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Prof. Fritz Sauter (1930-2020): ein Nachruf

Die TU Wien trauert um Prof. Sauter, der hochbetagt und doch unerwartet leider von uns gegangen ist.

Porträtfoto von Fritz Sauter

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Em. Univ.Prof. Fritz Sauter (1930-2020)

Em. Univ.Prof. Fritz Sauter (1930-2020)

Fritz Sauter in einem antike Amphitheater

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Fritz Sauter auf einer seiner vielen Reisen im Bemühen Wissenschaft, Geschichte und Kulturen zu verbinden

Fritz Sauter auf einer seiner vielen Reisen im Bemühen Wissenschaft, Geschichte und Kulturen zu verbinden

Noch im Februar 2020 hatten wir drei runde Geburtstage der aufeinanderfolgenden Lehrstuhlinhaber „Organische Chemie“ im Rahmen des 200-Jahre-Heterocyclenchemie-Symposiums an der TU Wien feiern können, nun ist leider der Älteste aus dieser Runde hochbetagt und doch unerwartet von uns gegangen. Fritz Sauter war es um wenige Wochen nicht vergönnt, seinen 90. Geburtstag persönlich zu feiern. Umso eindrucksvoller wurde sein wissenschaftliches Oeuvre im Februar nochmals einem breiten Publikum Revue passieren gelassen und wir konnten seine Persönlichkeit als Forscher und Lehrer in unser aller Erinnerung verankern.

Fritz Sauter begann seine wissenschaftliche Laufbahn als organischer Chemiker an der Universität Wien. Bereits damals zeichnete sich sein überaus breites Interessensfeld ab, da er neben Chemie noch vollständige Studien der Zoologie und Botanik absolvierte. Zudem galt seine Passion der Geschichte und hier im Besonderen jener des alten Orients, sodass er auch hier in jungen Jahren etliche Vorlesungen absolvierte. Wenn er später Gäste des Instituts vom Flughafen abholte, gab es häufig eine Ehrenrunde im Taxi über die Ringstraße und andere historische Viertel von Wien, und Fritz Sauter konnte Hintergrundinformationen und Anekdoten zu vielen Gebäuden und historischen Entwicklungen zum Besten geben. Eine gute Bekannte und Kollegin aus Nordamerika mit Wurzeln in Europa bezeichnete ihn daher einmal sehr treffend als „barocke Persönlichkeit“ im positivsten Sinne der vormaligen „Universalgelehrten“.

Letztendlich fokussierte er sich aber auf die Chemie und promovierte 1957. Mit seinem Lehrer und Mentor Otto Hromatka wechselte der dann im Zuge dessen Berufung 1963 an das damalige Institut für Organische Chemie der TU Wien. Hier diversifizierte er sich insbesondere in das Forschungsfeld der Heterocyclenchemie (ringförmige organische Moleküle, die wesentlich neben Kohlenstoff noch aus zusätzlichen Atomsorten wie Sauerstoff, Stickstoff oder Schwefel zusammengesetzt sind), welches auch heutzutage noch eine zentrale Rolle im Pflanzenschutz, der pharmazeutischen sowie der biologischen Chemie spielt. Die eigenständige wissenschaftliche Karriere erreichte 1970 mit der Habilitation im Fach Organische Chemie einen ersten Höhepunkt. 1978 folgte er seinem Mentor als Ordinarius für Organische Chemie an der TU Wien nach. In dieser Position sollte er die folgenden 20 Jahre maßgeblich prägen und mehrere Generationen von Schülern hervorbringen, die erfolgreich Karrieren in Industrie und Akademie machten.

Seine Passion für Kulturreisen insbesondere in den orientalischen Raum versuchte er stets mit der Anknüpfung wissenschaftlicher Kontakte zu verbinden und dabei vor allem den Aspekt des Wissenstransfers in weniger industrialisierte Regionen zu entfalten. Dies gelang eindrücklich durch die Gründung des Ibn-Sina Symposiums in Ägypten, einer regelmäßig wiederkehrenden Fachtagung im Bereich der Heterocyclenchemie, die der Ausgangspunkt einer langjährigen Kooperation samt Wissenschaftleraustausches mit vielen Universitäten aus dem Orient war. Ebenso gelang es ihm als Mitbegründer des Blue-Danube Symposiums im „altösterreichischen“ Kulturraum bereits vor Öffnung des Eisernen Vorhanges, rege Kontakte in den Ostblock zu etablieren und somit den historischen Entwicklungen zur Wiedervereinigung Europas um einige Jahre vorzugreifen. Es waren genau diese Visionen von kulturübergreifender Kooperation mittels wissenschaftlicher Kontakte und über Symposien im ursprünglichen Sinne (eine antike gesellige Zusammenkunft), die ihn stets antrieben und welche mit diplomatischem Geschick eingefädelt werden konnten. Diese Aktivitäten wirken auch heute noch sehr intensiv weiter und beeinflussen die nachfolgenden Generationen an Forschern_innen

Es war Fritz Sauter vergönnt, bis ins hohe Alter wissenschaftlich aktiv zu bleiben. Nach seiner Emeritierung 1998 widmete er sich vornehmlich dem Gebiet der Archäometrie, wo er neuerlich seine Kompetenz in Chemie mit seinem weitreichenden Wissensschatz in Geschichte verbinden konnte. Bis zuletzt arbeitete er gemeinsam mit ehemaligen Kollegen an Manuskripten und beteiligte sich am wissenschaftlichen Diskurs mit seinen Schülern. Es war ihm vergönnt, bis ins hohe Alter seine intellektuelle Brillanz weiterhin zu entfalten, auch wenn sein Körper leider immer weniger mitspielte und somit Reisen nicht mehr erlaubte.

Fritz Sauter verschied am 18.4.2020.

Er war für viele ein Vorbild, immer höflich und immens belesen; seine Verbindlichkeit machte ihn für so manchen zum väterlichen Freund. Wir werden unseren Lehrer, Kollegen und Mentor stets in lebendiger Erinnerung behalten.