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Norbert Pfeifer – neuberufener Professor für Photogrammetrie und Fernerkundung

Seine Leidenschaft für das Vermessungswesen wurde bereits in frühester Jugend geweckt. Langjährige Auslandserfahrungen prägen den gebürtigen Wiener mit Forschungsschwerpunkt Laserscanning. Nun setzt er an der TU Wien auf neue Technologien und verweist auf die exzellenten Berufsaussichten beim Geodäsiestudium.

Norbert Pfeifer

Norbert Pfeifer

Norbert Pfeifer

Werdegang

Am Gymnasium interessierte sich Norbert Pfeifer ganz besonders für ein Fach: die Geometrie. Nach und nach formte sich der Gedanke ein Studium zu beginnen, "das die Darstellende Geometrie umfasst. Ich habe mir überlegt Bauingenieurwesen oder Maschinenbau zu studieren. Dann hat mich jemand gefragt, was ich vom Vermessungswesen halte. Ich Nachhinein muss ich sagen, dass die Wahl der Geodäsie eine ausgezeichnete Entscheidung war", so Pfeifer.

Professor Pfeifer schloss sein Studium an der TU Wien 1997 ab. "Ich habe am Institut für Geometrie bei Herrn Prof. Pottmann meine Diplomarbeit geschrieben. Interessant ist, dass ich in der Geometrie als extremer Praktiker galt, in der Geodäsie aber als ebenso extremer Theoretiker. Diese Institute haben ganz unterschiedliche Zugangsweisen. Mit meinem Thema arbeitete ich genau an der Nahtstelle," erklärt Pfeifer. Im Anschluss daran folgte die Dissertation über "3D-Geländemodelle". "Die Aufgabe lautete Naturphänomene, die sich nicht so einfach beschreiben lassen (z.B. Überhänge, Höhlen), theoretisch zu untersuchen und praktische Lösungen für die mathematische Beschreibung anzubieten. Parallel dazu begann sich Pfeifer für das Laserscanning zu interessieren.

Nach Abschluss seiner Dissertation im Jahr 2002 trat er eine Stelle an der Technischen Universität Delft in Holland an. Dort war er drei Jahre lang, zuerst als Post doc, dann als Assistenzprofessor, beschäftigt. Anfang 2006 wechselte Pfeifer als Senior Researcher an das Kompetenzzentrum für Naturgefahren "alpS" in Innsbruck. Er leitete dort die Forschungsgruppe zum Thema "Laserscanning". Pfeifer: "In Delft hatte ich sehr viel Freiheit und konnte mich theoretisch gut weiterentwickeln, in Innsbruck trat die praktische Seite wieder mehr in den Vordergrund." Im September 2006 kehrte er schließlich in seine Heimatstadt Wien zurück und wurde zum Universitätsprofessor für Photogrammetrie an die TU berufen. 

Forschungsfeld Laserscanning

Die Photogrammetrie beschäftigt sich mit der Gewinnung von geometrischen Informationen. Traditionellerweise erfolgt dies anhand von Photographien. Das Laserscanning stellt dabei einen neuen Zugang dar. Letzteres erfolgt entweder auf Basis eines terrestrischen Scanners, aus dem Flugzeug (Airborne-Laserscanning) oder per Satellit. Professor Pfeifer möchte in seinen Forschungsgebieten neue Technologien nutzbar machen. "Die Welt, auf der wir leben, verändert sich sehr schnell. Wir hinken mit der Vermessung, egal mit welcher Methode immer hinter her. Wir sind sozusagen in der Automation und Genauigkeit noch lange nicht dort, wo wir sein wollen," erklärt Pfeifer weiter. Momentan werden Karten in einem Zyklus von sechs Jahren erneuert. Vor allem in städtischen Gebieten, wo es große Veränderungen gibt, ist ein beachtlicher Teil des Kartenmaterials veraltet. "Wir müssen Verfahren entwickeln, die uns erlauben diese Informationen automatisch, zuverlässig und viel schneller zu generieren." Pfeifer und seine InstitutsmitarbeiterInnen behandeln nicht nur großflächige Geländescans. Auch terrestrische Anwendungen, wie beispielsweise das Aufmessen von Statuen zur Dokumentation, gehören in sein Tätigkeitsfeld.

Ein neues Forschungsgebiet, das er ebenfalls etablieren will, beschäftigt sich mit dem Einsatz sogenannter "range cameras" oder "Entfernungskameras". Aus den Aufnahmen geht ein dreidimensionales Modell hervor. Pfeifer möchte diese Technologie für ursprüngliche Fragestellungen in der Photogrammetrie nutzen und geht damit auch in Richtung "virtual reality". Darüber hinaus konnten bei einem Projekt mit der Universität Wien, Institut für Archäologie, im Burgenland und in Niederösterreich mittels Laserscanning Gräberfelder entdeckt werden.

Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten

"Unsere Kontakte reichen von der TU Delft über das Polytechnikum Milano bis an die University of Melbourne. Dort arbeitet einer unserer Absolventen," berichtet Professor Pfeifer. Die Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen Institutionen, innerhalb oder außerhalb der TU Wien, aber auch mit Firmen (z.B. Firma Riegl), ist für ihn sehr wichtig und soll forciert werden. Es ergeben sich daraus viele Fragestellungen für die Forschung. Enge Kontakte bestehen aber auch in die Vermessungsabteilungen der verschiedenen Bundesländer sowie mit Behörden (Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen).

"Es ist eine interessante Sache, wenn man mit Leuten zusammenarbeitet, die unsere Ideen in die Praxis umsetzen wollen, die uns neue Probleme auftischen, die ihnen ‚unter den Nägeln brennen’. Da ist unser Wissen gefragt," erläutert Norbert Pfeifer. Eine besondere Stellung nimmt in diesem Zusammenhang das Christian-Doppler-Labor "Spatial Data from Laser Scanning and Remote Sensing", das seit 1. Dezember 2003 an der TU Wien besteht, ein.
Eine weitere Kuriosität am Institut von Norbert Pfeifer ist das wahrscheinlich größte Dateisystem mit 37 terabyte, das derzeit an der TU Wien im Einsatz ist. Anders sind die enorm großen Datenmengen, mit denen gearbeitet wird, nicht mehr zu bewältigen.

Mangelware Geoinformatiker

"In Österreich gibt es einen Mangel an Vermessungstechnikern. Wir bekommen von den Vermessungsbüros, mit denen wir zusammenarbeiten, Stellengesuche zugeschickt. Wenn man Vermessungswesen studiert, braucht man sich keine Gedanken über die Jobaussichten zu machen. Man kann es sich aussuchen," so Pfeifer. Insgesamt zeigte er sich mit der Qualität des Geodäsiestudiums sehr zufrieden. "Es herrscht ein sehr gutes Verhältnis zwischen der Anzahl der StudentInnen und den Lehrenden. Bei uns gibt es keinen Massenbetrieb. In meiner Vorlesung im 3. Semester befinden sich derzeit 30 Studenten." Man habe dadurch einen viel besseren Zugang zu den Studierenden. Dies wirke sich dann auch positiv auf die Vorlesungen auf. "Die StudentInnen trauen sich Fragen zu stellen." Darüber hinaus wurde gerade ein neuer Studienplan eingeführt. Hier bedarf es laut Pfeifer noch einiger Feinjustierungen. Im Zuge der Umstellung auf Bachelor und Master, konnte man jedenfalls die Chance wahrnehmen, den Studienplan zu reformieren.
"Ein weiteres wichtiges Anliegen für mich ist den StudentInnen unsere Forschungsarbeit zu einem frühen Zeitpunkt ihres Studiums zu vermitteln. In diesem Zusammenhang steht das Stichwort der forschungsgeleiteten Lehre. Die Höhersemestrigen können im Rahmen von Übungen bereits zur Forschung beitragen."

Private Seite und Ausblick

Norbert Pfeifer ist verheiratet. Seine Frau ist am Gymnasium Lehrerin für Italienisch und Englisch. Die gemeinsame Tochter wurde im Februar zwei Jahre alt. In seiner Freizeit unternimmt der TU-Professor Outdoor-Aktivitäten mit Familie und Freunden (Bergsport, Skitouren, Klettern).
Reisen und längere Auslandsaufenthalte in Zusammenhang mit seiner Forschertätigkeit konnte Pfeifer zuletzt für drei Jahre in den Niederlanden an der TU Delft genießen. Ein dreimonatiges Stipendium führte ihn während seines Studiums nach Melbourne. Er sieht solche Abschnitte sowohl als wissenschaftliche wie auch als persönliche Bereicherung.

Norbert Pfeifer wünscht sich für die Geodäsie an der TU Wien, dass sie ihre "hervorragende Stellung beibehält und man auch weiterhin in der Lage ist internationale Trends im Voraus zu erkennen". Ein starkes Team im Hintergrund, das mit viel Enthusiasmus arbeitet, ist für Professor Pfeifer besonders wichtig. Er bezeichnete das Klima am Institut als sehr gut. "Die Atmosphäre soll so bleiben. Die Leute sollen gerne in die Arbeit kommen. Mir macht es unheimlich viel Freude hier zu arbeiten", ergänzt er.