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Elektronischer Museumsguide ermöglicht neues Kunstfeeling

Befreiung erfahren museumsbegeisterte BesucherInnen, die sich bisher mit tragbaren Kassettenrekorder bepacken mussten, um die gewünschte Kunstexpertise zu erhalten. Ein Forscherteam an der Technischen Universität (TU) Wien hat ein Trackingsystem entwickelt, das klein und fein auf einem Kopfhörer [Bild 1] Platz findet. Die Feuertaufe hat das System bereits im Kunstmuseum Bonn bestanden.

Der Kopfhörer... [Bild 1 ©TU Wien]

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Der Kopfhörer... [Bild 1 ©TU Wien]

Der Kopfhörer... [Bild 1 ©TU Wien]

...bietet durch sein geringes Gewicht hohen Tragekomfort. [Bild 2 ©TU Wien]

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...bietet durch sein geringes Gewicht hohen Tragekomfort. [Bild 2 ©TU Wien]

...bietet durch sein geringes Gewicht hohen Tragekomfort. [Bild 2 ©TU Wien]

Beeindruckender Sound aus einem drahtlosen Kopfhörer

Kopfhörer aufsetzen, und los geht's! Leicht und unbeschwert so durch ein Museum spazieren, wie man es gerne möchte und doch die gewünschte Information zu den einzelnen Exponaten erhalten. Möglich wird das durch das LISTEN-Projekt, in dem das derzeit weltbeste Positionsbestimmungssystem (Trackingsystem) entwickelt wird. Der drahtlose Kopfhörer vermittelt ein Klangerlebnis in unterschiedlichen virtuellen Klangräumen ohne Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Lediglich Kopfbewegung und Gehrichtung bestimmen, was man hört. Die individuelle Stereofonie ist sozusagen das "Tüpfelchen auf dem i". Klänge werden scheinbar nicht nur aus dem Kopfhörer, sondern aus mehreren Richtungen gehört.

Das Revolutionäre auf einen Blick

Entwickelt von einem Forscherteam der TU Wien rund um Prof. Goiser [Bild 2] wird das Revolutionäre an diesem Trackingsystem erst auf den zweiten Blick ersichtlich. MuseumsbesucherInnen erhalten die Information zu einem Exponat bereits dann, wenn sie den Blick darauf richten. Herkömmliche Systeme haben erst dann reagiert, wenn die Museumsbesucher direkt vor einem Exponat gestanden sind. Des weiteren kann die Position von BesucherInnen exakt erfasst werden. Exakt bedeutet eine Abweichungstoleranz von maximal 1 cm. Dadurch kann vermieden werden, dass man eine falsche Information, sprich zu einem anderen Exponat, erhält. Beide Leistungsmerkmale gepaart machen das TU-Trackingsystem unschlagbar.

Ausgeklügelte Technologie erfasst schnelle Kopfbewegungen

Die Herausforderung besteht nun darin, schnelle Kopfbewegungen zu erfassen und in Millisekunden die gewünschte Information - entweder Text oder Musik - abzuspielen. Derzeit ist es möglich, Positionen und Blickrichtungen von bis zu acht Personen in einem Raum zu erfassen. Verknüpft werden müssen die Geschwindigkeit der Erfassung mit der Genauigkeit der Position und der Anzahl der zu trackenden Personen. Diese Anpassungsfähigkeit an die aktuelle Situation macht das Positionsbestimmungssystem attraktiv für wechselnde Verhältnisse. Im Klartext: man kann das System in die eine oder andere Richtung auslegen, entweder höhere Genauigkeit und Konzentration auf wenige Teilnehmer, oder man erfasst einen größeren Teilnehmerkreis, was aber zu Lasten der Genauigkeit der Positionsbestimmung geht.

Die Technik

Das Trackingsystem besteht aus einem Sendemodul, Antennen und einem Auswertemodul. Die vom Sendemodul ausgesendeten speziellen Signale werden von mehreren Antennen empfangen, die im Kunstwerk angeordnet und einer Auswerteeinheit zugeführt sind. In dieser werden, auf Grund der nachbearbeiteten Laufzeitunterschiede, die Position und die Blickrichtung bestimmt. Diese Daten werden über eine CAN-Bus-Schnittstelle einem Soundserver zur Verfügung gestellt.

Praktische Anwendungen von A - Z

Die Anwendungsmöglichkeiten des neuen Trackingsystems sind vielfältig. Neben dem angesprochenen Audio-Guide als Ausstellungs- und Museumsführer wäre auch ein Einsatz beim Arbeitnehmerschutz denkbar. Auch für Tierfilmer eröffnen sich neue Möglichkeiten. Scharfeinstellungen von Video- oder Fernsehaufnahmen auf ein Tier können automatisch erfolgen, ohne dass der Filmer nachjustieren müsste. Nachträgliche Sportanalysen können mit dem System beispielsweise auch im Fußball oder Eishockey exakt durchgeführt werden. Die Positionen der gesamten Mannschaft kann während eines Spiels aufgezeichnet und dann nachvollzogen werden.

 

LISTEN und die EU

LISTEN wurde im 5.Rahmenprogramm der Europäischen Kommission am 1. Jänner 2001 gestartet und läuft noch bis 2003.

Projektpartner

 

  • AKG Wien (Kopfhörer)
  • Fraunhofer Gesellschaft Bonn und IRCAM Paris (beide für den Sound zuständig)
  • Kunstmuseum Bonn (künstlerische Leitung, Installation)
  • Institut für Industrielle Elektronik und Materialwissenschaften der TU Wien (technische Realisierung des Trackers)