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Was heißt "Algorithmus" in Gebärdensprache?

Man kann alles auch mit den Händen sagen: Ein Gehörlosen-Projekt entwickelt Fachvokabeln in Gebärdensprache.

"Algorithmus" in Gebärdensprache

"Algorithmus" in Gebärdensprache

"Algorithmus" in Gebärdensprache

"Algorithmus" in Gebärdensprache

Gebärdensprache ist nicht bloß ein notdürftiges Hilfsmittel, sie ist eine vollwertige Sprache, genau wie gesprochenes Englisch oder Deutsch. Daher braucht die Gebärdensprache natürlich auch ihr Fachvokabular, um wissenschaftliche Diskussionen zu ermöglichen. Die Servicestelle "gehörlos erfolgreich studieren" (GESTU) hat ein Projekt gestartet, in dem nun Gebärden für Fachbegriffe aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen entwickelt werden. Knapp 2000 solche Fach-Gebärden wurden bereits gesammelt, ihre Zahl wächst stetig weiter.

Gehörlos erfolgreich studieren

"GESTU unterstützt gehörlose Studierende an Wiener Universitäten mit ganz verschiedenen Maßnahmen", erklärt Marlene Fuhrmann-Ehn, die Behindertenbeauftragte der TU Wien. Man organisiert  Dolmetschdienste (sowohl in Schriftform als auch in Gebärdensprache), man bietet Tutorien an und zeichnet Lehrveranstaltungen auf, die dann als Lernunterlage zur Verfügung stehen. "Dabei sind wir immer wieder auf das Problem gestoßen, dass es bestimmte Fachbegriffe in der Gebärdensprache einfach nicht gibt", sagt GESTU-Beraterin Karin Moser. "Ständiges Buchstabieren ist auf Dauer keine befriedigende Lösung."

Man sammelte daher ganz gezielt wichtige Fachbegriffe und versuchte, passende Gebärden zu entwickeln. "Manchmal ergaben sich in der Diskussion mit den Studierenden bereits Vorschläge – uns war es allerdings wichtig, den Prozess sprachwissenschaftlich zu begleiten. Schließlich wollen wir Gebärden entwickeln, die dann auch wirklich allgemein als gültig anerkannt werden", sagt Marlene Fuhrmann-Ehn.

Wichtige Fragen mussten dabei geklärt werden, oft auch in Abstimmung mit gehörlos geborenen, deren Muttersprache die Gebärdensprache ist (sogenannte "Native Signers"). Gibt es vielleicht bereits ähnliche Gebärden für andere Wörter, sodass es zu Verwechslungen kommen kann? Stimmt das Sprachregister – passt die Gebärde also in den wissenschaftlichen Kontext, oder kommen Handbewegungen vor, die eher informell-unwissenschaftliche Assoziationen hervorrufen? Ist die Gebärde vielleicht zu lang – besteht sie aus zu vielen einzelnen Handbewegungen? Wie wichtig ist das begleitende Mundbild?

Ein Video-Wörterbuch

Die Gebärdensprache ist nicht international, in unterschiedlichen Ländern gibt es auch unterschiedliche Gebärdensprachen. Manchmal kann man sich daher damit behelfen, bestehende Fachausdrücke aus anderen Gebärdensprachen zu übernehmen. Genauso macht man das schließlich auch in der gesprochenen Sprache – gerade mit Fachvokabeln.

Die gemeinsam entwickelten und gesammelten Gebärden werden auf Video aufgezeichnet und online gestellt, sodass sie von der Gehörlosen-Community diskutiert werden können. So entstand auf der GESTU-Webseite bereits ein stattliches Fachvokabel-Lexikon mit ungefähr 2000 Begriffen, das ständig erweitert wird.

"Die Gebärdensprache zu verwissenschaftlichen ist sehr wichtig", sagt Karin Moser. "Das hat nicht nur für die Universität eine große Bedeutung, sondern für den gesamten Bildungsweg. Jeder kann auf die Gebärden zugreifen, auch für Lehrerinnen und Lehrer, die mit gehörlosen Kindern arbeiten, sollen die Fachvokabeln nützlich sein."

Das Projekt soll letztlich dazu dienen, Gebärdensprache in der Gesellschaft als etwas ganz Normales zu verankern, als eine von vielen Sprachen, die in Österreich gesprochen werden, als Sprache, die für alle Bereiche des Lebens geeignet ist.

Die Fachgebärdensammlung von GESTU:http://fachgebaerden.tuwien.ac.at/

Rückfragehinweis:

Mag. Marlene Fuhrmann-Ehn
Behindertenbeauftragte der Technischen Universität Wien
Resselgasse 4, 1040 Wien
T: +43-1-58801-42950
http://www.tuwien.ac.at/barrierefrei
fuhrmann-ehn@tuwien.ac.at

Karin Moser
Teaching Support Center
Technische Universität Wien
karin.moser@tuwien.ac.at

Aussender:

Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at