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COVID-19 in Wien: Kontakte reduzieren – Spitalsbetten sparen

Neue Ergebnisse der TU Wien: Kontaktreduktion kann COVID-19 sogar noch besser bremsen als gedacht. Die Spitäler kommen an ihre Kapazitätsgrenze, bereiten sich aber bereits gut vor.

 

Unterschiedliche Szenarien

Unterschiedliche Szenarien

Hätte man keine Gegenmaßnahmen ergriffen, würden die Kapazitäten der Wiener Krankenhäuser nicht ausreichen. Durch Kontakt-Reduktion lässt sich der Bettenbedarf deutlich verringern.

Hätte man keine Gegenmaßnahmen ergriffen, würden die Kapazitäten der Wiener Krankenhäuser nicht ausreichen. Durch Kontakt-Reduktion lässt sich der Bettenbedarf deutlich verringern.

An der TU Wien werden agentenbasierte Simulationsmodelle verwendet, um die weitere Ausbreitung von COVID-19 vorherzusagen. Dabei zeigt sich, dass die nun gewählte Strategie mit verschiedenen Maßnahmen, die Anzahl von vermeidbaren Kontakten so weit wie möglich zu verringern, richtig und notwendig ist: Das Ausmaß der Epidemie kann durch Kontakt-Reduktion sogar noch deutlicher reduziert werden als bisher gedacht. Voraussetzung ist natürlich, dass wir uns alle an die offiziellen Empfehlungen halten – jeder Mensch kann beitragen, die Ausbreitung der Krankheit zu bremsen.

Das wird auch nötig sein, denn bei einer ungebremsten Ausbreitung von COVID-19 kommen die Krankenhäuser rasch an ihre Kapazitätsgrenze. Extrem pessimistische Szenarien, wie etwa jenes, von dem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am 11.03.2020 bei einer Pressekonferenz ausging, nehmen an, dass im gesamten zeitlichen Verlauf der Epidemie insgesamt 60–70 % der Bevölkerung infiziert werden könnten.

Dieses Szenario hätte – wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen worden wären – in Wien am Höhepunkt der Epidemie einen zusätzlichen Bedarf an 32.000 Krankenhausbetten entstehen lassen. Wenn wir die Mensch-zu-Mensch-Kontakte um 25 % reduzieren, kann durch solidarisches Handeln nach den TU Wien-Modellen dieser Bedarf auf ungefähr 6.400 Krankenhausbetten reduziert werden.
Dieses optimistischere Szenario könnte sich durch die nun von der österreichischen Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen erreichen lassen. Sie sind in den Modellen bereits berücksichtigt. Ob und mit welchen Maßnahmen sie für Wien erreicht werden, ist Gegenstand der aktuellen Forschung, die gemeinsam mit dem KAV durchgeführt wird.

„Wenn es uns allerdings gelingt, die Anzahl der Kontakte sogar noch deutlicher zu reduzieren, besteht die Hoffnung, mit noch weniger zusätzlichen Spitalsbetten auszukommen. Das sollte unser Ziel sein, jedes Krankenhausbett zählt“, sagt Niki Popper (TU Wien).

Krankenhausbetten: Intensivste Anstrengungen in Wien

Der Wiener Krankenanstaltenverbund arbeitet intensiv daran, die nötige Anzahl an stationärer Kapazität bereit zu stellen. In Wien gibt es derzeit insgesamt bis zu 10.000 Betten - im KAV selbst ungefähr 7.500. Derzeit werden die Ressourcen innerhalb der Wiener Spitäler für die Versorgung erkrankter COVID Fälle freigemacht, auch für eine allfällige Situation, in der die Zahl der Schwererkrankten wie in dem aktuellen Szenario noch relativ hoch sind.

 „Ganz wichtig ist es nun, Hochrisikogruppen zu schützen“, betont Niki Popper. „Alte, kranke und geschwächte Menschen sollten keinesfalls Kontakt zu Personen haben, die möglicherweise mit dem neuen Coronavirus infiziert sind.“

Modell ist nicht gleich Modell

Im Simulationsmodell, das in den letzten zehn Jahren von der TU Wien und Partnerorganisationen entwickelt wurde, wird nicht nur eine exponentielle Ausbreitung der Krankheit berechnet, wie das sonst oft gemacht wird, sondern es wird eine große Zahl virtueller Personen am Computer simuliert. Diese virtuellen Personen treffen Tag für Tag auf eine unterschiedliche Anzahl anderer Menschen – Kontaktanzahl, Ansteckungswahrscheinlichkeit, Erkrankungswahrscheinlichkeit und andere Parameter können für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen unterschiedlich gewählt werden. So entsteht ein deutlich komplexeres, realistischeres Bild der Krankheitsausbreitung, das auch laufend anhand neuer, verfügbarer Daten validiert wird und die aktuell in Umsetzung befindlichen Maßnahmen miteinbeziehen kann. Die Ergebnisse dieses komplexeren Modells zeigen, dass die Reduktion von Mensch-zu-Mensch-Kontakten die Krankheit sogar noch deutlich effektiver einbremsen kann als bisher gedacht.

Kontakt

Dr. Niki Popper
Institut für Information Systems Enngineering
Technische Universität Wien
T +43-650-2774002
nikolas.popper@tuwien.ac.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
PR und Marketing
Technische Universität Wien
Resselgasse 3, 1040 Wien
T +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at