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Stiefkind Erdgeschoß

Die Erdgeschoßzone gilt als unattraktiv – zu unrecht, meint Betül Bretschneider von der TU Wien. Ihre Forschung zeigt, dass sich eine städteplanerische Auseinandersetzung mit dem Erdgeschoß auszahlt.

Erdgeschoß-Baustelle: Hier entsteht eine Minigarage.

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Erdgeschoß-Baustelle: Hier entsteht eine Minigarage.

Erdgeschoß-Baustelle: Hier entsteht eine Minigarage.

Erdgeschoß-Baustelle: Hier entsteht eine Minigarage.

Geschäftslokale stehen leer.

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Geschäftslokale stehen leer.

Geschäftslokale stehen leer.

Geschäftslokale stehen leer.

Dr. Betül Bretschneider

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Dr. Betül Bretschneider

Dr. Betül Bretschneider

Dr. Betül Bretschneider

Begrünte Höfe verbessern die Wohnqualität in der Erdgeschoßzone.

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Begrünte Höfe verbessern die Wohnqualität in der Erdgeschoßzone.

Begrünte Höfe verbessern die Wohnqualität in der Erdgeschoßzone.

Begrünte Höfe verbessern die Wohnqualität in der Erdgeschoßzone.

Wer wohnt schon gern im Erdgeschoß? In vielen Stadtgebieten Europas werden Erdgeschoßzonen immer unattraktiver. Zwischen Autogaragen und Müllräumen findet man leer stehende Geschäftslokale – dabei würde es sich aber durchaus auszahlen, die Erdgeschoßbereiche zu fördern und zu vitalisieren, wie eine Studie der Architektin Betül Bretschneider vom Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien zeigt. Sie beschäftigte sich vor allem mit Stadtregionen abseits von Touristenrouten und Haupteinkaufsstraßen. Je ärmer die Gegend, umso größer das Erdgeschoß-Problem, stellte Bretschneider fest.

Gähnende Leere im untersten Stockwerk
„Der Trend zum Leerstand im Erdgeschoß ist in vielen europäischen Städten zu sehen“, meint Betül Bretschneider. Immobilienspekulanten haben oft gar kein Interesse an der Bewirtschaftung der Erdgeschoßräume: Ein billiger Mietzins senkt den Wiederverkaufswert – da kann es attraktiver sein, das Erdgeschoß gleich ganz leer stehen zu lassen. Für Kleinbetriebe ist das Erdgeschoß speziell in Altbauten auch kein besonders anziehendes Terrain: Oft müsste man dort viel Geld investieren, um eine zeitgemäße Infrastruktur zu schaffen, wie sie ein modernes Unternehmen benötigt. Durch Leerstände im Erdgeschoß ergibt sich oft eine Abwärtsspirale: Das Image einer Stadtregion wird schlechter, die Nahversorgung verschwindet, der öffentliche Raum wird zur bloßen Verkehrsfläche degradiert.

Kompetenzverwirrung
„Die Erdgeschoßzone ist der Bereich, in dem die Stadt sich entfaltet, in dem Gemeinschaft und öffentlicher Raum entstehen kann“, findet Betül Bretschneider. Dazu braucht man allerdings gemeinsame Konzepte, die für die vielen Beteiligten sinnvoll sind. Die Häuserblöcke und ihre Höfe gehören in den meisten Fällen privaten Eigentümern. Die Zuständigkeit für die Gestaltung und Erhaltung von Gehsteigen, Radwegen und Fahrbahnen liegt wiederum oft bei unterschiedlichen Ämtern. Verbesserungsprojekte sind daher oft nur schwer zu administrieren.

Erfolge in Berlin
Ein mögliches Erfolgsrezept ist die Berliner Methode: Dort gibt es öffentliche Förderungen für Verbesserungsmaßnahmen in Freiräumen wie Höfen und Straßen. Kleine Unternehmen, die sich im Erdgeschoß ansiedeln, werden anfänglich unterstützt. Dabei muss es gar nicht um finanzielle Zuwendungen gehen: „Für Kleinunternehmen kann es schon sehr hilfreich sein, gewisse Auflagen und Vorschriften anfangs zu lockern“, stellt Betül Bretschneider fest. In Berliner Stadterneuerungsgebieten löste die gezielte Verbesserung des Wohnumfeldes – samt Höfen und Straßen – eine gesteigerte Investitionsbereitschaft der Eigentümer aus.

Wir müssen nur wollen
Oft lassen sich große Verbesserungen durch simple, kleine Maßnahmen bewirken. „Ganz wesentlich ist beispielsweise ein Pufferbereich zwischen den Erdgeschoß-Fenstern und dem Gehsteig“, sagt Bretschneider. Durch einen Grünstreifen oder eine Hecke kann die Qualität der Erdgeschoßzone dramatisch verbessert werden. Bretschneider wünscht sich, dass in vielen europäischen Städten ein Ressort-übergreifender und interdisziplinärer Prozess in Gang kommt, um die Erdgeschoßzonen zu fördern. Wenn Planungs-, Umwelt- und Baubehörden, Wirtschaftsförderungen und Anrainerorganisationen an einem Strang ziehen, kann die Erdgeschoßregion viel mehr sein als das, was eben noch übrig bleibt, nachdem die attraktiven Bereiche des Hauses vermietet sind.


Fotodownload:http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2012/erdgeschoss/

Rückfragehinweis:
Dr. Betül Bretschneider
Institut für Architektur und Entwerfen
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13, 1040 Wien
Tel.: 069912366426
betuel.bretschneider@tuwien.ac.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
+43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at