News

Der Computer revolutioniert die Therapie von Rheumapatienten

TU Wien Entwicklung hilft Ärzten bei der Verlaufskontrolle von rheumatoider Arthritis.

Wien (TU) An der TU Wien, Arbeitsgruppe für Mustererkennung und Bildverarbeitung (PRIP), wurde ein neues Verfahren entwickelt, das die Verlaufskontrolle von rheumatoider Arthritis revolutionieren könnte. Es ermöglicht die rechnergestützte Analyse von Röntgenbildern, findet automatisch Gelenke und misst das Fortschreiten vorhandener Knochenschäden. „Einem Computer beizubringen, kranke von gesunden Gelenken zu unterscheiden war nicht nur faszinierend, sondern für uns Mediziner auch überraschend einfach“, meint Dr. Philipp Peloschek (Universitätsklinik für Radiodiagnostik am AKH). Die konventionelle Methode, Schädigungen zu beurteilen, ist zeitaufwendig und ungenau. „Das Verfahren wird nicht nur die Verlaufskontrolle von Rheumapatienten revolutionieren, sondern könnte auch in anderen Gebieten der Radiologie eingesetzt werden. Es besteht die Hoffnung, durch diese Art der Verlaufskontrolle die Therapie zum Wohle der Patienten verbessern zu können. Die Ärzte können sich jetzt auf die Interpretation der vom Computer vorgefundenen Ergebnisse konzentrieren.“

Während einer Trainingsphase werden dem Rechner Gelenke in verschiedenen Krankheitsstadien gezeigt, die dieser selbstständig zu unterscheiden lernt. Das ermöglicht erstmals, radiologische Kriterien mathematisch nachzuvollziehen indem anatomische Formen und Strukturen für den Computer fassbar beschrieben werden. „Bemerkenswert ist, dass genau jene Argumente für das Vorliegen eines Knochenschadens errechnet wurden, die seit Jahrzehnten von Radiologen erfolgreich verwendet werden“, analysiert Dr. Peloschek. Erste Untersuchungen weisen auf eine hohe Präzision des Systems hin. „Es wurde ein Verfahren entwickelt, das dem Arzt Zeit spart und wesentlich genauere Resultate erzielt. Interessant ist, dass es die Methode erlaubt, aus den Erfahrungen des Arztes zu lernen. Ein eindrucksvolles Beispiel moderner Methoden der digitalen Bildverarbeitung und Mustererkennung“, freut sich der Betreuer der Diplomarbeit Prof. Horst Bischof.

Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Krankheit, die tausende ÖsterreicherInnen betrifft. Sie führt zu wiederkehrenden, sehr schmerzhaften Entzündungen der Gelenke. Die Folge sind schwere Gelenksschäden, die zu körperlicher Behinderung führen. Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine exakte Erfassung des Krankheitsfortschrittes unerlässlich.

Für seine Diplomarbeit zur automatischen Verlaufskontrolle rheumatoider Arthritis erhielt Georg Langs am 14. November den mit 3.000 Euro dotierten PRIP-Preis, der bereits zum dritten Mal vergeben wurde. Vier Kandidaten gelangten heuer in die Endauswahl. Die Jury setzte sich aus Vertretern des Fachbereichs Informatik und Vertretern der Sponsoren Advanced Computer Vision GmbH, Olympus GmbH, Palfinger AG, Sensotech GmbH und Siemens AG zusammen. Der Vorsitzende der Jury, Prof. Walter Kropatsch „Alle vier präsentierten Arbeiten zeigten ein sehr hohes Niveau und eine ausgezeichnete Kenntnis des Fachgebietes. Die Arbeit des Preisträgers bestach durch die überzeugende Präsentation, die sehr ausgewogen den Einsatz neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Nutzen der medizinischen Diagnostik demonstrierte."

www.tuwien.ac.at/forschung/nachrichten/a-prip.htm, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster