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Reinhard Kienberger – den Attosekunden beim Laufen zusehen

Der absolvierte Elektrotechniker spezialisierte sich auf Attoskunden-Pulse und verfolgt die Bewegung von Elektronen in Atomen in Echtzeit.

 

Dr. Reinhard Kienberger

Dr. Reinhard Kienberger

Dr. Reinhard Kienberger

Dr. Reinhard Kienberger

Reinhard Kienberger wurde am 25. Mai 1971 in Graz geboren. Nachdem er die Matura mit Auszeichnung absolviert hatte, entschied er sich für das Studium der Elektrotechnik an der TU Wien. 1999 schloss er sein Studium mit der Diplomarbeit zum Thema "Erstellung eines automatisierten Meßsystems zur Röntgenspektralanalyse" ab.

Selbstorganisation als Grundvoraussetzung

Rückblickend auf seine intensiv genutzte Studienzeit meint Kienberger: „Ich habe meine Studienzeit absolut genossen: 18 Semester (damals Durchschnittsstudiendauer) inklusive einer kommissionellen Prüfung – letztendlich mit guten Noten und Promotion mit Auszeichnung.“
Mit seinem  Betreuer Ferenc Krausz vom Institut für Angewandte Elektronik und Quantenelektronik der TU Wien sollte sich in den nächsten Jahren noch eine intensivere Zusammenarbeit entwickeln.

Zunächst blieb er diesem als Assistent erhalten und promovierte 2002 - mit Ferenc Krausz als Doktorvater – mit Auszeichnung über das Thema „Subfemtosecond XUV Pulse Generation and Measurement“. Wenn man ihn fragt, ob er denn von seinem Studium bei seiner heutigen Tätigkeit profitiert habe, meint er, „Das Studium war damals absolut nicht verschult und zwang zur Selbstorganisation – davon profitiere ich heute noch.“

Nach dem Doktorat absolvierte er ein weiteres PostDoc-Jahr in der gleichen Arbeitsgruppe. Reinhard Kienberger erhielt 2004 das APART Stipendium (Austrian Programme for Advanced Research and Technology) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und ging mit diesem für 10 Monate an das Stanford Linear Accelerator Center (SLAC) an der Stanford University (USA).

Herausragende Leistungen in der Forschung

Nach seiner Rückkehr in die Heimat folgte er Ferenc Krausz 2005 im Rahmen eines weiteren PostDocs als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Max Planck Institut für Quantenoptik nach Garching in Deutschland. Dort leitet er seit 2006 die Attosekunden-Projekte in der Abteilung „Attosekunden- und Hochfeld-Physik“und ist Leiter der Selbständigen Max-Planck Nachwuchsgruppe „Attosekundendynamik“.

Als einziger Österreicher erhielt Reinhard Kienberger 2006 nicht nur den Sofja Kovalevskaja Preis für Spitzennachwuchswissenschafter der Alexander-von-Humboldt Stiftung verliehen sondern auch  den ERC Starting Grant des neu gegründeten Europäischen Forschungsrates (European Research Council). Ziel dieses ERC Starting Grant ist es, herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über einen Zeitraum von fünf Jahren in einem der teilnehmenden europäischen Länder effektiv zu fördern. Mit diesen Preisen werden Kienbergers „herausragende Leistungen in der Forschung“, im Besonderen seine Beiträge zur „ersten Erzeugung und Messung von Attosekunden-Pulsen, zur Bewegungskontrolle von Elektronen auf einer Attosekunden-Zeitskala, und zur Entwicklung eines Messsystems für Zeit-Intervalle in der Dauer von 100 Attosekunden“ – wie es im Wortlaut heißt - anerkannt.

Attosekunden im Zentrum des Interesses

Das große Interesse der Wissenschaftler an der Erzeugung von Attosekunden liegt darin, dass man sich hier auf einer mit atomaren Vorgängen vergleichbaren Zeitskala bewegt. Zum Vergleich: Eine Attosekunde (10 exp-18 s) verhält sich zu einer Sekunde wie eine Sekunde zum Alter des Universums. Ziel ist es unter mit Attoskunden-Pulsen die Bewegung von Elektronen in Atomen in Echtzeit zu verfolgen und zu messen, also gewissermaßen auf Ihrem Weg „ zu beobachten“.
„An meinem Beruf begeistert mich, Forschung zu betreiben und Dinge zu finden, die zuvor niemand gemessen oder gesehen hat, und die Möglichkeit, das neu erworbene Wissen auch an Studentinnen  und Studenten weiter geben zu können“, zeigt sich Kienberger begeistert, der auch an der Technischen Universität München eine Professur für Experimentalphysik hält.

Fachliche Kompetenz allein ist zu wenig

Als besonders wichtig stuft Kienberger aber neben dem fachlichen Wissen die soziale Kompetenz ein und rät Studierenden und jungen Absolventinnen und Absolventen sich diese anzueignen. „Ich bin überzeugt, junge Leute wissen genau, wie man dies bewerkstelligen kann“, meint Kienberger mit einem Augenzwinkern.

Drei Kinder bringen Abwechslung

Neben seiner Arbeit findet Reinhard Kienberger auch noch Zeit für seine Frau und seine drei Kinder. Wenn es geht, werden die Wochenenden für Bergsteigen in den österreichischen und bayerischen Alpen – meistens mit einem Kind in der „Krax´n“, wie Kienberger ergänzt – für‘s Schifahren in der Pinzgauer Heimat und für Aufenthalte am Attersee genutzt als wichtiger Ausgleich zur Arbeit. Andere Hobbies wie Schachspielen, Gitarre, Klavier und Saxophon, Schitouren gehen, klassische Konzerte und einfach Lesen kommen nach seinem Geschmack etwas zu kurz – vielleicht bessert sich das, wenn die Kinder größer sind, hofft er.