Ablauf eines Berufungsverfahrens

Das § 98 und das § 99(4) Berufungsverfahren

Die Berufung von Professor_innen an die TU Wien erfolgt bei diesen Berufungsarten in partizipativer Art und Weise zwischen den Fakultäten, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, dem Senat, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster und dem Rektorat, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster mit Unterstützung der Expertise von externen Gutachter_innen. Dies erfordert Zeit und daher dauert ein Berufungsverfahren ab dem Zeitpunkt der Bewerbungsfrist etwa ein Jahr.

Die BERUFUNGSKOMMISSIONEN stellen bei jedem dieser Berufungsverfahren einen zentralen Faktor dar und werden vom Senat , öffnet in einem neuen Fensterder TU Wien eingesetzt. Sie bestehen aus Vertreter_innen der TU Wien aus der Gruppe der Universitätsprofessor_innen, der wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen und der Studierenden. Der_die jeweilige Dekan_in, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster (ihm/ihr obliegt die Leitung einer der insgesamt acht Fakultäten, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster der TU Wien) und der_die Studiendekan_in nehmen als Auskunftspersonen teil, wie auch Vertreter des Arbeitskreises für Gleichbehandlung (AKG), öffnet in einem neuen Fenster in beratender Funktion. 

Die Tätigkeit der BERUFUNGSKOMMISSIONEN erstreckt sich dabei auf etwa 6-7 Monate (mindestens drei Sitzungen neben der konstituierenden Sitzung), bei abgekürzten Verfahren über etwa 3-4 Monate (mindestens zwei Sitzungen neben der konstituierenden Sitzung) und beginnt in Phase 2, der Ausschreibungsphase, nach Ende der Bewerbungsfrist. 

PHASE-1         Vorbereitungen zur Ausschreibung (Einleitung und eventuell Sondierung)
PHASE-2 Die Ausschreibung selbst und die anschließende konstituierende und Sitzung(en) zur Sichtung der Bewerbungslage  der jeweiligen Berufungskommission.
Die Dauer dieser Phase beträgt etwa 2-3 Monate ab Ausschreibungsstart bei §98 Professuren und etwa 1-2 Monate bei §99(4) Professuren.
PHASE-3 Die Gutachteneinholung (Einholung externer Expertise) und anschließende Sitzung der jeweiligen Berufungskommission bei Vorliegen der Gutachten, um eine erste Liste mit den vielversprechensten Bewerber_innen zu erstellen. Hier enden auch die §99(4)-Ausschreibungen mit einer Liste der best geeignetsten Beweber_innen mit einem Berufungsvorschlag.
Die Dauer dieser Phase beträgt bis zu 2 Monate.
PHASE-4 Die Durchführung von Hearings (nur bei §98 Professuren) mit den vielversprechensten Bewerber_innen (das sind abhängig von der Bewerber_innensituation meist etwa 5-6 Personen) sowie die anschließende(n) Sitzung(en) der jeweiligen Berufungskommission, um einen Besetzungsvorschlag mit den drei best geeignetsten Bewerber_innen zu erstellen.
Die Dauer dieser Phase beträgt bis zu 2-3 Monate.
PHASE-5 Abschließende Berufungsverhandlungen mit der Rektorin 

Den momentanen STATUS der 5 Phasen (Vorbereitung-Ausschreibung-Gutachteneinholung-Hearings und Besetzungsvorschlag-Berufungsverhandlung) eines Berufungsverfahrens können Sie grundsätzlich unter "Laufende Berufungsverfahren, öffnet in einem neuen Fenster" verfolgen.

Die grundsätzlichen fünf PHASEN eines BERUFUNGSVERFAHRENS nochmals ausführlicher erklärt:

Der Startschuss jeder Ausschreibung einer Professur beginnt mit der EINLEITUNG des Verfahrens. Die Einleitung selbst, d.h. die Übermittlung eines ersten Entwurfs des Ausschreibungstextes und weiterer grundlegenden Informationen zur zu besetzenden Professur, wird im Rektorat beschlossen und führt in Abhängigkeit vom Verfahren zu folgenden weiteren Schritten:

Bei verkürzten Verfahren wie z.B. nach §99(4) bewirkt die Zustimmung zur Einleitung des Verfahrens und die Genehmigung des Ausschreibungstextes von Seiten des Rektorats, dass die Ausschreibung starten kann (siehe Phase 2).

