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Sollten wir die Sonne verdunkeln?

Solar Radiation Management als Lösung für die Klimakrise? Diskutieren Sie mit!

Die Sonne geht über der Erde im Weltraum auf, vor einem dunklen Hintergrund voller Sterne.

© Jevjenijs, stock.adobe.com

Stellen Sie sich einen riesigen Dimmschalter für unseren Planeten vor – eine Notbremse gegen die globale Erwärmung. Solar Radiation Management ist eine gewagte und kontroverse Idee, die darauf abzielt, einen kleinen Teil des Sonnenlichts zurück ins All zu reflektieren, um die Erde abzukühlen. Ein führender Ansatz besteht darin, winzige Aerosole in die obere Atmosphäre einzubringen, um den kühlenden Effekt von Vulkanausbrüchen nachzuahmen und die Reflektivität von Wolken zu erhöhen. Könnte dies ein Instrument sein, um im Klimanotstand Zeit zu gewinnen? Oder öffnen wir damit eine Büchse der Pandora mit unvorhersehbaren Folgen?

Aerosolforschung: Eine Schlüsseldisziplin im potenziellen Geoengineering

Atmosphären- und Aerosolforscher_innen diskutieren zunehmend die technischen Herausforderungen und möglichen Umweltauswirkungen solcher Geoengineering-Ansätze. Diese sogenannte „Wolkenaufhellung“ ist häufig mit künstlich erhöhten Konzentrationen von Wolkenkondensationskeimen verbunden – kleinen Aerosolpartikeln mit Durchmessern deutlich unter 1 μm (etwa 100-mal kleiner als ein menschliches Haar). Diese Partikel entstehen oft, wenn sich gasförmige Moleküle in der Atmosphäre zu kleinen Teilchen clustern.

Auf der 22. Internationalen Konferenz über Nukleation und Atmosphärische Aerosole (ICNAA), öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, die vom 24. bis 28. August 2025 in Wien stattfindet, kommen internationale Forschende von fünf Kontinenten zusammen, um die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Aerosolbildung und deren Rolle in der Wolken- und Eiswolkenbildung zu diskutieren. Die Konferenz wird gemeinsam von Forschungsgruppen der Universität Wien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster und der TU Wien organisiert – beides führende Institutionen auf diesem Gebiet.

Geoengineering geht über die technischen Wissenschaften hinaus: Zeit für Diskussion

Doch die technische Dimension ist nur ein Teil des Ganzen: Solche Ideen und die damit verbundene Forschung müssen auch aus breiteren Perspektiven betrachtet werden – etwa im Hinblick auf Geopolitik und das komplexe Zusammenspiel von Wissenschaft und Politik. Ein so tiefgreifender Eingriff des Menschen in das Erdsystem wäre beispiellos. Als gezielte Gegenmaßnahme würde er sich grundlegend von früheren unbeabsichtigten Eingriffen unterscheiden, wie etwa der anthropogenen CO₂-Emission oder der Zerstörung der Ozonschicht durch FCKWs.

Daher braucht es eine breite öffentliche Debatte über Solar Radiation Management – nicht nur darüber, ob wir es tun sollten, sondern auch darüber, was passiert, wenn andere globale Akteur_innen es ohne internationale Abstimmung umsetzen würden.

Öffentlichen Podiumsdiskussion:Expertise aus Politik, Soziologie und Naturwissenschaften vereint

Wir laden Sie herzlich zur öffentlichen Podiumsdiskussion (auf Englisch) am 27. August um 19:00 Uhr im Palais Eschenbach ein. Im Mittelpunkt stehen Aerosolforschung und Geoengineering. Prof. Markku Kulmala von der Universität Helsinki – einer der meistzitierten Geowissenschaftler weltweit – wird mit einem Einführungsvortrag über die Verbindung kleinräumiger Prozesse mit globalen Herausforderungen eröffnen.

Im Anschluss folgt eine Podiumsdiskussion, unterstützt vom Environmental and Climate Research Hub (ECH) und dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF). Die Moderation übernimmt Raffael Himmelsbach von der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, der über umfangreiche Erfahrung in Policy-Analyse, Wissenschaftsgovernance und öffentlicher Beteiligung verfügt.

Das Podium setzt sich aus Konferenzteilnehmenden und externen Expert_innen zusammen: Prof. Ulrike Felt (Universität Wien), die Perspektiven der Wissenschaftssoziologie einbringt und sich mit Innovationen sowie deren gesellschaftlichen Spuren beschäftigt; Simon Ellmauer-Klambauer, Leiter der Abteilung Allgemeine Klimapolitik der Republik Österreich, der die politischen Dimensionen des Themas beleuchtet; sowie zwei Geoengineering-Experten, Dr. Blazs Gasparini (Senior Scientist, Universität Wien) und Prof. Zoran Ristovski (Queensland University of Technology), die das Panel ergänzen und gerne Fragen aus dem Publikum beantworten.

Do we need to darken the sun?
27. August 2025, 19:00 Uhr
Palais Eschenbach
Eschenbachgasse 11, 1010 Wien
Um Anmeldung wird gebeten: icnaa2025@univie.ac.at