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Über Quoten, Mentoring und Role Models

Ein Interview zum Frauentag am 8. März 2020 mit Kurt Matyas, TUW-Vizerektor Studium und Lehre

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© Raimund Appel

Kurt Matyas, TUW-Vizerektor Studium und Lehre

Kurt Matyas, TUW-Vizerektor Studium und Lehre

Was für Maßnahmen wurden in den letzten Jahren gesetzt, um den Frauenanteil an der TU Wien nachhaltig zu steigern?

Die TU Wien hat sich als Ziel gesetzt, Frauen und Männern die ihrer Qualifikation entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Die Beseitigung bestehender Nachteile für Frauen wird dabei als gemeinsame Aufgabe angesehen.

Die gesetzten Maßnahmen und Programme reichen von der strategischen Verankerung des Themas (z. B. im Entwicklungsplan) über die institutionelle Verantwortung in der Universitätsleitung und Abteilungen zu konkreten Maßnahmen wie Mentoring-Programmen, Laufbahnstellen für Frauen oder einem Mädchenprogramm bei der Kinderuni.

Welche von diesen Maßnahmen hat in Ihren Augen das meiste Potential, um den Frauenanteil unter den Studierenden zu erhöhen und zu halten, und warum?

Eine Maßnahme allein wird nicht zum gewünschten Ziel führen. Es geht vielmehr um die Entwicklung einer Kultur, in der Frauen in allen Funktionen selbstverständlicher Teil des Universitätsbildes sind. Role Models sind ein guter Weg, um Karriereoptionen und Lebenswege aufzuzeigen und junge Frauen zu inspirieren, z. B. über den TU Wien Frauenpreis. Konkrete Unterstützung bieten die Mentoring-Programme. Neben sachlichen Informationen kommen hier persönliche Ansprache und Erfahrungsaustausch zum Tragen, was oft hilfreich und motivierend sein kann.

Wie wird das Online-Mentoring-Programm der TU Wien angenommen? Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach Mentoring insbesondere für weibliche Studierende an der TU Wien?

Das Online-Mentoring dient der Unterstützung und Ermutigung von Schülerinnen und erstsemestrigen Studentinnen und wird bisher gut angenommen. Erfolge sind schwer zu quantifizieren, zeigen sich aber darin, dass Mentorinnen und Mentees positivstes Feedback geben. Das Hauptziel ist, ermutigend auf interessierte Frauen, die sich nach wie vor mit falschen Stereotypen konfrontiert sehen, zuzugehen. Ich sehe Mentoring allgemein als Unterstützungsangebot in der Bewältigung des Studienalltags, um erweiterte Einblicke zu bekommen und das Selbstbewusstsein zu steigern. Das Vizerektorat für Studium und Lehre hat auch ein Mentoring-Programm für Erstsemestrige etabliert, das sich speziell an unterrepräsentierte Gruppen wendet. In diesem Programm ist der Frauenanteil weit über dem Gesamtfrauenanteil der Erstsemestrigen.

Die „Frauenquote“ wird nach wie vor viel diskutiert – wie und wo machen Quoten Sinn in einem System, in dem Verantwortung für ausreichend weiblichen Nachwuchs gerne „weitergereicht“ wird?

Einerseits führen Quoten dazu, dass Frauen sichtbarer sind, so entstehen Role Models, denen nachgeeifert werden kann. Andererseits schwingt oft der Begriff „Quotenfrau“ mit, wodurch die erbrachte Leistung in den Hintergrund tritt. Das macht Frauen das Leben unnötig schwer. Auch hier geht es um ein gesellschaftliches Umdenken. Wenn klassische Rollen- und Berufsbilder aufgebrochen werden können, ändert sich auch die Geschlechterverteilung in Schulen, Universitäten und Betrieben. Wichtig ist, dass als gemeinsame Aufgabe zu sehen, aktiv zu werden und nicht darauf zu warten, dass jemand anderer das Problem löst.

Die Studien-Vorbereitungs- und Reflexionsphase (VoR-Phase) dient als Vorbereitung für den Einstieg in das gewählte Studium. Welche Maßnahmen werden vor und unmittelbar nach Studienbeginn gesetzt, um den Einstieg für Frauen möglichst niedrigschwellig zu gestalten?

Ich denke hier sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern am geringsten. Ein Studium, insbesondere der Studienbeginn ist immer eine neue und herausfordernde Situation. Aufnahmeverfahren und die VoR-Phase sollen gewährleisten, dass Studierende mit den richtigen Erwartungen in ein Studium starten und auch über die Anforderung informiert sind. Hier richten wir besonderes Augenmerk darauf, dass diese Verfahren gendergerecht gestaltet sind. Technisches Vorwissen aus einem bestimmten Schultyp ist keine Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium an der TU Wien. Brückenkurse dienen dazu, gefühlte Defizite vor Studienbeginn auszugleichen und sollen einen problemlosen Studienstart ermöglichen. Die Kombination aus Motivation, dem Wissen, worauf man sich einlässt, welche Anforderungen man erfüllen muss und welche Unterstützungsangebote die Universität bietet, ergeben ein System, das Studierende erfolgreich auf ihrem akademischen Weg begleitet.