiven Bereichen Wohnen und Mobilität zu steigern, wird seit einigen Jahren anhand von sozialen Milieus, d.h. mit einstellungsbasierten Ansätzen, die Bevölkerung in (Ziel-)Gruppen segmentiert – allzu häufig bleiben jedoch räumlich-materielle Aspekte unberücksichtigt und gewünschte Erfolge hinter den Erwartungen zurück.

Ziel der Dissertation ist es, ein milieuspezifisches Modell zur Beschreibung und Erklärung des individuellen Energiekonsums in den Bereichen Wohnen und Mobilität unter Einbeziehung der räumlich-materiellen Dimensionen zu bestimmen, um ökologisch nachhaltigen Energiekonsum mit zielgruppengenauer Ansprache besser zu fördern. Sozial-räumliche Bedingungen für ökologisch nachhaltigen Energiekonsum in der Stadt und milieuspezifische Barrieren für Verhaltensveränderungen in den Bereichen Mobilität und Wohnen werden, auf Basis einer Wiener Studie, identifiziert und daraus Konsequenzen für das Handeln gesellschaftlicher Akteure (Politik, Kommunen, Unternehmen, Verbände, Initiativen) bzw. das Setzen von Maßnahmen (Informationskampagnen, Förderpolitik, ordnungsrechtliche Instrumente) abgeleitet.