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Alles ist Mathematik

Der TU-Professor Ansgar Jüngel wird mit einer Gastprofessur an der TU München augezeichnet.

Prof. Ansgar Jüngel

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Prof. Ansgar Jüngel

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Eine Quantenwelle in einem Waveguide - Ergebnis einer Computersimulation

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Eine Quantenwelle in einem Waveguide - Ergebnis einer Computersimulation

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Eine Quantenwelle in einem Waveguide - Ergebnis einer Computersimulation

Sie gilt als eine große Auszeichnung: Die John-von-Neumann-Gastprofessur wird jährlich von der TU München an zwei bis vier Personen vergeben, die in der Mathematik Herausragendes geleistet haben. Heuer gehört Professor Ansgar Jüngel vom Institut für Analysis und Scientific Computing der TU Wien zu den Preisträgern. Er wird im Wintersemester 2012 in München Gastvorlesungen halten.

Die ganze Welt in Formeln

Ansgar Jüngels Forschungsgebiet hat viele Gesichter: „Das Schöne an der Mathematik ist, dass ein und dieselbe Gleichung ganz unterschiedliche Dinge beschreiben kann“, meint er. So arbeitet Jüngel mit Forscherinnen und Forschern aus ganz unterschiedlichen Disziplinen. „Wir sehen uns konkrete Fragestellungen aus der realen Welt an und versuchen die mathematischen Modelle weiterzuentwickeln, mit denen sie beschrieben werden“, sagt Jüngel. Er untersucht die mathematische Struktur eines Problems und überlegt, wie man es mit Hilfe von Computern am besten lösen kann.

Quanten und Halbleiter
Einen Schwerpunkt seiner Arbeit sieht Jüngel in der Quantenphysik und der Halbleitertechnik. „Gerade in diesen Bereichen hat man es oft mit mathematisch sehr komplexen Fragestellungen zu tun“, erzählt er. „Manchmal finden die Kollegen schon aus physikalischer Intuition heraus gute mathematische Modelle. Aber wenn man diese Modelle dann noch sauber mathematisch analysiert, lässt sich immer wieder noch Neues dazulernen - und die numerischen Simulationen können oft deutlich einfacher und rascher durchgeführt werden.“

Biologie und Wirtschaft

Oft helfen Erkenntnisse aus einem bestimmten Wissenschaftsbereich dann in einem ganz anderen Forschungsbereich weiter: So beschreibt etwa die Diffusionsgleichung in der Physik, wie sich Stoffe mit der Zeit ausbreiten. „Mathematisch ganz ähnliche Probleme hat man aber auch in der Biologie zu lösen – zum Beispiel in der Populationsdynamik oder beim Wachstum von Tumoren“, erzählt Ansgar Jüngel. „Die Biologie wird heute immer mathematischer – in diesem Bereich gibt es für uns viel zu tun.“ Auch auf Fragen aus der Wirtschaftstheorie lassen sich seine Forschungen anwenden.

John von Neumann

Die Gastprofessur in München ist nach dem berühmten Mathematiker John von Neumann benannt. Der in Budapest geborene Wissenschaftler österreichisch-ungarischer Herkunft arbeitete in Deutschland und später in den USA, wo er seine größten Erfolge feierte. Auch er war ein anwendungsorientierter Grenzgänger zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen: Er lieferte Beiträge zur Quantentheorie, war einer der ersten wichtigen Computertheoretiker, und entwickelte die Spieltheorie entscheidend weiter. John von Neumann war Ehrendoktor der TU München.

Auf die Gastprofessur in München freut sich Ansgar Jüngel: „Gerade auch an der TU München steht die anwendungsorientierte Mathematik stark im Vordergrund“, erklärt er. Seine Gastvorlesung, die er im Wintersemester 2012 dort halten wird, möchte er nützen, um neue Kontakte zu knüpfen – nicht nur in der Mathematik, sondern auch in den Natur- und Ingenieruswissenschaften. Genau dieses Knüpfen von Kontakten ist widmungsgemäß der Zweck der John-von-Neumann-Gastprofessur – und das kommt der Universität des Gastes genauso zu Gute wie der TU München.