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Rudolf Giffinger – Professor am Department für Raumentwicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung mit einem Faible für metropolitane Entwicklungen

In der Vielfalt und Heterogenität städtisch-metropolitaner Entwicklungen findet der neu berufene TU-Professor sein Forschungsgebiet. Ob dies nun die Metropolen Süd- und Mittelamerikas, Deutschlands oder der europäischen Zentralstaaten oder sein langjähriger Lebensmittelpunkt Wien sind - für den gebürtigen Niederösterreicher ändert sich nur der Fokus. Denn in der Stadtentwicklung gibt es immer etwas Neues, Spannendes kennen zu lernen und sich damit aus regionalanalytischer Sicht auseinanderzusetzen.

Rudolf Giffinger: "Ich bemühe mich, dass wir Mitglied in diversen Netzwerken werden, um uns auf europäischer Ebene bei verschiedenen Themenstellungen zu behaupten".

Rudolf Giffinger: "Ich bemühe mich, dass wir Mitglied in diversen Netzwerken werden, um uns auf europäischer Ebene bei verschiedenen Themenstellungen zu behaupten".

Rudolf Giffinger: "Ich bemühe mich, dass wir Mitglied in diversen Netzwerken werden, um uns auf europäischer Ebene bei verschiedenen Themenstellungen zu behaupten".

Werdegang

Rudolf Giffinger wollte ursprünglich Geografie-Lehramt studieren. Als dann aber 1978 der Studienzweig Raumforschung und Raumordnung eingerichtet wurde, entschloss er sich für diese Richtung und schloss das Magisterstudium 1981 ab. In weiterer Folge arbeitete Giffinger zwischen 1983 und 1994 als Universitätsassistent an der TU Wien, dann als Assistenzprofessor und ab 1999 als ao. Univ.Professor.  Am 1. Dezember 2006 wurde er schließlich zum Universitätsprofessor für Stadt- und Regionalforschung berufen.
Im Rahmen seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der „Stadtentwicklung und Stadtplanung von Madrid“ und erhielt in diesem Zusammenhang auch mehrere Forschungsstipendien. Bereits zu jenem Zeitpunkt begann er längere Studien- und Arbeitsaufenthalte im Ausland (Spanien, Mexiko, Brasilien, Deutschland) zu absolvieren. Ab 1983 arbeitete er als junger Universitätsassistent an der TU Wien vor allem über die Heimatstadt Wien; seit etwa 15 Jahren aber wieder verstärkt in und über verschiedene Großstädte in Zentraleuropa (Budapest, Ljubljana und Bratislava).

Tätigkeitsfeld mit Schwerpunkt Stadtentwicklung

Als Leiter des Arbeitsbereiches "Europäische Raumentwicklung" (seit Oktober 2004) sowie des Fachbereiches für "Stadt- und Regionalforschung" (seit Dezember 2006) an der TU Wien beschäftigt sich Giffinger in den letzten Jahren vor allem mit Fragen der Wettbewerbsfähigkeit von Städten und deren Implikationen für die sozialräumliche Entwicklung. Seit langem widmet er sich aber auch Themen wie der Zuwanderung und Segregation sowie der Problemstellung, welche Bedeutung politisch-planerische Ansätze und Instrumente in diesem Zusammenhang haben.

Themenschwerpunkt: Wettbewerbsbedingungen von Städten

Vor dem Hintergrund der Lissabonziele betont TU-Professor Giffinger die "massiven Auswirkungen dieser Ziele auf städtischer Ebene". Konkret heißt das, dass die Stadt einen Wettbewerb um mobile Unternehmen und potentielle Investoren führt. „Firmen aus der Auto- oder Pharmaindustrie beobachten einzelne Städte sehr genau, wenn sie auf ‚europäischer Ebene’ überprüfen, wo sie ihre Zweigstellen ansiedeln. Wie reagieren Städte auf diesen verstärkten Wettbewerbsdruck? Was tut die Stadtpolitik, um sich hier aktiv einzubringen? Man muss selbst Konzepte entwickeln, um sich gegen andere Städte durchzusetzen", erklärt Giffinger. In diesem Zusammenhang laufen derzeit auch einige Forschungsprojekte am Fach- und Arbeitsbereich, die vor allem auch für die internationale Netzwerksarbeit von großer Bedeutung sind. In der Vergangenheit gab es beispielsweise Forschungsvorhaben, die sich mit der Positionierung der Städte Wien und Bratislava auseinandersetzten. Ein jüngeres Projekt mit dem Titel: "Challenges of Urban Governance: Planning Efforts, Cooperation and Participation" vergleicht die Städte Wien, Ljubljana und Belgrad miteinander.

Networking – Zusammenarbeit in Europa

"Ich bemühe mich, dass wir Mitglied in diversen Netzwerken werden, um uns auf europäischer Ebene bei verschiedenen Themenstellungen zu behaupten", unterstreicht Giffinger die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. Er ist Mitglied des "European Network of Housing Research". Ein anderes Netzwerk, das aktuell aufgebaut wird und stärker auf Südosteuropa ausgerichtet ist, nennt sich "space.net". Giffinger betont, dass es beim Networking a priori keine finanzielle Basis gibt, dies aber eine wichtige Voraussetzung für gemeinsame Forschungsvorhaben ist. "Es geht da eher in Richtung Absichtserklärungen." Zusammengearbeitet wird unter anderem mit der Technischen Universität in Bratislava und der ungarischen Akademie der Wissenschaften in Györ. Im Wesentlichen geht es dabei um die Analyse der veränderten städtischen Entwicklungstrends und der Bewertung aktueller stadtentwicklungs- und regionalpolitischer Ansätze. Giffinger führt die Stadtentwicklung von Wien in den 90iger Jahren als Beispiel an. "Da komme ich an der Frage der Zuwanderung und der veränderten Entwicklungsbedingungen durch den Fall des Eisernen Vorhangs nicht vorbei. Damit muss ich mich auseinandersetzen, andernfalls erkenne ich offensichtliche Entwicklungen und Tendenzen nicht an", erklärt er.