Bei §98 Verfahren bewirkt die Einleitung des Verfahrens, dass ein SONDIERUNGSAUSSCHUSS eingesetzt wird. Mit dessen Hilfe soll die Bewerber_innenlage für die kommende Ausschreibung analysiert bzw. "sondiert" werden und eine Liste von potentiellen Kandidat_innen für die genannte Professur erstellt werden. Darüber hinaus soll grundsätzlich die Aktualität und Zukunftsfähigkeit des geplanten Ausschreibungsgebietes überprüft werden. Am Ende seiner Tätigkeit - spätestens zwei Monate nach dessen Einsetzen - übermittelt der Sondierungsausschuss dem Rektorat einen Abschlussbericht inkl. einem überarbeiteten Ausschreibungstet. Damit ist die Sondierungsphase beendet.

Alles rund um die Ausschreibung

Die Ausschreibung für die neu zu besetzende Professur wird nun durch das Rektorat - bei §98 Professuren unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Sondierungsausschusses  - in Abstimmung mit dem_der zuständigen Dekan_in veranlasst und im Mitteilungsblatt, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster sowie im Karriereportal, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster der TU Wien veröffentlicht. Zusätzlich muss bei §98 Professuren auch international öffentlich ausgeschrieben werden. Im Ausschreibungstext stehen alle Informationen zum besetzenden Fach (dazu gibt es deutsche und englische Ausschreibungsvorlagen für §98, §99(1) und §99(4) Professuren [unter: Interne Dokumente, öffnet in einem neuen Fenster]). Die Ausschreibung ist typischerweise für etwa 6-8 Wochen offen, außer bei verkürzten Verfahren: hier sind es (mindestens) 3 Wochen.

WICHTIG: Es wird empfohlen, dass die verschiedenen Maßnahmen gemäß der Richtlinie zum Entfall der Wiederholung der Ausschreibung, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster des AKG zeitgleich mit der Veröffentlichung der Ausschreibung entsprechend dem Formblatt des AKG zum Entfall der Wiederholung der Ausschreibung, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster umgesetzt werden.

Anschließende erste Sitzungen der Berufungskommissionen (BK)

Nach Ende der Bewerbungsfrist beginnt nun die jeweilige BERUFUNGSKOMMISSION zu arbeiten und hat ihre konstituierende Sitzung um den Vorsitz der Berufungskommission zu wählen und dann (meist) anschließend die erste Sitzung, um die Bewerbungen zu sichten und einen Zeitplan für ihre Arbeit zu erstellen.  
Bewerbungen, die die Ausschreibungskriterien offensichtlich nicht erfüllen (u.a. aus formalen Gründen wie fehlender Bewerbungsunterlagen und Nichterfüllung der Ausschreibungskriterien) werden in dieser ersten Sitzung aussondiert und eine Liste der Bewerber_innen erstellt, über die Gutachten eingeholt werden (diese Liste wird - bevor diese an die Gutachter_innen weitergegeben wird - von der Rektorin überprüft). Zudem werden etwaige Befangenheiten („Befangenheiten – Kriterien zum Ausschluß von Befangenheiten, öffnet eine Datei in einem neuen Fenster“/“Criteria for exclusion of partiality, öffnet in einem neuen Fenster“; Erläuterungen zu Befangenheiten, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster) sowohl von den vorgeschlagenen Gutachter_innen als auch den Mitgliedern der Berufungskommission überprüft, um feststellen zu können, ob alle Personen weiterhin am Prozess teilnehmen können (siehe auch "Umgang mit Befangenheiten" unter Leitlinien und Qualitätssicherung, öffnet in einem neuen Fenster).

ACHTUNG: die Sitzung zur Sichtung der Bewerbungslage muss lt. Gesetz innerhalb eines Monats nach dem Ende der Bewerbungsfrist erfolgen!

Einholung der Gutachten und zweite Sitzung der BK

Ziel ist es in dieser Phase des Berufungsverfahrens mit Hilfe von externen Gutachten eine erste Reihung und Bewertung der Bewerber_innen vorzunehmen, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen Eignung und Erfahrung in der Lehre sehr geeignet für die ausgeschriebene Professur erscheinen. Der Blick von außen stellt hier einen unabhängigen und wichtigen Input dar und wird in der (meist 2.) Sitzung, die nach der Gutachteneinholung stattfindet, diskutiert. Für die Erstellung der Gutachten durch die Gutachter_innen wird grundsätzlich eine Frist von 1 Monat gegeben. Aus der Diskussion über die Gutachten entsteht die Liste der Personen, die zum Hearing eingeladen werden (die sogenannte "Longlist").

WICHTIG: Bei §99(4) Professuren endet nach Erhalt der Gutachten und der darauf folgenden Sitzung das Berufungsverfahren, denn die in dieser Sitzung erstellte Liste der am besten geeignetsten Bewerber_innen entspricht dem Besetzungsvorschlag.

