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Nachruf: Alfred Slibar (1921 – 2013)

Die TU Wien und das Institut für Mechanik und Mechatronik trauern um ihr langjähriges Mitglied em.o.Univ.Prof. Dr. Alfred Slibar.

Alfred Slibar (1921 – 2013)

Alfred Slibar (1921 – 2013)

Alfred Slibar (1921 – 2013)

Alfred Slibar (1921 – 2013)

Alfred Slibar wurde am 6. Mai 1921 in Wien geboren. Nach der Matura inskribierte er an der Technischen Hochschule in Wien für das Studium Maschinenbau. Kaum hatte er damit begonnen, wurde er zum Militärdienst eingezogen und musste das Studium unterbrechen. Er geriet in russische Gefangenschaft,  überlebte diese glücklicherweise und gelangte auf abenteuerlichen Wegen wieder zurück nach Wien. Unter den sehr harten Bedingungen in der Nachkriegszeit absolvierte er in Rekordzeit sein Studium mit dem akademischen Abschluss Dipl.-Ing.  Im Rahmen seiner Assistententätigkeit promovierte er am damaligen Institut für Mechanik und habilitierte sich schließlich im Jahre 1952 an der Technischen Hochschule Wien für das Fachgebiet Allgemeine Mechanik. Er sammelte Auslandserfahrungen bei einem  USA-Aufenthalt von 1954 bis 1957 am MIT und  begegnete dabei den auf dem Gebiet „Engineering  Mechanics“ weltweit bekannten Wissenschaftlern J.P. Den Hartog und S.T. Timoshenko. Diese Begegnungen haben ihn für sein späteres Leben sehr stark geprägt. Während und besonders nach seiner Zeit am MIT arbeitete er zeitweilig auch für einen großen amerikanischen Elektrokonzern. Dabei beschäftigte er sich überwiegend mit Eigenschaften rheologischer Stoffe sowie mit der Berechnung von Gaslagern für rotierende Maschinen. Im Jahre 1957 erhielt Alfred Slibar einen Ruf für eine Mechanikprofessur an der Bauingenieur-Fakultät der Universität Stuttgart, den er auch annahm. Im Jahre 1963 erhielt er einen Ruf an die Technische Hochschule in Wien für die Übernahme der Leitung des neugegründeten Instituts für Maschinendynamik. Diese Vorstandsfunktion übte er vom 1. August 1963 bis zu seiner Emeritierung am 30. September 1989 aus. Zusammen mit seinen (mittlerweile ebenfalls verstorbenen) Kollegen Heinz Parkus, Gerhard Heinrich und Kurt Desoyer bildete Alfred Slibar die bekannte Wiener Schule der universitären Mechanikausbildung an den Fakultäten Maschinenbau und Bauingenieurwesen.

Professor Slibar war kein Freund von Verwaltungstätigkeiten, und er war in den Jahren 1974 bis 1976 auch nur für eine einzige Periode Dekan der Maschinenbau-Fakultät. Unvergessen bleibt die Fakultätssitzung, in der er anlässlich der Einführung neuer Reiseberichtsformulare für Dienstreisen über einen Konferenzbesuch in Budapest mit den Worten berichtete: „Der Reisekostenzuschuss reichte von Wien bis Bruck an der Leitha, bis dorthin keine besonderen Vorkommnisse.“

Die wissenschaftliche Liebe als Professor in Wien war für ihn die Fahrzeugdynamik sowie die Unfall- und Kollisionsanalyse von Straßenfahrzeugen. Er war auch viele Jahre hindurch Gerichtssachverständiger auf diesen Gebieten. In der Öffentlichkeit wurde Professor Slibar durch die Entwicklung des sogenannten „Slibar-Zaunes“, einer sehr originellen und wirksamen Autobahnbegrenzungssicherung, bekannt.

Die Mechanik-Institute an der TU Wien verdanken ihm sehr viel, konnten sie doch dank seines sehr rigorosen Einsatzes im Jahre 1987 aus sehr beengten Verhältnissen in neue Räumlichkeiten im Freihausgebäude der TU Wien übersiedeln. Die Studierenden liebten ihn, weil in seinen interessanten Vorlesungen immer noch Platz war für so manche seiner humoristischen Einlagen. Der TU Wien bleibt Professor Alfred Slibar im Gedächtnis als hervorragender akademischer Lehrer mit hoher Durchsetzungskraft. Alfred Slibar verstarb am 25. November 2013 im 93. Lebensjahr in Wien.

Für die Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Mechanik und Mechatronik
Helmut Springer, Horst Ecker, Werner Mack

 

Foto: © Manfred Neumann