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Johann Wernisch – ein Nachruf

Die TU Wien und das Institut für Festkörperphysik trauern um A.o.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Johann Wernisch.

Johann Wernisch

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Tief betroffen und für uns alle noch immer unfassbar geben wir Nachricht, dass unser Kollege Johann Wernisch am 23. Juni 2016 nach kurzer schwerer Krankheit im 76. Lebensjahr verstorben ist. Johann Wernisch zählte zum "Urgestein" des 1971 neu gegründeten Instituts für Technische Physik (Vorstand Univ.Prof. Dr. Horst Ebel), das in weiterer Folge im Institut für Angewandte und Technische Physik und dann im Institut für Festkörperphysik aufging.

Johann Wernisch hat sein Studium der Technischen Physik an der (vormals) Technischen Hochschule Wien mit seinem Doktorat über "Röntgenstreuanalyse" abgeschlossen und seine akademische Laufbahn am Institut für Technische Physik begonnen. Sein physikalisches Interesse war immer begleitet von seiner Nähe zur Chemie, so standen die Atomabsorptions-Spektrometrie und die damals an der TU noch nicht etablierte Elektronenstrahl-Mikroanalyse im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit. In einer großen Anzahl von Publikationen aus mannigfaltigen Fachgebieten sind seine innovativen Beiträge dokumentiert. Mit der Schrift "Eichprobenfreie Elektronenstrahlmikroanalyse" hat er sich im Jahre 1984 an der Technischen Universität Wien habilitiert.

Seine erfolgreiche Arbeit findet ihren Niederschlag in Auszeichnungen. Stellvertretend genannt seien hier der Körner-Preis für "Spurenanalyse an humanbiologischen Proben" (eine Arbeit, die letztendlich zum Verzicht von Blei im Benzin in Österreich beigetragen hat) sowie die EMAS-Medal für seine langjährige Tätigkeit bei der European Mircrobeam Analysis Society, deren Gründungsmitglied er auch war. Seine fachübergreifende Expertise zeigte sich auch in einer regen, gerichtlichen Gutachtertätigkeit. Die späteren Jahre waren von einer intensiven und äußerst fruchtbaren wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit der Universitäts-Zahnklinik Wien auf dem Gebiet der Mikroanalyse und Laseranwendung geprägt, die den Brückenschlag zwischen Physik und Medizin sichtbar macht und in der Verleihung der goldenen Bernhard-Gottlieb-Ehrenmedaille im Dezember 2014 ihren vielbeachteten Ausdruck findet.

Johann Wernisch hat engagiert an Physik-Grundlagenvorlesungen für die Studienrichtungen Elektrotechnik und Maschinenbau mitgewirkt und seine wissenschaftlichen Arbeitsgebiete in Fachvorlesungen vertreten. Bei den Studierenden erfreute er sich hoher Anerkennung und Beliebtheit - bei der Betreuung von Diplomarbeiten und Dissertationen war er im besten Sinne des Wortes ein Doktor"vater".

Joe, wie er von allen, die ihn näher kannten, genannt wurde, war stets ein Mensch der leisen Töne, der ruhige, immer hilfsbereite, Kollege "von nebenan", der aber gerade auch in seiner stillen Art initiativ und konsequent seine Ziele verfolgte, jemand, den seine Herkunft aus einfachem bäuerlichen Elternhaus geprägt hatte, der lebenslang naturverbunden blieb, sich an hundert Obstbäumen in seinem großen Garten – gelegentlich stöhnend – erfreute, der als ausgewiesener Weinkenner - und Mitglied der Weinritterschaft – den Genuss guter Weine schätzte und seine Familie und seinen Freundeskreis mit exklusiven Kochkünsten verwöhnte.

Joes plötzliche Krankheit hat uns überrascht, vor wenigen Tagen war er noch aktiv in unserer Mitte. Wir trauern um einen lieben Freund und Kollegen, der uns eine große Strecke des Lebens begleitet hat.

Die Trauerfeier findet am Donnerstag, dem 30. Juni 2016, um 14:00 Uhr, in der Aufbahrungshalle des Friedhofs in Draßmarkt/Bgld statt.