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Staatspreis Patent für umweltfreundliche Super-Kunststoffe

Von den Chemikerinnen Miriam Unterlass und Bettina Baumgartner kommt das „Patent des Jahres“ – bereits zum dritten Mal geht der Preis an eine Erfindung der TU Wien.

Sieben Personen im Forschungslabor

Das Forschungsteam

Das Team rund um Patent-Staatspreisträgerin Miriam Unterlass (rechts)

Das Team rund um Patent-Staatspreisträgerin Miriam Unterlass (rechts)

Zum dritten Mal wurde dieses Jahr der „Staatspreis Patent“ vergeben – und zum dritten Mal geht der Preis an eine Erfindung, die an der TU Wien entwickelt wurde. „Dass die TU Wien beim Staatspreis Patent so erfolgreich ist, zeigt deutlich, wie anwendungsorientiert, praxisnah und innovationsgetrieben unsere technologische Forschung ist. Das ist uns sehr wichtig“, sagt Prof. Johannes Fröhlich, Vizerektor für Forschung und Innovation der TU Wien.

Prämiert wurde Prof. Miriam Unterlass, die Leiterin der Forschungsgruppe „Organische Hochleistungsmaterialien“ und ihre Mitarbeiterin Bettina Baumgartner. Die beiden haben ein neuartiges Verfahren entwickelt, mit dem man auf viel umweltfreundlichere Weise als bisher spezielle Hochleistungskunststoffe herstellen kann.

Der Staatspreis Patent ist die höchste Auszeichnung der Republik für österreichischen Erfindungsgeist und soll besonders innovative Leistungen ins Scheinwerferlicht rücken. Vergeben wurde er am 9. November 2020 von der Bundesministerin Leonore Gewessler.

Organische Kunststoffe

Viele Materialien, die wir täglich verwenden, sind nicht nachhaltig. Manche sind schädlich für Pflanzen oder Tiere, andere beinhalten seltene Elemente, die nicht immer so leicht verfügbar sein werden wie heute. Eine große Zukunftshoffnung ist es, verschiedene Materialeigenschaften auch durch neuartige organische Moleküle zu erzielen. Organische Hochleistungsmaterialien, die nur häufige Elemente wie Kohlenstoff, Wasserstoff oder Sauerstoff enthalten, könnten unser Ressourcenproblem lösen – allerdings ist ihre Herstellung meist alles andere als umweltschonend. Oft kommen bei der Synthese solcher Materialien sehr giftige Substanzen zum Einsatz, auch wenn das Endprodukt selbst ungiftig ist.

An der TU Wien geht man daher einen anderen Weg: Eine völlig neue Herstellungsmethode wurde entwickelt, bei der die Kunststoffe bei hohem Druck und hoher Temperatur synthetisiert werden. Unter bestimmten Bedingungen kann man giftige Lösungsmittel, die bei anderen Herstellungsverfahren benötigt würden, einfach durch Wasser ersetzen.

Bei der Patentierung und Verwertung ihrer Technologie wurden die Erfinderinnen vom Forschungs- und Transfersupport der TU Wien unterstützt. „Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg. Er bestätigt die hervorragende Forschungsarbeit an der TU Wien“ sagt Tanja Sovic, Leiterin der Fachgruppe Patent & Lizenz Management.

Drei Preise, dreimal TU Wien

Bei allen drei bisherigen Vergaben des Staatspreises war die TU Wien beim Siegerprojekt beteiligt: 2016 wurde der Staatspreis Patent für eine neuartige, umweltfreundliche Methode zur Herstellung von künstlichem Schnee vergeben, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, 2018 gewann ein simples, tragbares Computer-Display, das Texte in Blindenschrift darstellt, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster. Mehr über das Kunststoff-Herstellungsverfahren, das den diesjährigen Preis gewonnen hat, können Sie hier nachlesen:

Wasser statt Gift - grüne Kunststoffproduktion, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

 

Text: Florian Aigner