Studienorganisation und Qualität

Giffinger über die Qualität der Lehre im Studium Raumplanung: „Die Ausbildung in der Raumplanung ist sehr gut im europäischen Vergleich. Auf Basis des Prinzips der forschungsgeleiteten Lehre und mit der Spezialisierung auf technische Fertigkeiten, Methoden und Instrumentarien sind wir relativ nahe am Arbeitsmarkt.“ Hier habe sich einiges verändert - speziell im Vergleich zu den 90iger Jahren. Heute gehen AbsolventInnen auch in die Privatwirtschaft und machen nicht nur klassische Raumplanungstätigkeiten für die Gebietskörperschaften. Die modulhafte Ausbildung bewährt sich für Giffinger am Ende des Studiums ganz gut. Dennoch legt er Wert darauf, dass die Diskussion über die Bewertung der Module intensiviert werden muss, um Fehlentwicklungen vorzubeugen. Über die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge zeigte sich Giffinger grundsätzlich zufrieden. Er persönlich sei aber nicht ganz glücklich mit der Situation, dass nur zwei Studiengänge, einer für Architektur und einer für Raumplanung, eingerichtet wurden. „Ich bin der Meinung, dass dies ein sehr traditionelles Modell gegenüber den alten Studienrichtungen ist. Ich würde mir da schon eher wünschen, dass zumindest ein dritter Masterstudiengang in der Fakultät etabliert wird“, so Giffinger.

Bezüglich der Studierendenzahlen gab Rudolf Giffinger an, dass sich das Verhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden verändert habe. „Interessanterweise ist die Zahl der Studierenden vor einigen Jahren zurückgegangen. Wir hatten schon eine kritische Untergrenze von 50 bis 60 StudienanfängerInnen.“ Dann gab es Werbeaktivitäten bei der Studien- und Berufsmesse „Best“, die offensichtlich „gegriffen“ haben. Die Zahlen vergrößerten sich wieder und liegen nun bei 120 bis 140 Neuimmatrikulierten pro Jahr. Die Mehrbelastung steigt dadurch und es führt auch zu einem strukturellen Problem. Giffinger: „In das Haus in der Operngasse sind wir vor zwei Jahren eingezogen, damals war es groß genug. Heute sind einige der Seminarräume bereits zu klein.

Kooperation mit Universitäten in anderen Großstädten

Sein Faible für Lateinamerika entdeckte Professor Giffinger bei verschiedenen Studienreisen in diese Länder. Dort konnte er sich auch sehr gute Kenntnisse der spanischen Sprache aneignen und seine Kontakte bis zum heutigen Tage pflegen. Im Dezember 2006 fand unter seiner Leitung eine zweiwöchige Exkursion nach Santiago de Chile statt. Anhand dieses Beispiels beschäftigen sich er und seine StudentInnen mit einschlägigen Fragestelllungen. „Die Stadt ist sehr rasch auf inzwischen 5,5 Mio. Einwohner angewachsen. Wir haben zwei, drei sehr intensive Kontakte gehabt, sowohl zu einer renommierten Privatuniversität als auch zu einigen Planungsstätten. Dort versucht man zu begreifen, wie man in einer so schnell wachsenden Stadt Stadtentwicklungsplanung auf der metropolitanen Ebene betreiben sollte“, erklärt Giffinger. Von den Konzepten her zeigte er sich überrascht, da diese von Kooperationen und Entwicklungshilfeprojekten aus Deutschland geprägt seien. „Selbstverständlich ist das Konzept ganz anders als die Realität. Man merkt schnell, dass die politisch-administrativen Einrichtungen zum Teil schlechter funktionieren. Dafür sieht man Dinge viel schneller und viel deutlicher als bei uns. So gesehen gibt es wirklich einen großen Lerneffekt.“ Zugleich ist Giffinger wichtig, die aktuellen Trends und deren Ursachen in der Stadtentwicklung von zentraleuropäischen Städten zu verstehen; auch für Wien habe sich die Situation seit dem Fall des Eisernen Vorhanges ja grundlegend verändert. Die Kooperation mit Forschungspartnern will er daher nicht nur zu lateinamerikanischen Universitäten sondern u.a. auch zu Universitäten in Bratislava, Prag, Budapest, Ljubljana und Belgrad intensivieren.

Die private Seite

In seiner eher knapp bemessenen Freizeit widmet sich Professor Giffinger verschiedenen Hobbys, wie etwa dem Laufen, Tennis spielen, Wandern und Lesen. Wenn er nicht beruflich unterwegs ist, reist Giffinger auch privat gerne, bezeichnet sich selbst aber nicht als den typischen Urlauber, der lange am Strand liegt. 

Ausblick

Im Hinblick auf Zukunftswünsche gab Rudolf Giffinger an, dass er ein großes Potential im Department für Raumentwicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung sehe. Dieses Potential sollte noch besser ausgeschöpft werden. „Wir bemühen uns dahingehend, aber da kann man natürlich nie zufrieden sein.“ Seine Vision befasst sich mit einer für den „Fachbereich Stadt- und Regionalforschung“ verbesserten Positionierung über Österreichs Grenzen hinaus. Hier sei es nötig den Fachbereich als attraktiven Partner zu entwickeln und auf der nationalen wie auch auf der zentraleuropäischen Ebene mit bestimmten Themenschwerpunkten nach außen zu platzieren. Dazu gehöre auch die Publikationstätigkeit, die Giffinger am Institut forcieren möchte.