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Wohlfühlmoleküle

Sie sorgen für das Rot der Erdbeere, für den Geschmack verschiedener Gewürze und die gesundheitsfördernde Wirkung von Trauben: An der TU Wien findet eine Konferenz über Polyphenole statt.

Kleine chemische Unterschiede - völlig unterschiedliche Farben

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Kleine chemische Unterschiede - völlig unterschiedliche Farben 1/2 Bilder

Kleine chemische Unterschiede - völlig unterschiedliche Farben

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Es ist eine Stoffgruppe, auf die man immer wieder stößt, wenn man sich mit Pflanzen beschäftigt: Polyphenole erfüllen ganz unterschiedliche Funktionen. Einerseits sind sie wichtige Farbstoffe, die Blüten oder Beeren gelb, rot oder blau färben können, andererseits sind sie auch wichtig für die Gesundheit – sowohl bei der Pflanze als auch beim Menschen. Man findet sie in allen pflanzlichen Nahrungsmitteln, in besonders großen Mengen in Wein, in Schokolade und im Tee. Kein Zweifel: diese Stoffgruppe hat ihre eigene wissenschaftliche Konferenz verdient. Vom 11. bis 15. Juli wird bei einer internationalen Konferenz an der TU Wien über Polyphenole diskutiert.

Bunt und gesund
Bunte Blumen und Früchte sind nicht nur schön anzusehen, sie sind auch wissenschaftlich hochinteressant. Farbstoffe, die chemisch fast identisch aufgebaut sind, können ganz unterschiedliche Farben ergeben. Polyphenole, die sich bloß durch einzelne unscheinbare OH-Gruppen unterscheiden, können eine Blume entweder rot, purpur oder dunkelblau färben. Im Genom der Pflanzen kann man die DNA-Sequenz identifizieren, die ein bestimmtes Enzym hervorbringt, das dann wiederum zur Produktion eines bestimmten Farbstoffes führt.

Die Pflanze lockt mit ihrer Farbenpracht Bestäuber an, doch sie nutzt Polyphenole auch noch für viele andere Zwecke: Bestimmte Substanzen dieser Gruppe können die Pflanze vor UV-Licht schützen, Schädlinge abwehren, vor Frost schützen, oder sogar die Kommunikation mit Bakterien ermöglichen.

Wir Menschen können zwar keine Polyphenole produzieren, aber mit den Pflanzen, zum Beispiel Trauben, nehmen wir sie in unseren Körper auf – und auch dort spielen sie eine wichtige Rolle für die Gesundheit: Polyphenole sind Radikalfänger, sie können Entzündungen hemmen, uns vor Herz-Kreislauferkrankungen schützen und sogar das Krebsrisiko senken.

Das bedeutet freilich nicht, dass man täglich Polyphenole löffeln sollte, wie immer kommt es auch hier auf die Dosis an: In zu hoher Konzentration können auch Polyphenole schädlich sein. In manchen Weinen können sie für bitteren Geschmack sorgen – genau deshalb braucht der Wein ein bisschen Luft: wenn die Gerbstoffe oxidieren, verbessert sich auch der Geschmack.

Die Konferenz „ICP2016“ (International Conference on Polyphenols) findet am Campus Getreidemarkt der TU Wien statt. Prof. Karl Stich vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Techn. Biowissenschaften ist Präsident des Local Organizing Committee, Prof. Heidi Halbwirth, (vom selben Institut) ist Präsidentin des Scientific Committee.

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