News

Dialog zwischen den USA und Österreich: Der Einfluss von KI auf die Demokratie.

Im Rekordwahljahr 2024 untersuchte ein globales Forum an der TU Wien den entscheidenden Einfluss von KI auf Demokratien und Möglichkeiten, ihre Herausforderungen zu bewältigen.

Gruppenfoto: Gabriele Sinigoj, Hannes Werthner, Merve Hickok, Christoph Thun-Hohenstein, Victoria Reggie Kennedy, Christiane Wendehorst, Peter Knees, Gerti Kappel, Peter Ertl und Erich Prem (von links)

© TU Wien Informatics/Amélie Chapalain

1 von 2 Bildern oder Videos

Diskussion: Christiane Wendehorst im Gespräch mit Merve Hickok und Peter Knees

© TU Wien Informatics/Amélie Chapalain

1 von 2 Bildern oder Videos

2024 ist das größte Wahljahr der Geschichte. Mit über vier Milliarden Menschen, die weltweit an die Urnen gehen, ist die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) für Demokratien wichtiger denn je. Am 16. Jänner 2024 lud TU Wien Informatics, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster politische Entscheidungsträger_innen, Wissenschafter_innen, Studierende und Bürger_innen zu einer Diskussion darüber ein, wie KI unsere demokratischen Nationen prägt. „Fostering Democracy in the Age of AI" ist der Auftakt einer Gesprächsreihe des neuen U.S.-Austria Citizen Dialogue, der vom österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster (BMEIA) und der US-Botschaft in Österreich, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster organisiert wird. Diese bilaterale Initiative fördert bürgerschaftliches Engagement und bringt Österreich und die USA in den gemeinsamen Werten näher zusammen.

Peter Ertl, Vizerektor Forschung, Innovation, Internationales der TU Wien, und Gerti Kappel, Dekanin TU Wien Informatics, hoben das Engagement der Universität für demokratische Werte in der KI-Forschung und -Entwicklung hervor. Christoph Thun-Hohenstein, Botschafter und Generaldirektor für internationale Kulturangelegenheiten beim BMEIA, sowie Victoria Reggie Kennedy, US-Botschafterin in Österreich, wiesen auf die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Herausforderungen durch KI hin. Christiane Wendehorst, Co-Leiterin des Departments für Innovation und Digitalisierung im Recht an der Universität Wien und wissenschaftliche Direktorin des European Law Institute, moderierte die lebhafte Diskussion.

Unzivilisierte KI

„Die Förderung der Demokratie im Zeitalter der KI ist keine Präferenz. Es ist unerlässlich", eröffnete die KI-Ethik- und Politikexpertin Merve Hickok ihren Vortrag. KI existiert nicht in einem Vakuum: KI-Systeme spiegeln Vorurteile in unseren Gesellschaften wider und verewigen unbeabsichtigt Ungleichheiten in Bezug auf Rasse, Geschlecht und Fähigkeiten. Zu bedenken ist, dass 16 % der Weltbevölkerung unter Behinderungen leiden. Dennoch sind KI-Systeme oft nicht in der Lage, diese Personen zu repräsentieren oder bleiben für sie unzugänglich. „Algorithmen sind nur so unvoreingenommen oder voreingenommen wie ihre Daten. Aber das muss nicht so sein, und das muss auch nicht so bleiben", ist sich Hickok sicher.

Generative KI führt eine neue Dynamik ein. Systeme wie ChatGPT senken die Schwelle der Fähigkeiten und Kosten, die wir für den Einsatz von KI benötigen – auch für böswillige Absichten. Von irreführenden Informationen bis hin zu regelrechtem Betrug sind die Risiken groß. „Es scheint unvermeidlich. Wir sehen, was getan werden kann und wie uns Missbrauch jeden Tag bedroht. Dass KI jedoch zunehmend unzivilisiert ist, ist kein Merkmal der Systeme an sich, sondern liegt vor allem in der unzivilisierten Art der Nutzung", gibt KI-Experte Peter Knees zu bedenken. Der „perfekte Dreifaktor" aus Zugang zu riesigen personalisierten Daten, leicht zugänglichen synthetischen Inhalten und schneller Verbreitung über soziale Medien ermöglicht es, Misstrauen in alarmierendem Maße zu säen – insbesondere bei Wahlen.

Probleme mit der Vertrauenswürdigkeit

Die Erosion des Vertrauens ist die größte Bedrohung für unsere Demokratien, sind sich Hickok und Knees einig. „Das Misstrauen, das wir jetzt in unserer Online-Welt erleben, ist nicht reflektierend oder kritisch, sondern eine zerstörerische Kraft", sagt Knees. Demokratien müssen in digitale Kompetenz investieren, damit ihre Bürger_innen lernen, die Grenzen der KI zu verstehen. Ein weiterer Eckpfeiler ist der Medienpluralismus und die Investition in ein öffentlich-rechtliches Internet. Knees ist davon überzeugt, dass wir anfangen müssen, uns für digitale Plattformen einzusetzen, die sich an die Bürger_innen als informierte Teilnehmer_innen und nicht nur als Verbraucher_innen wenden.

Die Regulierung kann dazu beitragen, die Grenzen der KI zu klären und Sicherheitsstandards festzulegen – wie es bei jeder anderen Technologie üblich ist. „Demokratische Nationen müssen sicherstellen, dass die Bürger_innen nicht bloße Experimente in der KI-Landschaft sind. Wir sollten uns wohl dabei fühlen, rote Linien zu setzen und Aufsicht und Rechenschaftspflicht für Regierungen zu schaffen", so Hickok. Der AI and Democratic Values Index, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster des CAIDP ist ein Beweis für diese Bemühungen, indem er 75 Länder anhand ihrer KI-Richtlinien und -Praktiken analysiert. Österreich wurde für sein ziviles Engagement in KI-Strategien gelobt, aber es gibt noch viel zu tun. Merve Hickoks Aufruf zum Handeln ist klar: „Wir alle haben eine Stimme. Wir brauchen keine technischen Fähigkeiten, um zu sagen, wie sich KI auf uns auswirkt. Mit öffentlichem Engagement können wir unsere Rechte, die Rechte unserer Angehörigen und unserer Gemeinschaften schützen."

Der Kampf gegen Unzivilisiertheit erfordert ein Bekenntnis zur Vernunft. Dies zeigt sich an der TU Wien Informatics, wo eine Fülle von Projekten im Bereich KI menschenzentrierte Ansätze priorisieren. Die Fakultät steht an der Spitze der Digital Humanism Initiative, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster und fördert die Entwicklung digitaler Technologien und eine Politik, die auf Menschenrechten, Demokratie, Inklusion und Vielfalt basiert. Zum Abschluss des Diskurses unterstreicht der UNESCO-Vorsitzende für Digitalen Humanismus, Peter Knees, eine ziemlich zeitlose Wahrheit: „Gleichheit, Freiheit und Rechenschaftspflicht gibt es nicht umsonst. Demokratie braucht Ressourcen, und das lohnt sich. Gönnen wir uns also mehr Demokratie und investieren wir nicht nur in ihren Erhalt, sondern auch in ihr Gedeihen für kommende Generationen."

 

Ausblick weitere Termine: Am 24. Jänner findet außerdem die Public Lecture „AI in Science, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster statt.

Nach Aktivierung werden u. U. Daten an Dritte übermittelt. Datenschutzerklärung., öffnet in einem neuen Fenster

Fostering Democracy in the Age of AI