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Wie Arbeit im Home-Office gelingt

COVID-19 ändert unseren Arbeitsalltag radikal. Arbeitswissenschaftlerin Martina Hartner-Tiefenthaler präsentiert eine App, die helfen kann, einige Probleme dabei zu lösen.

Ein heimischer Schreibtisch mit Kaffeetasse und aufgeklapptem Laptop, auf dem eine Videokonferenz mit 8 teilnehmenden Personen zu sehen ist

Arbeit im Home-Office

Nicht neu – aber für viele Menschen eine Herausforderung.

Nicht neu – aber für viele Menschen eine Herausforderung.

Home-Office ist kein neues Phänomen. Die Psychologin und Arbeitswissenschaftlerin Martina Hartner-Tiefenthaler vom Institut für Managementwissenschaften der TU Wien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen rund um die Abgrenzung von privatem und beruflichem Leben.

Die Home-Office-Arbeit, die nun aufgrund von COVID-19 vielen Menschen verordnet wurde, ist eine ganz andere Art von Heimarbeit als man sie bisher kannte – daher treten auch neue Probleme auf. Gemeinsam mit der Forschungsgruppe Industrial Software der TU Wien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster und mit Unterstützung der AK Niederösterreich, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster im Rahmen des Projektfonds Arbeit 4.0, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster entwickelte Hartner-Tiefenthaler und ihr Team die Handy-AppsmartWorkLife mit psychologisch durchdachten Übungen. Diese Übungen wurden bereits mit Angestellten des Flughafen Wiens getestet und sollen für Entspannung sorgen und die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit unterstützen.

 

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Martina Hartner-Tiefenthaler im Interview

Home-Office ist für viele Leute jetzt neu – Sie forschen schon seit längerer Zeit daran. Was gilt es dabei zu beachten?

Hartner-Tiefenthaler: Es stellt sich immer die Frage nach der Abgrenzung zwischen Privatem und Beruflichem. Wir alle müssen für uns selbst herausfinden, wie wichtig das für uns ist. Für manche ist es kein Problem, andere Leute brauchen klare Trennungen. Das kann durch räumliche Trennung gelingen, etwa wenn man einen Schreibtisch hat, den man ausschließlich für den Beruf nutzt, oder durch zeitliche Trennung, indem man sich selbst klare Arbeitszeiten festlegt und versucht, Unterbrechungen aus dem Privatleben möglichst zu minimieren. Durch COVID-19 sind wir allerdings in einer Sondersituation, die einiges viel schwieriger macht: Oft ist die ganze Familie zu Hause, manche Leute müssen tagsüber ihre Schulkinder unterrichten. Das ist natürlich viel fordernder und hat mit einer normalen Home-Office-Situation wenig zu tun, in der man in aller Ruhe zu Hause sitzt, vielleicht in einem eigens dafür eingerichteten Arbeitszimmer. In der momentanen Situation bräuchte wohl fast jeder mehr Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatem als derzeit möglich ist.

Was sind die Konfliktherde in einer solchen Situation?

Hartner-Tiefenthaler: Oft geht es um Ressourcen: Um Ruheraum in der Wohnung, um Zeit. Oft hat auch nicht jedes Familienmitglied einen Computer, aber fast jeder benötigt ihn jetzt. Das ist schwierig. Gleichzeitig kommt das Problem dazu, dass die Arbeitszeit ungeregelter ist als bisher: Wenn man tagsüber für die Kinder da sein muss, dann wird abends oder nachts gearbeitet. Heißt das aber nun, dass man den ganzen Tag für Vorgesetzte erreichbar sein muss? Das ist für viele Leute ein Problem.

Wie kann man das lösen?

Ganz wichtig ist es, Bedürfnisse klar auszusprechen und Regeln zu definieren. Viele Menschen treffen einfach bestimmte Annahmen über die Wünsche anderer, die oft gar nicht stimmen. Sie nehmen Rücksicht auf Bedürfnisse, die vielleicht gar nicht da sind – und übersehen dabei andere. Wenn die Chefin spätabends ein Email schreibt, dann rechnet sie oft gar nicht damit, dass die noch am selben Tag gelesen wird. Aber wenn man das vermutet, kann Stress entstehen. Innerhalb der Familie ist es genauso: Wer braucht den Computer wann? Welche Regeln gelten in der Wohnung? Wann muss Ruhe herrschen? Das sind Dinge, die klar abgesprochen werden müssen. Nur wenn man Regeln klar festgelegt hat und auch auf deren Einhaltung achtet, nützen sie auch wirklich etwas.

Sie haben eine App entwickelt, die dabei helfen kann – was leistet diese App?

Das Konzept ist ganz einfach: Wir wissen aus unseren bisherigen Studien, dass bestimmte psychologisch erprobte Übungen hilfreich sein können. Es handelt sich um Entspannungsübungen und um Ideen, die bei der Abgrenzung von Arbeit und Privatleben hilfreich sein können. Nicht jede Übung ist für jede Person passend, daher haben wir einen Pool von 50–60 Übungen angelegt, von dem immer wieder manche vorgeschlagen werden. Die Übungen, die man gut findet, kann man in einem eigenen Bereich der App abspeichern, die anderen kann man verwerfen. Auch für Leute, die derzeit nicht im Home-Office arbeiten, sondern einfach ihre Work-Life-Balance verbessern wollen, ist unsere App empfehlenswert. Daher ist es wichtig, dass man nach Installation der App einen Fragebogen ausfüllt, um eine Auswahl an passenden Übungen zu erhalten.

Wir wollen mit dieser App einerseits Menschen bei ihrer Erholung helfen, andererseits auch wissenschaftliche Forschung betreiben: Die Studie beginnt am 19. April. Doch schon jetzt kann man sich die App smartWorkLife aus dem Appstore runterladen. Dadurch gelingt es uns, arbeitspsychologische Probleme besser zu verstehen. Wir hoffen, dass möglichst viele Leute dabei mitmachen.