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Was Männer denken

Wie sehen Männer den Frauentag? Um der Antwort auf diese Frage näher zu kommen, haben wir fünf TU-Angehörige aus unterschiedlichen Bereichen befragt.

Gruppenfoto

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Johannes Fröhlich (© TU Wien, Foto: J. Zinner)

Johannes Fröhlich (© TU Wien, Foto: J. Zinner)

Johannes Fröhlich (© TU Wien, Foto: J. Zinner)

Johannes Fröhlich (© TU Wien, Foto: J. Zinner)

Rudolf Scheuvens

Rudolf Scheuvens

Rudolf Scheuvens

Rudolf Scheuvens

Gerald Hodecek

Gerald Hodecek

Gerald Hodecek

Gerald Hodecek

Stefan Faatz

Stefan Faatz

Stefan Faatz

Stefan Faatz

Norbert Holzinger (© Matthias Heisler)

Norbert Holzinger (© Matthias Heisler)

Norbert Holzinger (© Matthias Heisler)

Norbert Holzinger (© Matthias Heisler)

Fünf Fragen rund um den internationalen Frauentag wurden stellvertretend für alle TU-Bereiche beantwortet von:

  • Johannes Fröhlich, Vizerektor für Forschung (JF)
  • Rudolf Scheuvens, Dekan der Fakultät für Architektur und Raumplanung (RS)
  • Gerald Hodecek, Leiter Gebäude und Technik (GH)
  • Stefan Faatz, Lektor am Institut für interdisziplinäres Bauprozessmanagement (SF) und
  • Norbert Holzinger, HTU-Vorsitz (NH)

Was bedeutet der internationale Frauentag für Sie?

JF: Wie man beim Muttertag sagt, nicht nur an diesem "die Mutter zu ehren", so halte ich es mit allen Gedenktagen: der internationale Frauentag ist jedenfalls der alljährliche "Reminder" konsequent weiter der Erreichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern zuzuarbeiten sowie im Umfeld der eigenen Institution Rückschau zu halten und ggf. zu analysieren, was gelungen und was nicht gelungen ist.
RS: Immer wieder darauf aufmerksam machen zu  müssen, dass gleiche Bedingungen, gleiche Chancen, gleiche Rechte leider noch nicht Realität sind.
GH: Der internationale Frauentag ist eine hervorragende Möglichkeit, darauf hinzuweisen, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen auch im 21. Jahrhundert immer noch nicht Realität ist.
SF: Ein wichtiger Tag der Bewusstsein schafft und die gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf den Umgang mit Geschlechterunterschieden lenkt. Der Frauentag trägt auch dazu bei, der Rolle der Frau mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung zu geben.
NH: Der internationale Frauentag erinnert mich daran, dass aufgrund von ungleicher Behandlung Frauen in vielen Bereichen immer noch benachteiligt werden.  Aber auch die Diskriminierung bzw. ungleiche Behandlung von Personen anderer Herkunft, anderer sexueller Orientierung, usw. sollte nicht außer Acht gelassen werden!

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Frauenförderung an der TU Wien?

JF: Auf mittlere Sicht: die Herausforderung besteht darin, so weit zu kommen, dass man Frauenförderung als "to-do" nicht mehr auf der Agenda haben muss. Aus Alltagssicht im übertragenen Sinn: nicht 1 Tonne auf einmal heben zu wollen (und somit eben gar nichts zu bewegen), sondern lieber kontinuierlich 50 mal 20kg.
RS: Dies lässt sich nicht pauschal beantworten. In der Architektur und Raumplanung sehe ich die Herausforderungen vor allem in der konsequenten Förderung der Entwicklungsmöglichkeiten - sowohl bezogen auf die Arbeit an der Hochschule wie auch bezogen darauf, dass immer noch sehr wenige Frauen eigene Büros führen.
GH: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Frauenförderung an der Technischen Universität Wien. Diese Rahmenbedingungen weiter zu verbessern sehe ich als eine wichtige Herausforderung.
SF: Erfolgreiche Frauenförderung steht immer in einer Wechselwirkung zur Kultur der Organisation in der sie stattfindet. Somit sehe ich die eigentliche Herausforderung dabei eine partizipative und diverse Kultur zu entwickeln die es schafft mit Unterschieden umzugehen und sie als Ressourcen zu nutzen.
NH: Die Notwendigkeit der Frauenförderung resultiert daraus, dass leider nach wie vor noch häufig in der Gesellschaft das Vorurteil besteht, dass Frauen nicht für Naturwissenschaften und Technik geeignet sind, obwohl immer wieder das Gegenteil bewiesen wird. Dies führt zu einer höheren Hemmschwelle und oft zu wenig Interesse in diesen Bereichen. Der Anteil der weiblichen Studierenden ist schon gering, in weiterer Folge kann der Anteil der Assistentinnen bzw. auch Professorinnen schwer steigen. Hier kann durch Projekte wie die Kinderuni, Studieren Probieren, etc. das Interesse an technischen Studien bei Mädchen und Frauen gefördert, und Hemmungen, einen solchen Karriereweg einzuschlagen, können reduziert werden. Der Entschluss der TU Wien, das Genderfair Projekt einzuführen, setzte ein wichtiges Zeichen für die aktive Umsetzung von Chancengleichheit für Frauen.
Die wohl größte Schwierigkeit ist - wie bei jeder Förderung - die Gratwanderung zwischen Förderung und Bevorzugung zu meistern.

Welche Frau beeindruckt Sie / hat Sie beeindruckt?

JF: Man muss weder in die Vergangenheit noch in die Ferne schauen, schon gar nicht in die Politik – das gute liegt so nah: Ute Bock, eine authentische Frau sowie selbstlose, engagierte, couragierte und wenn notwendig energische Helferin.
RS: Meine Großmutter. Ganz ehrlich. Sie hat eine unglaubliche Energie ausgestrahlt.
GH: Neben meiner Gattin tagtäglich, hat mich das Leben und das Wirken von Marie Curie beeindruckt.
SF: Frau Rektorin Seidler, die es in beeindruckend überlegter und pragmatischer Weise schafft, zusätzlich zu ihren fordernden Aufgaben als Rektorin in Zeiten des wirtschaftlichen Drucks auf die Hochschulen, auch mit den Herausforderungen umzugehen die sie als Frau in der Rektorinnenrolle betreffen.
NH: Diese Frage kann ich nicht beantworten, da gibt es zu viele. Allgemein beeindrucken mich Personen, die unter schwierigen Rahmenbedingungen etwas schaffen, dass anfangs unmöglich erscheint.

Mit welcher Frau (historisch oder lebendig) möchten Sie die Mittagspause verbringen?

JF: Marie Skłodowska Curie: hat es mit außerordentlicher Leistung in eine damals Frauen praktisch unzugängliche Domäne geschafft und war dann gerade dadurch vielen Anfeindungen ausgesetzt – und als Chemiker würde mich ein Gespräch mit einer Chemikerin und Physikerin über Wissenschaft und Forschung damals sowie aus ihrer speziellen Wahrnehmung natürlich auch interessieren.
RSSophie Scholl - auch wenn die Mittagspause für das, was ich mit ihr besprechen würde, nicht reichen würde.
GH: Mit meiner Gattin.
SF: Mit der indischen Physikerin Vandana Shiva die mit dem Right Livelihood Award für die Integration der Stellung der Frau und der Ökologie in die moderne Entwicklungspolitik ausgezeichnet wurde. Sie beeindruckt mich durch ihr Selbstbewusstsein und ihren Tatendrang einen wertvollen Beitrag zu einer lebenswerteren Gesellschaft zu leisten.
NH: Um die Entwicklung der Frauenrechte bzw. der Gleichstellung von Frauen und Männern und deren gezielten Förderungen besser verstehen zu können, wäre es sehr interessant, je eine Frau aus den unterschiedlichen Epochen der Geschichte kennen zu lernen - und bei der Gelegenheit zu der Zeit übliche Speisen und Getränke zu verköstigen.


Ein kluger Satz, der nicht von Ihnen ist:

JF: Da möchte ich zwei Sätze von Albert Einstein nennen, die sich meines Erachtens ergänzen: "Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt." und "Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." 
RS: "Der Vorgang der Entdeckung besteht nicht darin, Neuland zu finden, sondern das Vorhandene mit anderen Augen zu sehen." (Marcel Proust)
GH: Dem Zitat von Marie Curie kann ich nur zustimmen: "Ich beschäftige mich nicht mit dem, was getan worden ist. Mich interessiert, was getan werden muss."
SF: "Fairness ist die Kunst, sich in den Haaren zu liegen, ohne die Frisur zu zerstören." (Gerhard Bronner)
NH:"Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar." (Ingeborg Bachmann)