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Prof. Rob Krier (1938–2023): Ein Nachruf

Die TU Wien und die Fakultät für Architektur und Raumplanung trauern um den Architekten, Städteplaner und Bildhauer Univ.-Prof.i.R. Dipl.-Ing. Rob Krier.

schwarz-weiß Portät Rob Krier

© Büro CKSA

Das Deutsche Architektur Museum (DAM) in Frankfurt hat ihm 2019 eine Ausstellung gewidmet, er gilt als einer der bekanntesten Protagonisten der Postmoderne, als „Star-Architekt“ und „Anwalt der schönen Künste“.

Geboren 1938 im luxemburgischen Grevenmacher, hat Robert Krier (bekannt als Rob) nach der Matura am Lycée Classique in Echternach sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule München (1959 –64) absolviert. Er sammelte Praxiserfahrung in namhaften Architekturbüros, bei Oswald Maria Ungers in Berlin und Stuttgart (1965–66) wie bei Frei Otto in Berlin und Stuttgart (1967–70). Nach seiner Tätigkeit als Assistent an der Universität Stuttgart (1973–75) und einer Gastprofessur an der Ecole Polytechnique Fédérale in Lausanne (1975) folgte er 1976 seinem Ruf an die TU Wien, wo er bis 1998 die Professur für Architektonische Gestaltungslehre innehatte.

Er galt als gleichermaßen strenger wie inspirierender Lehrer. So dogmatisch er wirkte, so tolerant konnte er auch sein. Den Studierenden vermittelte er vor allem eines: Architektur muss im Vorgang des Zeichnens einverleibt werden. Erstsemestrige wurden mit Skizzenbuch in Kirchen und Baudenkmäler geschickt und hatten erste Entwurfsübungen in kunstvoll aquarellierten Detailzeichnungen abzugeben. Die Standards in der Lehre waren hoch. Und sie blieben es auch, als in den 1990er Jahren die Zahl der jährlichen Neuankömmlinge die 1000er Marke überschritt. Legendär die Warteschlangen bei Abgaben, die vom Institut im 3. Stock über die Stiege 6 bis in den Hof reichten – und sich meist erst nach Mitternacht auflösten. Ein Lehrer also, der es ernst meinte.

Als Allrounder in Sachen Kunst war Krier am Institut für Künstlerische Gestaltung, wo die Architektonische Gestaltungslehre bis 2004 angesiedelt war, genau richtig. In seiner Brust schlugen nämlich zwei Herzen. Das eine galt der Architektur und dem Städtebau, das andere der Bildhauerei und auch der Malerei. Krier war nicht nur ein begnadeter Zeichner, der in seinen Veduten altmeisterliche Manier mit ironischer Leichtigkeit zu verknüpfen wusste, er war vor allem auch ein leidenschaftlicher Bildhauer. Seine Skulpturen, meist menschliche Torsi aus Bronze, zieren wichtige öffentliche Plätze in europäischen Städten. Aber auch seine Wohnanlagen hat er mit der dazugehörigen „Kunst am Bau“ bestückt. Die Liste seiner bildhauerischen Werke steht der Liste seiner Bauten und Schriften (über 40 Bücher, die alle auf seiner Website öffentlich zugänglich sind) in nichts nach.

Viel Beachtung erlangte Krier mit seinem 1975 erschienenen Buch „Stadtraum in Theorie und Praxis“, in dem er den autogerechten Städtebau der Nachkriegszeit kritisiert. Den von ihm beklagten Verlust des Stadtraums wollte er mit einer an historische Vorbilder anknüpfenden Typologie von Plätzen, Häusern und Straßen rückgängig machen. Gelegenheit dazu hatte er zunächst in Berlin, wo er im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1984 die Blockrandbebauung an der Ritterstraße (1977–1980) und an der Rauchstraße (1980) umsetzen konnte – letztere unter Mitwirkung von Hans Hollein und Aldo Rossi. Mit seinem Büropartner Christoph Kohl hat Krier nach der Wende großformatige Neubaugebiete in den Niederlanden, in Luxemburg und im Osten von Deutschland realisiert.

In Wien, wo er von 1976 bis 1993 ein Architekturbüro unterhielt, hat Krier wenig gebaut. Seine gemeinsam mit Hedwig Wachberger und Peter Gebhard errichtete Wohnhausanlage in der Breitenfurter Straße (1981–1987) gilt als „Hauptwerk der Postmoderne in Wien“. Der Rückgriff auf klassisch-historische Bauelemente – Säulen, Pilaster, Gesimse und Rundbögen – war bei Krier jedoch nie bloßes Zitat oder Dekoration, sondern vielmehr Leitmotiv einer abwechslungsreichen, an Wohn- und Lebensqualität orientierten Stadtplanung. Nicht die stilistische Architektursprache, sondern seine städtebaulichen Grundsätze vor Augen, hätte der „romantische Rationalist“, wie er im Titel der eingangs erwähnten Werkschau genannt wird, in Wien durchaus mehr Spuren hinterlassen können. Die Fakultät trauert um Rob Krier, der im Alter von 85 Jahren am 20. November in Berlin gestorben ist.