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Brücke wie einen Regenschirm aufspannen

Am Institut für Tragkonstruktionen entwickeln Professor Johann Kollegger und Universitätsassistentin Susanne Blail ein neuartiges "Brückenklappverfahren", mit dessen Hilfe der Bau von Talbrücken mit hohen Brückenpfeilern doppelt so schnell bewerkstelligt werden kann.

Lavanttalbrücke: Copyright Firma DOKA

Lavanttalbrücke: Copyright Firma DOKA

Lavanttalbrücke: Copyright Firma DOKA

Lavanttalbrücke: Copyright Firma DOKA

"Die Brückenträger sind bei bekannten Verfahren wie dem Freivorbau oder dem Taktschiebeverfahren während der Herstellung großen Biegebeanspruchungen ausgesetzt. Baut man die Brückenträger so wie die Brückenpfeiler ebenfalls senkrecht mit einer Kletterschalung, können sie erstens viel schneller, im Abstand von zwei Tagen, weiterklettern und zweitens unter geringeren Beanspruchungen gebaut werden", erklärt Johann Kollegger. Im Juni erteilte das Deutsche Patent- und Markenamt für das an der TU Wien entwickelte Verfahren zur Herstellung von Brücken ein Patent.

In Anlehnung an das Bogenklappverfahren (zur Herstellung von Stahlbetonbögen) werden im ersten Schritt die Pfeiler, die beiden Stützstäbe und die zwei Brückenträger in senkrechter Lage geschalt. Durch das Anheben der Stützstäbe werden die Brückenträger um 90 Grad gedreht und in ihre endgültige Lage befördert. Kollegger: "Das ganze wird wie ein Regenschirm aufgespannt oder wie eine Wäschespinne aufgeklappt. Für den Drehvorgang selbst bedarf es besonderer Gelenke, die diese Kräfte aushalten. Die Pfeiler werden deswegen mit einem Schlitz versehen. Auch hier haben wir eine gute wirtschaftliche Lösung gefunden. Das Hochheben der Brückenträger geschieht mit fünf bis zehn Metern pro Stunde." Die Einsparungen bei den Baustoffen bewegen sich zwischen 20 und 30 Prozent im Vergleich zu bekannten Lösungen. Für die Ausführung der Knotenpunkte beim Anheben der Brückenpfeiler entwickelten Kollegger und Blail eine neue Variante. Gebogene Stahlbleche dienen entlang der Berührungsflächen als Schalung für den Stützstab. Beim Anheben wälzen sich die beiden zylinderförmigen Endpunkte der Stäbe gegeneinander ab und ermöglichen so eine zwängungsfreie Drehung der Stützstäbe.

Der Einsatz des neuen Verfahrens könnte vor allem für zukünftige Brücken, besonders in Ländern, in denen die Infrastruktur ausgebaut wird, von großem Interesse sein. Im Herbst planen er und seine MitarbeiterInnen im Rahmen eines Feldversuches eine acht Meter hohe Modellbrücke mit einer Brückenlänge von 15m nach dem Prinzip des Brückenklappverfahrens anzuheben.

Link: http://www.betonbau.tuwien.ac.at/forschung/aktuell/das-brueckenklappverfahren.html