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TU-Physiker gewinnt FameLab 2011 mit der gestressten Welle

Philipp Ambichl, Diplomand am Institut für Theoretische Physik der TU Wien, überzeugte die Jury mit seiner Präsentation über die "gestresste Welle" und ist damit Gewinner von FameLab Austria 2011.

Siegertyp Philipp Ambichl (c) science2public

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Im bis auf den letzten Platz gefüllten Kuppelsaal der TU Wien fand am 7. Mai das Finale des Kommunikationswettbewerbs FameLab Austria 2011 statt. Mit seinem herrlich relaxten Vortrag über "Die gestresste Welle" spannte Ambichl in drei Minuten den Bogen zwischen theoretischer Physik und deren praktischer Anwendbarkeit. Er wollte zeigen, dass "auch Theoretiker ganz normale Menschen mit ganz normalen Interessen sind". Als Gewinner des 1. Jurypreises wird Ambichl Österreich am 11. 06. beim internationalen Finale in Cheltenham (UK) vertreten.

Der Gewinner 2011

Philipp Ambichl, Physikstudent an der TU Wien, freute sich über seinen Erfolg. Er sieht darin die Bestätigung, dass auch theoretische Physik nicht nur auf akademischer Ebene Anklang findet, sondern – wenn entsprechend kommuniziert – auch in der breiten Öffentlichkeit. "Nach dem heutigen Abend merkt man, dass sich eine Kultur der Kommunikation im Wissenschaftsbereich entwickelt", kommentierte Jurymitglied Bettina Stimeder (Der Standard) das Finale.

In seinem Vortrag verglich Ambichl das Lauf-Training von Sportlern mit dem "Wellen-Training" in der theoretischen Physik. Von einem Sender ausgehend, verbreiten sich Wellen in alle Richtungen aus. Möchte man beispielsweise Schallwellen an nur an einen bestimmten Empfänger senden, ist die allgemeine Ausbreitung unerwünscht. Um Wellen ganz gezielt an nur an einen Empfänger zu senden, benützt Ambichl in seiner Forschung den "Time-Delay Operator". Mit dieser "Stoppuhr für Wellen" können Schallwellen so konstruiert bzw. "trainiert" werden, dass sie sich wie Teilchen ausbreiten. Wellen mit kurzer Laufzeit breiten sich nicht im gesamten Raum aus, sondern bewegen sich auf engen Bahnen.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle gratulierte in seiner Videobotschaft den FameLab-FinalistInnen. Als Vermittler und Vermittlerinnen wissenschaftlicher Erkenntnisse, betonte erihren "wesentlichen Beitrag zur Stärkung der österreichischen Wissenschaft und Forschung."

Weitere PreisträgerInnen

Mit ihrem Vortrag „Dubiose Schneckenköniginnen“ konnte Katharina Jaksch (Diplomandin am Naturhistorischen Museum Wien) nicht nur die Jury – sie erhielt den 2. Jurypreis –, sondern auch das Publikum überzeugen. Tosender Applaus sicherte ihr den mittels Applausometer ermittelten Publikumspreis. In ihrer Forschungsarbeit beschäftigt sich Jaksch mit der einzigen Schneckengruppe, bei der das Gehäuse fast immer links gewunden ist – der so genannten Schließmundschnecke. Für die Bestimmung der zahlreichen Unterarten kombiniert sie Schalenmerkmale mit der Analyse von kurzen DNA-Abschnitten aus dem Schneckengewebe. Mit ihrem Vortrag wollte sie beweisen, dass ein Museum nicht langweilig ist.

Wolfgang Hintringer (Biologie-Student der Universität Wien) sicherte sich den 3. Jurypreis. In seinem Vortrag erklärte der auf molekulare Medizin spezialisierte Jungforscher, wie das menschliche Denken funktioniert. Bildhaft veranschaulichte er anhand des kürzlich entdeckten „Jennifer Aniston-Neurons“, wie Neuronen-Netzwerke das Langzeitgedächtnis determinieren. Unabhängig davon, ob z.B. ein Bild der Schauspielerin gesehen wird, ihr Name aktiv gelesen oder nur gehört wird, bilden Nervenzellen spezifische Netzwerke aus, die dann „körperliche Reaktionen“ auslösen. Die Netzwerke werden immer dann gemeinsam aktiv, wenn ein Konzept erkannt wird. Hintringer sieht es als Herausforderung, komplexe wissenschaftliche Inhalte kurz und prägnant zu präsentieren.

Georg Haimel (Dissertant und Assistenzarzt an der VetMed Wien) ist der Gewinner des Ö1 Audiopreises. Er ging in seinem Audiobeitrag der Frage nach, was Leben eigentlich bedeutet. Aus naturwissenschaftlicher Perspektive erklärte er, dass sich Leben von toter Materie in der Fähigkeit sich selbst zu erhalten und zu reproduzieren unterscheidet. Leben ist aber mehr als „der universell gültige genetische Code, auf dem alles Leben beruht.“ Für ihn bedeutet Leben aber auch „ein lustiger Abend mit Freunden ... oder das Gefühl geliebt zu werden. Erinnerungen, die bleiben, wenn Atome ihre Verbindungen aufgeben und Leben woanders von Neuem beginnt“. Die Audiobeiträge wurden bei der Masterclass aufgezeichnet und waren von Montag bis Freitag online auf science.ORF.at abrufbar.

Kapsch Group – Investitionen in Wissenschaft & Forschung

Erstmals wurde FameLab Austria 2011 auch durch die Wirtschaft unterstützt: Die Kapsch Group stiftete neben dem 1. Jurypreis (€ 2.000), auch den Publikumspreis (€ 1.000). Für Alf Netek, CMO der Kapsch Group, hat die Wirtschaft auch die Verpflichtung, in Wissenschaft und Forschung zu investieren. Wenn junge Wissenschafter es schaffen, „eine komplexe Materie einfach, aber dennoch wissenschaftlich korrekt zu erklären, dann stellen wir dafür gerne Mittel zur Verfügung – in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Jury

  • Sabine Seidler (Vizerektorin für Forschung & design. Rektorin; Technische Universität Wien)
  • Bettina Stimeder (Chefin vom Dienst; Der Standard)
  • Martin Bernhofer (Leiter der Hauptabteilung Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft; ORF Radio)
  • Michael Lang (Chefredakteur; APA – Austria Presse Agentur)
  • Ludovit Garzik (Geschäftsführer; RFTE- Rat für Forschung & Technologieentwicklung)
  • Stefanf Bernhardt (Leiter Kommunikation; FWF – Der Wissenschaftsfonds)

Über FameLab

FameLab ist ein 2005 vom Cheltenham Science Festival initiierter Wettbewerb, der darauf abzielt, Talente aus dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation ausfindig zu machen. Seit 2007 findet der Wettbewerb auf Initiative des British Councils zeitgleich in zahlreichen Ländern (darunter Großbritannien, Israel, Hong-Kong, Deutschland & Griechenland) statt. Die GewinnerInnen der nationalen Bewerbe treffen schließlich beim internationalen Finale in Cheltenham aufeinander. In Österreich wird der Wettbewerb von science2public veranstaltet.