Auswahl der Gutachter_innen

Die dafür notwendigen und nach internationalen Standards ausgewiesenen GUTACHTER_INNEN werden beim §98 Verfahren von den Universitätsprofessor_innen des Senats auf Vorschlag der Universitätsprofessor_innen der relevanten Fakultät bestellt, wobei gilt, dass die Gutachter_innen von extern sein müssen (d.h. NICHT an der TU Wien beschäftigt sind). Bei §99(4) Verfahren erfolgt die Bestellung der Gutachter_innen anders. Hier schlägt die Berufungskommission dem_der Rektor_in potentielle Gutachter_innen vor und der_die Rektor_in wählt die mindestens zwei Gutachter_innen aus dieser Liste aus.

Abhaltung von Hearings, letzte Sitzung der BK inkl. Erstellung des Besetzungsvorschlags

Zu Hearings eingeladen zu werden, ist eine erste Auszeichnung für Bewerber_innen. Meist werden - abhängig von der ursprünglichen Anzahl der Bewerber_innen - 5-6 Personen eingeladen. Da zur Vorbereitung der Hearings den Bewerber_innen genügend Zeit gegeben wir, dauert aus diesem Grund diese Phase in etwa 2-3 Monate.

WICHTIG: Zu den Hearings müssen alle Bewerberinnen, die die Ausschreibungskriterien offensichtlich erfüllen (das wird in der ersten Sitzung der Berufungskommission überprüft), eingeladen werden. In besonders berücksichtigungswürdigen Fällen (z.B. eine ungewöhnlich große Anzahl an Bewerberinnen) kann mit schriftlichem Einverständnis des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen die Anzahl der einzuladenden Bewerberinnen reduziert werden. 

Nach den „Hearings“ erstellt die Berufungskommission als letzten Arbeitsschritt ihrer Tätigkeit in ihrer letzten gemeinsamen Sitzung einen begründeten Besetzungsvorschlag ("Dreier-Vorschlag" oder auch "Shortlist"), der an den_die Dekan_in übermittelt wird.
WICHTIG: Der Besetzungsvorschlag muss innerhalb von 7 Monaten nach dem Ende der Bewerbungsfrist erstellt werden.

Die Hearings

Die Hearings bestehen aus BERUFUNGSVORTRÄGEN und anschließenden INTERVIEWS:
- Die BERUFUNGSVORTRÄGE wiederum bestehen prinzipiell aus zwei Teilen, einerseits einer Lehrprobe über ein vorgegebenes Thema, um die didaktischen Fähigkeiten zu überprüfen (hierzu kommt den Studierenden eine besondere Rolle zu) und andererseits einem wissenschaftlichen Vortrag zu einem von den Bewerber_innen selbst gewählten Thema. 
- Bei den anschließenden nicht-öffentlichen INTERVIEWS werden administrative und fakultätsbezogene Fragen erörtert und dem_der Bewerber_in die Chance gegeben seine/ihre Motivation und Ziele noch fundierter darzustellen bzw. sein/ihr Forschungs- und Lehrkonzept zu erklären. Zudem hat der_die Bewerber_in die Möglichkeit die TU Wien und seine/ihre neuen Kolleg_innen kennenzulernen .

Dem_der Dekan_in obliegt nun eine Stellungnahme zu dem von der Berufungskommission erhaltenen Besetzungsvorschlag zu schreiben. Die Stellungnahme und alle anderen relevanten Unterlagen (Protokolle, etwaige Berichte, Besetzungsvorschlag etc.) sendet er/sie an den_die Rektor_in. Nach Erhalt aller relevanten Unterlagen und einer Formalüberprüfung entscheidet der_die Rektor_in über die Annahme des Vorschlages der BK und die Aufnahme von Berufungsverhandlung. Diese Entscheidung teilt er_sie dem Betriebsrat und dem AKG mit.

Erfolgt von diesen Seiten kein Einspruch über die Entscheidung, beginnt die Berufungsverhandlung, wobei diese alles rund um den Arbeitsplatz selbst (Ausstattung, Sachmittel, Übertragung von Forschungsprojekten, Personal, Gehalt), aber auch familienbezogene Fragestellungen wie Stellensuche für den Partner/die Partnerin und geeignete Schulen/Kindergärten (Dual Career Advice, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster), sowie die Übernahme der Umzugskosten, Unterstützung bei der Wohnungssuche und anderen administrativen Sachen beinhalten kann.

Die Berufungsverhandlung endet mit der Annahme des Berufungsangebotes und der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags. Damit endet auch offiziell das Berufungsverfahren.

Waren die Berufungsverhandlungen erfolgreich und wurde ein Arbeitsvertrag unterschrieben, erfolgt letztendlich der DIENSTANTRITT des_r zukünftigen Professor_in (siehe auch "Neue Professor_innen, öffnet in einem neuen Fenster "). Für neue Professor_innen an der TU Wien gibt es seit dem Jahr 2020 eine Reihe von Welcome-Aktivitäten (siehe auch unter "Welcome Center, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster").