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Die Zukunft ist grüner – Forschen für eine bessere Welt

„Energie und Umwelt“ ist einer der fünf Forschungsschwerpunkte der TU Wien. Seit drei Jahren koordiniert Gudrun Weinwurm die TU-Forschungsaktivitäten in diesem Bereich – und das mit großem Erfolg.

Dr. Gudrun Weinwurm, Leiterin des Forschungszentrums "Energie und Umwelt"

Dr. Gudrun Weinwurm, Leiterin des Forschungszentrums "Energie und Umwelt"

Dr. Gudrun Weinwurm, Leiterin des Forschungszentrums "Energie und Umwelt"

Dr. Gudrun Weinwurm, Leiterin des Forschungszentrums "Energie und Umwelt"

"Energie und Umwelt" ist einer der Forschungsschwerpunkte der TU Wien

"Energie und Umwelt" ist einer der Forschungsschwerpunkte der TU Wien

"Energie und Umwelt" ist einer der Forschungsschwerpunkte der TU Wien

"Energie und Umwelt" ist einer der Forschungsschwerpunkte der TU Wien

Fünf Forschungsschwerpunkte hat die TU Wien definiert. Der wohl vielfältigste von ihnen ist „Energie und Umwelt“. Alle acht Fakultäten des Hauses forschen aktiv in diesem Bereich. Von energieeffizienten Gebäuden bis zu Biomasse-Verbrennungsanlagen, von Fragen der Wassergüte bis hin zur elektronischen Steuerung für energiesparende Industrieanlagen: Kein anderer Forschungsbereich entwickelt sich so rasch, verzweigt sich in so viele verschiedene Disziplinen und bietet so viele Möglichkeiten der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Das „virtuelle Forschungszentrum“
Von Anfang an war klar: „Energie und Umwelt“ soll nicht bloß eine Überschrift sein, die einzelne, unabhängige Forschungsprojekte begrifflich zusammenfasst. Die TU Wien bekennt sich zu dem Ziel, im Energie- und Umweltbereich neue interdisziplinäre Synergien zu schaffen und damit Forschung mit hoher internationaler Sichtbarkeit zu betreiben. Um das zu erreichen wurde vor drei Jahren das virtuelle Forschungszentrum „Energie und Umwelt“ eingerichtet, das von Gudrun Weinwurm geleitet wird. Dieses Zentrum ist die zentrale Koordinations- und Verknüpfungsstelle für alle Energie- und Umweltprojekte des Hauses. Durch das virtuelle Forschungszentrum als zentrale Informationsdrehscheibe werden  Kontakte vermittelt, interdisziplinäre Forschungsvorhaben angestoßen – und nicht zuletzt das Bewusstsein für die Bedeutung dieses Forschungsschwerpunktes gestärkt.

Nach drei Jahren ist jedenfalls eine positive Bilanz zu ziehen: Das Forschungszentrum „Energie und Umwelt“ konnte dazu beitragen, dass dieser Forschungsbereich an der TU Wien blüht und gedeiht. Im Interview erzählt Gudrun Weinwurm über ihre Erfahrungen und ihre Zukunftswünsche.

Sie koordinieren seit drei Jahren die Forschungstätigkeit der TU Wien im Bereich Energie und Umwelt – wie steht die TU Wien in diesem Bereich heute da, verglichen mit anderen Forschungseinrichtungen?

Gudrun Weinwurm
: Es gibt bei uns im Haus äußerst umfangreiche Forschung in diesem Bereich – da müssen wir keinen Vergleich scheuen. Diese Aktivitäten gibt es natürlich schon lange, nicht erst seit der Einführung des Forschungszentrums „Energie und Umwelt“. Allerdings ist es uns in den letzten drei Jahren gelungen, die interdisziplinäre Zusammenarbeit in diesem Bereich zu verstärken und das Forschungsprofil zu schärfen. Wir wollen ganz klar herausarbeiten, wo die Stärken der TU Wien liegen und in diesen Bereichen auch mit Partnern aus der Industrie eng zusammenarbeiten.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihres virtuellen Forschungszentrums in den letzten drei Jahren?
Gudrun Weinwurm: Ja, das Feedback von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist sehr gut. Die Zusammenarbeit hat sich mittlerweile eingespielt - man kennt sich und die jeweilige Expertise, tauscht sich aus, bearbeitet neue interdisziplinäre Projekte und nutzt Synergien. Wie sehr unsere Hilfe in Anspruch genommen wird, ist natürlich recht unterschiedlich. Manche Gruppen waren immer schon gut vernetzt, manche Themen sind nur bedingt vernetzbar – hier unterstützen wir bei Bedarf. Andere Bereiche, manche von ihnen sind gerade erst im Entstehen, sind von Natur aus sehr interdisziplinär – beispielsweise im Bereich energie- und umweltbewusster Gebäude, Siedlungen und Städte. Da gibt es starkes Kooperationspotential und die Forscherinnen und Forscher sind oft froh, Experten aus anderen Fachrichtungen kennen zu lernen. Gerade dort ist es wichtig, Leute zusammenzubringen, umsich auszutauschen, voneinander zu lernen, neue Projektideen zu konzipieren und umzusetzen.

Worin liegt der Mehrwert solcher Zusammenarbeit? Eine Forschungsgruppe könnte sich schließlich auch für sich alleine interdisziplinär positionieren, ohne Beteiligung anderer Fakultäten und Institute.
Gudrun Weinwurm: Nicht unbedingt – der Mehrwert entsteht eben oft in Bereichen, die viel zu groß sind, als dass sie eine einzelne Arbeitsgruppe abdecken könnte. Nehmen wir ein Beispiel aus der Produktion - denken Sie etwa an die Energieoptimierung in der Fertigungstechnik. Dort kann man sich nicht nur auf die einzelne Maschine konzentrieren, sondern muss jedes Gerät als Teil des ganzen Betriebes sehen. Wie kann man etwa die Gebäudestruktur so konzipieren, dass zum Beispiel Abwärme für die Heizung genutzt werden kann? Einzelne Detaillösungen zu entwickeln ist schön, aber den optimalen Nutzen können wir nur herausholen, indem Forschungsteams aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten. Niemand kann dieses Feld vom Maschinenbau bis zur Architektur vollständig überblicken.
 
Dass Energie und Umwelt ein wichtiges Zukunftsthema ist, wird heute niemand bestreiten. Spiegelt sich das heute auch in der Forschungs-Förderungslandschaft wider?
Gudrun Weinwurm: Nur zum Teil. Natürlich gibt es finanzielle Unterstützung für Energie- und Umweltprojekte von Forschungs-Förderungseinrichtungen. Aber viele dieser Förderlinien sind sehr industrieorientiert: Oft geht es um die Finanzierung von konkreten Demonstrationsobjekten. Ich würde mir wünschen, dass es in Zukunft mehr Förderung in diesem Bereich gibt, die speziell auf die Bedürfnisse von Universitäten zugeschnitten ist. Nur wenn die Universitäten heute neue grundlegende Ideen haben, wird es morgen konkrete Anwendungen für die Industrie geben.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?
Gudrun Weinwurm: Intern wollen wir uns natürlich weiterhin noch besser vernetzen, noch mehr Zusammenarbeit generieren. Wir wollen unter den Forscherinnen und Forschern kein Einzelgängertum haben, sondern Teamwork fördern und eine starke Identifikation mit der TU Wien. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit Firmen verstärkt werden. Wir wollen stärker im Bewusstsein der Industriepartner verankern, wo die Stärken der TU Wien liegen. Es soll ganz selbstverständlich werden, dass sie sich an die TU wenden, wenn Sie auf Forschungs-Fragen aus diesem Themengebiet stoßen – aber dorthin ist es natürlich ein längerer Weg.

Glauben Sie, dass Forschung im Umweltbereich gesellschaftliche Veränderungen einleiten kann?
Gudrun Weinwurm: Ja, aber Forschung ist nur die eine Seite – solange wir die Bevölkerung nicht überzeugen, dass sich etwas ändern muss, nützt auch die Forschung nicht viel. Vielleicht gelingt ein Paradigmenwechsel, vielleicht muss es aber erst zu einem großen Crash kommen, bevor sich etwas ändert. Wissenschaft zeigt nur die Möglichkeiten auf, politische Entscheidungen müssen andere treffen. Ermutigend ist es aber, dass immer mehr Firmen aus voller Überzeugung auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz setzen. Es scheint sich herumzusprechen, dass wirtschaftlicher Erfolg und ökologisches Bewusstsein zusammenpassen.

(Das Interview führte Florian Aigner)


Eine Auswahl an interdisziplinären Projekten und Kooperationen der letzten drei Jahre:

Projekt INFO – Interdisziplinäre Forschung zur Energieoptimierung in Fertigungsbetrieben
http://www.projekt-info.org/index.html

Projekt GEBIN - Gebäude maximaler Energieeffizienz mit integrierter erneuerbarer Energieerschließung
http://eeg.tuwien.ac.at/eeg.tuwien.ac.at_pages/research/projects_detail.php?id=214&type=nat

Gebäudeübergreifende Energie – Seestadt Aspern
https://tiss.tuwien.ac.at/research/project.xhtml?projectId=8701

Smart Web Grid - Konzeption eines Informationsmodells für webbasierten Zugriff auf SmartGrid-Daten
https://tiss.tuwien.ac.at/research/project.xhtml?projectId=9404

Forschungsallianz Verbund – TU Wien
http://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/6872/