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Masse statt Klasse?

Am 18. November ist das „University Systems Ranking: Citizens and Society in the Age of Knowledge” des Lisbon Council for Economic Competitiveness and Social Renewal (http://www.lisboncouncil.net/) erschienen.

Rektor Peter Skalicky

Rektor Peter Skalicky

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Österreich belegte unter 17 Ländern den 16. Platz. Wie aus der Pistole geschossen das mediale Urteil: „Austria’s universities are rubbish“ (Wiener Zeitung, 19.11.). Der Kritik des Präsidenten des Lisbon Council: „Das österreichische System ist zu elitär. Es bildet nicht genug Menschen aus. Und jene, die am Ende einen Abschluss haben, sind mit dem Magistertitel oft überqualifiziert.“ (Die Presse, 19.11.). Spannend: Man wird also an Institutionen, die „rubbish“ sind, „überqualifiziert“.

Viel gravierender als die mediale Verkürzung ist aber die Reaktion in der Hochschulpolitik: „Die Rektorenkonferenz sieht ihre Forderungen nach einer Verbesserung der Studienbedingungen und damit verbunden einer besseren finanziellen Ausstattung der Universitäten bestätigt“ (Die Presse, 19.11.). Es ist allerdings gefährlich, beliebige mediale Aussagen vor den eigenen politischen Karren zu spannen.  Das greift zu kurz, denn Österreichs Hochschulsystem fällt nämlich sowohl in der wirtschaftlichen Betrachtung von zu qualifizierenden „Massen“, wie im gegenständlichen Ranking, als auch beim wissenschaftlichen Vergleich der „Klasse“1 zurück.

Das Problem ist an beiden Fronten die noch immer mangelnde Differenzierung im österreichischen Hochschulsystem. 80 % der Studierenden werden in Universitäten, 11 % an Fachhochschulen ausgebildet (Statistisches Handbuch 2007, S. 12). Die Universitäten in Österreich sind klasse, aber nicht weltklasse. Natürlich bekommt man an der Universität Klagenfurt in der Regel eine bessere Ausbildung als an einem durchschnittlichen US-College. Und in Harvard vielfach eine noch bessere Ausbildung als an der TU Wien. Und natürlich haben die USA eine weit höhere AkademikerInnenquote als Österreich, aber eben von unterschiedlicher Qualität.

Im Herbst 2007 hat der Nationalrat die Anhebung der Ausgaben für den tertiären Sektor von 1,2 % (aktuell 1,3) des BIP auf 2 % bis 2020 beschlossen. Im aktuellen Regierungsprogramm findet sich das Ziel wieder, diesmal ohne Zeitangabe und ohne Road Map für die Umsetzung. Die Aufwertung der Pädagogischen Akademien in den Hochschulstatus, die Einführung von Fachhochschulen und Privatuniversitäten sind richtige Schritte. Allerdings ist an der Spitze das I.S.T. Austria – bis dato noch immer in status nascendi – zu wenig. Einige der 21 Universitäten müssen deutlich besser ausgestattet werden, um international konkurrenzfähig zu bleiben bzw. zu werden. Diese Top-Universitäten müssen sich natürlich ihre Studierenden auch aussuchen können, ansonsten reduziert sich der Drop Out sicher nicht. Wenn die Politik das nicht will, muss man das offen sagen. Dann muss man sich aber auch nicht mehr über schlechte Ergebnisse in diversen Rankings beklagen.

1 Vgl. World University Rankings des Times Higher Education Supplement gem. mit Quacquarelli Symonds (http://www.topuniversities.com/worlduniversityrankings/) bzw. Academic Ranking of World Universities der Shanghai Jiao Tong University (http://www.arwu.org/rank2008/en2008.htm).