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Fressen Bakterien Metall?

Dieser Frage werden ExpertInnen am 21. und 22. April 2005 anlässlich einer Tagung, organisiert von der Technischen Versuchs- und Forschungsanstalt (TVFA) der TU Wien zum Thema "Mikrobiell beeinflusste Korrosion - oft unerkannt weil unbekannt?" im Naturhistorischen Museum nachgehen.

Wien (TU). - Undichte Wasserleitungen, aufgebrochene Abwasserrohre, durchgerostete Kühlwasserleitungen - ein Albtraum für Eigenheimbesitzer und Anlagenbetreiber. Der Grund dafür: Metallkorrosion. Doch nicht immer ist minderes Material oder schlechte Verarbeitung der Grund für solche Korrosionsschäden. Gar nicht so selten sind Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze oder Algen die eigentlichen Schuldigen. Für den Menschen zumeist völlig harmlos besiedeln diese Organismen unbemerkt in Luft und Wasser Materialoberflächen und kleben sich regelrecht daran fest. Ihre Nährstoffe entnehmen sie der Umgebung, wo dann auch ihre Stoffwechselprodukte landen. Diese Vorgänge sind nicht immer für das besiedelte Material verträglich, sie können zur Korrosion von Metallen führen, Stein, Beton und sogar Glas angreifen oder Kunststoffe auflösen.

Die Erfahrung, dass Mikroorganismen Korrosion von Metallen verursachen können, musste auch ein österreichisches Unternehmen machen, das in den Niederlanden ein Flusskraftwerk errichtet hatte. Nach nur zwei Jahren zeigten die Flügel der stählernen Turbinen ungewöhnlich starke Schädigung durch Lochkorrosion. Erste Vermutungen deuteten auf mangelhafte Materialqualität als Ursache. Doch die an der Technischen Versuchs- und Forschungsanstalt der TU Wien durchgeführten Untersuchungen erbrachten bald ein ganz anderes Bild. An den Metalloberflächen der Turbinen anhaftende "Schmutzbeläge" entpuppten sich als besondere, bakteriell gebildete Ablagerungen, deren spezielle chemische Eigenschaften die Korrosion des Stahles ausgelöst und stark beschleunigt hatten.

Die weiteren Forschungen an dem bis dahin unbekannten Korrosionsmechanismus ergaben, dass die, durch Bakterien in den Belagsschichten gebildete Substanz "Braunstein" (ein Oxid des Mangans) in Kontakt mit dem Stahl reagiert und dabei jene Korrosionsströme fließen lässt, die letztlich zu den hohen Korrosionsraten führen. Damit ist der Mechanismus im Prinzip vergleichbar mit den Vorgängen in einer üblichen Haushaltsbatterie, in der ebenfalls Braunstein für den Stromfluss mit verantwortlich ist.

Mittlerweile wurde diese Art der mikrobiell beeinflussten Korrosion weltweit nicht nur in anderen Wasserkraftanlagen, sondern auch in Rohrleitungen und Wärmetauschern gefunden. Man kann daher davon ausgehen, dass derartige, durch Mikroorganismen verursachte Schäden häufiger sind, als bislang angenommen.

Lange war diese Art der Materialschädigung nur wenigen Spezialisten bekannt und in Schadensfällen wurden oft die falschen Schuldigen zur Verantwortung gezogen. Erst in den letzten Jahren konnte die Wissenschaft viele solcher Vorgänge erkennen, aufklären und Gegenstrategien entwickeln.

Im Rahmen der am 21. und 22. April im Naturhistorischen Museum stattfindenden Fachtagung, veranstaltet von der TVFA der TU Wien gemeinsam mit ECHEM und ASMET (Österreich), dem GfKORR (Deutschland) und der SGO (Schweiz), werden ExpertInnen das aktuelle Wissen vermitteln, mikrobiell verursachte Schädigungsvorgänge an verschiedensten Werkstoffen anhand von Fallbeispielen thematisieren und Möglichkeiten der Vermeidung diskutieren.

3-Länder-Korrosionstagung 2005: Mikrobiell beeinflusste Korrosion - oft unerkannt weil unbekannt?
Zeit: 21.04.05 + 22.04.05
Ort: Naturhistorisches Museum Wien
Organisation: TU Wien - Technische Versuchs- und Forschungsanstalt
Infos:

www.tvfa.tuwien.ac.at/3lkt/, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster