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Wenn man weiß, wie's geht, ist alles ganz leicht

Interview mit Professor Walter Schachermayer

Mann mit Blick zum Publikum, Brille, weißes Haar und dunkle Anzugjacke

© Eva Jammernegg und Matthias Heisler

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Walter Schachermayer beim TUForMath Abendvortrag

Mann mit Blick zum Publikum, Brille, weißes Haar und dunkle Anzugjacke

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Walter Schachermayer

Julia Eisenberg und Walter Schachermayer

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Julia Eisenberg und Walter Schachermayer

Das Sommersemester 2026 neigt sich langsam dem Ende zu, somit enden auch die Angebote von TUForMath. Am 11. Juni hat der letzte öffentliche Abendvortrag des Semesters stattgefunden, in dem der Mathematiker Walter Schachermayer über das Thema Zufall versus Mathematik sprach. Im Gespräch gibt er Einblick in seine Forschung und verrät, warum ihn Mathematik bis heute fasziniert.

Waren Sie immer schon von Mathematik fasziniert oder gab es einen besonderen Auslöser, der Ihr Interesse für das Fach geweckt hat?
Walter Schachermayer: Die Mathematik ist eine Faszination, die bei mir bereits ein Leben lang anhält. Laut meinem Vater konnte ich bereits im Alter von fünf Jahren die Subtraktion 1.000.000 weniger 10.000 fehlerfrei durchführen. Mathematik ist mir immer leichtgefallen, hat mich fasziniert und mir Spaß gemacht. Wie gesagt, wenn man weiß, wie’s geht, ist alles ganz leicht.

Ich stamme aus einer Kaufmannsfamilie und hätte eigentlich in das Familienunternehmen eintreten sollen, konnte mich aber schließlich durchsetzen und meiner Leidenschaft für Mathematik folgen. 

Einen konkreten Auslöser für mein Interesse an Mathematik gibt es eigentlich nicht, aber was mich auf meinem Weg nachhaltig geprägt hat, waren die Vorlesungen von  Professor Cigler an der Universität Wien. Er hatte eine großartige Gabe, komplizierte Dinge ganz verständlich zu erklären.

Ich finde, dass Mathematik eine sehr kreative Wissenschaft ist, und auch eine sehr soziale Wissenschaft. Die besten Ideen finden Mathematiker_innen nicht alleine im stillen Kämmerchen, sondern beim gemeinsamen Tüfteln und Problemlösen an einer Tafel.  Meine mittlerweile 189 Publikationen habe ich meistens gemeinsam mit anderen Mathematiker_innen verfasst. Ich vergleiche Mathematik gern mit Kammermusik. Im Zusammenspiel von drei oder vier Musiker_innen entstehen neue Dimensionen, in der Zusammenarbeit von mehreren Mathematiker_innen neue Lösungswege.

Was sind Ihrer Meinung nach die spannendsten Gebiete in der Mathematik?
Walter Schachermayer: Spannende Gebiete in der Mathematik gibt es viele, schließlich ist sie die Grundlage für alle Naturwissenschaften. Ich war in vielen unterschiedlichen mathematischen Gebieten tätig, wie beispielsweise in Functional Analysis und Wahrscheinlichkeitstheorie mit Anwendungen in der Finanzmathematik.

Zurzeit ist der spannendste Aspekt, im täglichen Leben wie in der Mathematik, zweifelsohne die Artificial Intelligence. Klarer Weise ist Mathematik die Grundlage für AI und Mathematik und AI gehen sozusagen Hand in Hand. Mit AI konnten gerade in den letzten Monaten berühmte mathematische Probleme gelöst werden. Dies passiert nicht, indem man chatgpt befragt und dieses dann die Lösung ausspuckt, sondern in einem kunstvollen Dialog zwischen Mensch und AI. Hier eröffnen sich völlig neue Dimensionen. So hilft AI den Mathematiker_innen, aber es geht natürlich auch in die andere Richtung. Die rasante Entwicklung der AI wirft spannende mathematische Probleme auf, die es zu lösen gilt. 

Wir erleben gerade goldene Zeiten für die Mathematik, das Fach wird in den nächsten Jahren noch mehr an Bedeutung gewinnen. Denn immer, wenn komplexe Phänomene analysiert werden, landet man früher oder später unweigerlich bei mathematischen Problemen.

Zu TUForMath sage ich …
Walter Schachermayer: Ich finde dieses Format eine tolle Sache: die Idee, das Thema Mathematik und die Faszination dafür einem breiten Publikum in gut verständlichen Vorträgen zu präsentieren, ist großartig. Ich freue mich sehr, dass ich meinen Vortrag zum 8. Jahrestag dieses Formats halten durfte.

Vielen Dank für das Gespräch

Zur Person
Walter Schachermayer stammt aus Linz und ist ein international bekannter Forscher. Er studierte Mathematik und Betriebswirtschaft an der Universität Wien, der TU Wien und der Wirtschaftsuniversität Wien. Er war an zahleichen ausländischen Universitäten als Professor tätig, sowie viele Jahre an der Universität Wien und der TU Wien.

Seine mathematische Forschung wurde vielfach ausgezeichnet. Neben zahlreichen anderen Ehrungen erhielt Schachermayer 1998 den Wittgenstein-Preis und 2009 einen ERC Grant.

 

Interview: Sonja Haberl