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Schweizer Auszeichnung „Watt d’Or 2009“ für österreichisch-schweizerische Forschungszusammenarbeit

Synthetisches Erdgas aus Holz im Blickpunkt

Watt d´Or 2009

Watt d´Or 2009

Watt d´Or 2009

Watt d´Or 2009

Das Institut für Verfahrenstechnik der Technischen Universität Wien erhielt den „Watt d’Or 2009“, die prestigeträchtige Auszeichnung des Schweizer Bundesamts für Energie für herausragende Leistungen und zukunftsweisende Innovationen im Energiebereich.
Dank der erfolgreichen österreichisch-schweizerischen Forschungskooperation zwischen der Technischen Universität Wien und dem Schweizer Paul Scherrer Institut (PSI), wird der Watt d’Or zum allerersten Mal über die Landesgrenzen hinweg verliehen.

Die beiden Forschungsinstitute haben ein weltweit einzigartiges Verfahren zur Umwandlung von Holz in synthetisches Erdgas entwickelt und die Praxistauglichkeit des Verfahrens in einer Pilotanlage in Güssing nachgewiesen. Der Direktor des Schweizer Bundesamtes für Energie, Dr. Walter Steinmann, hat den Watt d’Or am 2. März 2009 im Rahmen eines Empfangs in der Schweizer Botschaft in Wien persönlich an Prof. Dr. Hermann Hofbauer vom Institut für Verfahrenstechnik überreicht.

Mit dem Watt d'Or zeichnet das schweizerische Bundesamt für Energie (BFE) Personen und Organisationen aus, die mit nachahmenswerten Projekten und Initiativen den Weg in eine nachhaltige Energiezukunft vorzeigen. Der Watt d’Or ist nicht dotiert, es werden also keine Preisgelder ausgeschüttet. Ziel der Auszeichnung ist es, die Projekte bekannt zu machen und so Wirtschaft, Politik und die breite Öffentlichkeit zu motivieren, die Vorteile innovativer Energietechnologien zu nutzen. Neben dem Prestige erhalten die Preisträger aber auch die eindrucksvolle Watt d’Or Trophäe: Eine riesige Schneekugel aus der Schneekugelmanufaktur Erwin Perzy in Wien. Sie muss kräftig geschüttelt werden, um das Schneegestöber in ihrem Innern in Gang zu setzen. Die Schneekugel symbolisiert damit, dass es in unserer Welt - und vor allem im Energiebereich - immer ein gewisses Mass an geistiger und körperlicher Anstrengung braucht, um etwas in Bewegung zu setzen.

Über 100 Beiträge in fünf Kategorien wurden im Rahmen des Wettbewerbs Watt d'Or 2009 von einem Fachexpertenteam evaluiert. Dieses nominierte daraus 23 Beiträge für die Endrunde, aus denen die Jury schließlich sechs Siegerprojekte kürte, darunter das Projekt der Technischen Universität Wien und des Paul Scherrer Instituts. Informationen zu den anderen Preisträgern sind verfügbar unter www.wattdor.ch.

Weltweit einzigartiges Verfahren

Seit fast zehn Jahren arbeiten die beiden Forschungsteams an der Entwicklung der Technologie zur Umwandlung von Holz in synthetisches Erdgas. Nachdem die technische Umsetzbarkeit im Langzeit-Laborversuch nachgewiesen war, ging es darum, auch die Machbarkeit im industriellen Massstab nachzuweisen. Dazu wurde im Jahr 2008 auf dem Gelände des Biomassekraftwerks in Güssing (Burgenland) eine Pilotanlage mit einer Leistung von einem Megawatt erstellt. Die Kosten für diese Anlage von rund fünf Millionen Euro wurden von der EU, swisselectric research, dem österreichischen Staat, dem Land Burgenland und den Projektpartnern selbst übernommen. Das Verfahren verläuft in zwei Stufen. In der ersten Stufe wird das Holz bei einer Temperatur von 850 Grad Celsius in der Gegenwart von Wasserdampf und unter Ausschluss von Luft vergast. Dabei entsteht ein brennbares Gasgemisch, das jedoch wegen seiner Zusammensetzung nicht ins Gasnetz eingespeist werden kann. Diese erste Stufe des Verfahrens wurde von der technischen Universität Wien bereits 2001 im Biomassekraftwerk Güssing entwickelt. Die zweite Stufe des Verfahrens wurde maßgeblich vom Paul Scherrer Institut entwickelt und besteht darin, das Gemisch katalytisch in Methan – den Hauptbestandteil von Erdgas – sowie in CO2 umzuwandeln.

Im Dezember 2008 wurde in der Anlage in Güssing erstmals Methan produziert. Aus 360 Kilogramm Holz entstehen dabei 300 m³ Holzgas und daraus in der zweiten Stufe 120 m³ synthetisches Erdgas. Dieses hat einen Methananteil von 98 Prozent und kann so problemlos in die bestehenden Gasnetze eingeleitet werden. Die Technologie ist nun reif für die Umsetzung in die industrielle Praxis. Interesse angemeldet hat unter anderen bereits die schwedische Stadt Göteborg, wo demnächst eine 100 Mal größere Anlage als in Güssing entstehen könnte.

Ein Watt d’Or Diplom für die Mitarbeit an diesem Projekt ging an die Repotec Umwelttechnik GmbH in Wien, die Biomasse-Kraftwerk Güssing GmbH & Co KG in Güssing und an die CTU - Conzepte Technik Umwelt AG in Winterthur (Schweiz).

Quellen: Schweizerische Botschaft in Österreich, Schweizer Bundesamt für Energie, TU Wien

Kontakt:                                       
Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Hermann Hofbauer
Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Techn. Biowissenschaften
hhofba@mail.zserv.tuwien.ac.at
www.vt.tuwien.ac.at