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Pflegeheime werden grüner

Bauingenieurwesen und Pflegewissenschaften arbeiten in einem Forschungsprojekt zusammen, das optimale Begrünungsstrategien für Alten- und Pflegeheime untersucht.

Heimbewohnerinnen kümmern sich um Pflanzen

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Außenbegrünung im Pflegeheim Tulln

Außenbegrünung im Pflegeheim Tulln

Porträtfoto von Prof. Azra Korjenic

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Prof. Azra Korjenic

Prof. Azra Korjenic

Heimbewohnerin vor begrünter Wand

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Auch Innenräume lassen sich mit Pflanzen aufwerten

Auch Innenräume lassen sich mit Pflanzen aufwerten

In manchen Räumen fühlt man sich einfach nicht wohl, ganz besonders im Sommer. Die Temperatur ist zu hoch, die Luftfeuchtigkeit passt nicht. Prof. Azra Korjenic vom Institut für Werkstofftechnologie, Bauphysik und Bauökologie, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster der TU Wien untersucht seit Jahren, wie man das Raumklima und das städtische Mikroklima im Außenbereich durch Gebäudebegrünung verbessern kann. Nun wird analysiert, welche Begrünungsmöglichkeiten speziell für Alten- und Pflegeheime geeignet sind. Die Pflege- und Betreuungszentren in Stockerau, St. Pölten, Wolkersdorf und Tulln sollen von maßgeschneiderten Begrünungen profitieren.

Das Projekt wird von Azra Korjenic geleitet und mit dem Institut für Pflegewissenschaften der Universität Wien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster sowie den Unternehmenspartnern B-NK GmbH, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster und Dipl.-Ing. Ralf Dopheide e.U., öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster durchgeführt.

Pflanzen gegen den Klimawandel

„Im innerstädtischen Raum bilden sich im Sommer Hitzeinseln, und durch den Klimawandel wird sich dieser Effekt noch weiter verstärken“, sagt Azra Korjenic. „Pflanzen in Innenräumen und Fassadenbegrünungen sind ein hervorragendes Mittel dagegen: Sie regulieren das Mikroklima, sie haben durch Wasserverdunstung einen kühlenden Effekt, und zusätzlich senken sie auch noch die Feinstaubbelastung.“ Korjenic hat in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe von Begrünungsprojekten wissenschaftlich begleitet, wichtige bauphysikalische und mikroklimatische Parameter gemessen und Wissen über optimale Begrünung gesammelt – etwa in Schulen.

„Die Begrünung von Pflegezentren ist für uns ein besonders interessantes Thema, weil es hier eine ganze Reihe zusätzlicher Fragestellungen gibt. Hygienevorschriften und spezielle bautechnische Anforderungen sind zu beachten“, sagt Azra Korjenic. „Wir können hier nicht einfach ein bewährtes Standardsystem einsetzen, wir müssen die Technik ganz auf die besonderen Ansprüche und Wünsche anpassen.“

Verschiedene Bevölkerungsgruppen – verschiedene Bedürfnisse

In Workshops und ausführlichen Gesprächen mit allen beteiligten Personen werden Wünsche und Bedürfnisse erhoben. So ist etwa der Wunsch nach Nutzpflanzen in Tischhöhe entstanden, sodass man auch mit einem Rollstuhl ganz nahe an die Pflanzen herankommen und auch bei der Arbeit mit den Pflanzen mitmachen kann.

Bettlägerige Menschen leiden oft darunter, dass sie einen großen Teil ihrer Zeit bloß die Zimmerdecke im Blickfeld haben – daher werden nun auch Möglichkeiten geprüft, die Decke zu begrünen. Auch der Wunsch nach Pflanzen mit essbaren Früchten wurde geäußert, und nicht zuletzt muss man beim Begrünen darauf achten, dass weder Pflanzen noch Füll- oder Schüttmaterial giftig ist, um Patienten mit Demenzerkrankungen nicht zu gefährden.

„Außerdem kann es sein, dass der angenehme Parameterbereich, in dem wir von einem hygrothermisch behaglichen Raumklima sprechen, bei älteren Menschen anders ist. Auch das untersuchen wir derzeit“, sagt Azra Korjenic.

Die ersten Begrünungsmaßnahmen im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln sind nun bereits abgeschlossen. Die Auswertung der Daten geht weiter. Alle technischen Innovationen werden einem umfassenden Monitoring unterzogen, sowohl nach technischen als auch sozialen Kriterien. „Das Thema wird noch stark an Bedeutung gewinnen“, ist Azra Korjenic überzeugt. „Die Begrünung von Gebäuden und Straßen wird eine wachsende Rolle spielen, und aufgrund der demographischen Entwicklung wird man auch die speziellen Bedürfnisse älterer Menschen immer stärker berücksichtigen. Letztlich bringt das für alle mehr Lebensqualität.“

Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Klima- und Energiefonds im Rahmen des Programms „Smart Cities Demo – Living Urban Innovation 2018, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster“ und außerdem vom Land NÖ (Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Landeskliniken und Landesbetreuungszentren), öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster.

Kontakt

Prof. Azra Korjenic
Institut für Werkstofftechnologie, Bauphysik und Bauökologie
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13
T: +43-1-58801-207300
azra.korjenic@tuwien.ac.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
PR und Marketing
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at