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Großes Silbernes Ehrenzeichen für Wiener Materialforscher

Prof. Jürgen Hafner, langjähriger Mitarbeiter der TU Wien, wird vom Bundesminister für Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet.

 

Prof. Jürgen Hafner

Prof. Jürgen Hafner

Prof. Jürgen Hafner

Prof. Jürgen Hafner

Jürgen Hafner, Pionier der computerunterstützten Materialforschung hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Wien  heute zu den weltweit führenden Wissenschaftszentren auf diesem Gebiet zählt. Dem langjährigen Mitarbeiter der TU Wien wird am 13. März 2012 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich durch den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung Karlheinz Töchterle überreicht.

In den letzten zwanzig Jahren hat sich Wien zu einem internationalen Zentrum für die Simulation von Materialeigenschaften mit Hilfe von atomistischen Methoden, also Verfahren, die das Verhalten einzelner Atome und Elektronen berücksichtigen, entwickelt. Wissenschaftliche Aktivitäten in diese Richtung stellen heute einen wichtigen Teil des TU-Forschungsschwerpunktes "Materials and Matter". Diese Entwicklung ist vor allem Jürgen Hafner zu verdanken. Schon frühzeitig, d. h. vor Ende der 1980er Jahre, hatte er erkannt, dass die sogenannten Dichtefunktionalmethoden völlig neue Möglichkeiten bei der Simulation von Materialien eröffnen. Heute sind diese Simulationsmethoden aus den Materialwissenschaften nicht mehr wegzudenken: Waren es 1990 nur verschwindende 200 Publikationen, die pro Jahr in diesem Arbeitsbereich erschienen sind, so sind es mittlerweilen jährlich weit über 12.000 wissenschaftliche Arbeiten, und die Tendenz ist weiterhin stark steigend.

Die rasche Entwicklung und die beeindruckenden Erfolge der "Computational Materials Science" in den letzten Jahrzehnten haben es ermöglicht,  in silico Materialien mit gewünschten physikalischen und chemischen Eigenschaften zusammenzusetzen. Damit können aufwendige und teure Untersuchungen von Materialen im Labor ersetzt werden. Hafner hat in der "Computational Materials Science" nicht nur wesentliche methodische und konzeptuelle Beiträge geliefert, er hat auch dazu beigetragen, dass dieses Fach an europäischen Universitäten 'salonfähig' geworden ist. Besonders hervorzuheben ist das von ihm initiierte und gemeinsam mit Georg Kresse (Universität Wien) realisierte ''Vienna ab initio simulation package'' (VASP), das sowohl im akademischen als auch im industriellen Bereich weltweit zu den am weitesten verbreiteten Software-Paketen in diesem Gebiet zählt. Österreich und, im Speziellen, Wien ist mittlerweile zu einem der international führenden Zentren in diesem so wichtigen und zukunftsträchtigen Forschungsbereich avanciert. Es gibt keinen Zweifel, dass diese Entwicklungen ohne Jürgen Hafner niemals möglich gewesen wären. Er hat die dafür notwendige Infrastruktur geschaffen (unter anderem als Sprecher des vom FWF geförderten Doktoratskollegs "Computational Materials Science", aus dem mittlerweile mehr als 60 DoktorandInnen hervorgegangen sind), er hat stets junge WissenschaftlerInnen in diesem Arbeitsbereich gefördert, und hat durch die Etablierung internationaler Konferenzserien zur Sichtbarkeit von Wien in diesem Wissenschaftsgebiet beigetragen.

Jürgen Hafner wurde am 24. Juli 1945 in Lunz am See geboren. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann er mit seiner Diplomarbeit und seiner Dissertation (1973) am Institut für Theoretische Physik der TU Wien, an die er - nach einem längeren Aufenthalt am Max-Planck Institut für Festkörperforschung (Stuttgart) - als bereits Habilitierter 1979 zurückkehrte. An der TU Wien war er in der Folge als Universitätsprofessor tätig, bis er 1999 einen Ruf an die Universität Wien als ordentlicher Professor annahm. Nach wie vor ist er der TU Wien eng verbunden – gerade im Bereich der Materialwissenschaft gibt es viele gemeinsame Aktivitäten der TU Wien mit der Universität Wien. In seiner Laufbahn erhielt Hafner zahlreiche Einladungen als Gastprofessor oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter, wie z. B. an die Universitäten Cambridge, Grenoble, Karlsruhe, Göttingen, Paris sowie an einige japanische Universitäten.

Mit seinem bemerkenswert breiten wissenschaftlichen Œuvre (eine Monografie und mehr als 600 Publikationen) hat Jürgen Hafner wesentlich zu einem tieferen Verständnis der Eigenschaften der Kondensierten Materie beigetragen; darunter fallen nicht nur geordnete Festkörper, sondern auch quasiperiodische Systeme (Quasikristalle), Gläser, Oberflächen und Flüssigkeiten. Die hohe Wertschätzung für Hafners Arbeiten innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft lässt sich insofern quantifizieren, als er - laut Institute for Scientific Information (ISI) - zu den meist zitierten Physikern weltweit gehört: Seine Arbeiten werden jährlich mehr als 2500-mal zitiert. Aufgrund seiner fachlichen Kompetenz war Hafner "board-member" einiger wissenschaftlicher Journale und zahlreicher Konferenzen und hat darüber hinaus auch neue Konferenzserien initiiert. Ein besonderes Verdienst seiner Bemühungen ist der erfolgreiche Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung, eine Pionierleistung im Bereich der Computer-unterstützten Materialforschung.

Nähere Information:
Univ.Prof. Dr. Gerhard Kahl
Institut für Theoretische Physik
TU Wien
T +43-1-58801-13632
gerhard.kahl@tuwien.ac.at