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Rudolf Beer 1926–2019, ein Nachruf

Die TU Wien trauert um ihren langjährigen Angehörigen

Portrait Rudolf Beer, 1926–2019

Rudolf Beer, 1926–2019

Die TU Wien trauert um ihren langjährigen Angehörigen

Die TU Wien trauert um ihren langjährigen Angehörigen

Hon.-Prof. Hofrat Dr. Rudolf Beer wurde 1926 in Linz geboren, wo er auch die Realschule und Bundesgewerbeschule besuchte, die er jedoch erst nach seinem Fronteinsatz als Gebirgsjäger nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Jahr 1947 mit der Matura abschließen konnte.

Der Weg in eine wissenschaftliche Karriere stand nun offen; Rudolf Beer begann sein Studium an der damaligen Technischen Hochschule Wien, Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften, Abteilung Technische Physik und graduierte 1953 zum Diplomingenieur. Seine Dissertation schloss er 1956 ab, das Rigorosum legte er 1957 mit einstimmiger Auszeichnung ab. Er wurde 1956 als Assistent von Prof. Karl Girkmann an das damalige Institut für Elastizitäts- und Festigkeitslehre (heute Institut für Mechanik der Werkstoffe und Strukturen) bestellt und unmittelbar mit der Leitung des im Aufbau befindlichen spannungsoptischen Labors betraut.

Sein Labor bot neben den weiterentwickelten photo-elastischen Methoden – ganz am Puls der damaligen Zeit – die modernsten Techniken und Verfahren zur Dehnungs- und Spannungsanalyse, die in Forschung, Lehre und Praxis eingesetzt wurden. Mit nie nachlassender Energie hat er die neuesten Entwicklungen auf seinem Fachgebiet (wie z. B. Speckle-Photographie und Speckle-Interferometrie) aufgegriffen, kritisch zur Diskussion gestellt und nachhaltig zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung seines Labors beigetragen.

Neben seiner regen Tätigkeit im Aufbau des Labors, lagen Rudolf Beer auch die kritische Auseinandersetzung mit Entwicklungen in seinem engeren Fachgebiet – der Plattentheorie – am Herzen. Seine wissenschaftlichen Aktivitäten führten ihn zu Studienreisen nach Kanada, Indien und Nepal, später zu Fachtagungen auf der ganzen Welt.

Rudi Beer hatte aber auch eine ausgeprägte Leidenschaft zur Wissensweitergabe. Diese manifestierte sich vor allem bei der Ausbildung seiner Studierenden und bei der Unterstützung von vielfach externen Habilitationen, Dissertationen und Diplomarbeiten. Seine bereits in frühen Jahren angebotene Vorlesung "Experimentelle Methoden der Dehnungs- und Spannungsanalyse" erfreute sich an der TU Wien schnell einer nachhaltigen Beliebtheit, schloss sie doch eine wesentliche Lücke im Lehrangebot der damaligen Ingenieurausbildung. In den 1980er-Jahren war es dann die Vorlesung "Biomechanik weicher Gewebe" und seine biomechanischen Arbeiten auf dem Gebiet der Orthopädie und Unfallchirurgie, die auf reges Interesse interdisziplinär agierender Forscher und Studierender stieß.

Besonderes Herzblut legte Rudolf Beer als Spiritus Rector in die 1983 – also noch lange vor dem Fall des Eisernen Vorhangs – gegründete "Danubia-Adria Society". Eine Gesellschaft mit mittel- und vor allem osteuropäischen Mitgliedsländern, die die Förderung der experimentellen Mechanik im weitesten Sinn, von der Methodenentwicklung bis zu deren Anwendung, der Qualitätsverbesserung von Produkten und Prozessen sowie der Entwicklung neuer Ausbildungsmodelle zum Ziel hat. Die "Danubia-Adria-Symposia on Advances in Experimental Methods" finden jährlich im September in einem der Mitgliedsländer statt, heuer zum 36. Mal in Pilsen in Tschechien. Das Veranstaltungsformat, die fachliche Ausrichtung, aber insbesondere die außergewöhnliche familiäre Atmosphäre dieser Veranstaltungen sind ganz wesentlich von Rudolf Beers Handschrift geprägt.

Als Leiter der Abteilung für Experimentelle Festigkeitslehre der TU Wien konnte er noch vor seinem Ruhestand Anfang der 1990er Jahre den Bau des Laboratoriums auf den Aspanggründen in Wien in die Wege leiten: wohl das Abschlusswerk seiner jahrelangen Aufbautätigkeiten an der TU Wien.

Aufgrund seiner wissenschaftlichen Verdienste auf dem Gebiet der Plattentheorien wurden Herrn Prof. Rudolf Beer im Jahre 1989 die "Karel Spala"-Medaille der Fakultät für Maschinenbau der Technischen Universität Prag, und in Anerkennung seines beruflichen Lebenswerks anlässlich seiner Pensionierung der Titel "Hofrat" verliehen.

 

Der Philanthrop Rudolf Beer, stets bemüht die Lebensumstände seiner Mitmenschen wie auch die Arbeitsbedingungen seiner Kolleg_innen zu verbessern, wurde aufgrund seiner besonnenen Art von allen in hohem Maße geschätzt.

Rudolf Beer war vieles: Menschenfreund, Wissenschaftler, Leitfigur, Preisträger und auch Familienmensch. Für die Technische Universität Wien bleibt er eine unvergessliche Institution. Danke Rudi!