Ablauf eines Berufungsverfahrens

Grundlagen des Berufungsverfahrens

Grundsätzlich werden allen geplanten Professuren aufgrund eines internen Prozesses im ENTWICKLUNGSPLAN einer Universität festgelegt bzw. „gewidmet“. Für die TU Wien gilt momentan der „Entwicklungsplan 2025 der Technischen Universität Wien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster“, in dem die geplanten Professuren für die Jahre 2018-2021 und 2022-2025 festgelegt wurden.

Juristisch gesehen, sind die Berufungsverahren in §98, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster des Universitätsgesetzes 2002 (Berufungsverfahren für Universitätsprofessor_innen), §99, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster und §99a , öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster(Abgekürzte Berufungsverfahren für Universitätsprofessor_innen) geregelt und durch die beiden universitätsspezifischen Satzungsteile „Berufungsverfahren, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster“ und „Erläuterungen zum Satzungsteil Berufungsverfahren, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster" der TU Wien (beide gültig ab 01.10.2017) näher erläutert.

Eine zentrale Rolle bei allen Berufungen spielen die BERUFUNGSKOMMISSIONEN, die bei Professuren, die unbefristet oder für länger als fünf Jahre besetzt werden soll, eingesetzt werden. Sie bestehen jeweils aus Vertreter_innen der Personengruppen "Universitätsprofessor_innen", "wissenschaftliche Mitarbeiter_innen" und "Studierenden" und werden vom Senat der TU Wien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster auf Vorschlag der Fakultäten, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster eingesetzt. Dekan_innen, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster und Studiendekan_innen können ebenfalls an den Sitzungen der Berufungskommission als Auskunftspersonen teilnehmen, wie auch Vertreter_innen des Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (AKG), öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, die mit beratender Stimme teilnehmen.

Dauer und Phasen eines Berufungsverfahrens

Die DAUER eines Berufungsverfahrens kann natürlich aus den verschiedensten Gründen variieren. Angestrebt wird jedoch, dass Berufungsverfahren innerhalb eines Jahres nach Ausschreibungsdeadline beendet sind, d.h. auch die Berufungsverhandlungen abgeschlossen sind (außer es handelt sich um abgekürzte Verfahren, die naturgemäß kürzer sind).

Die grundsätzlichen fünf PHASEN eines BERUFUNGSVERFAHRENS sind wie folgt und dauern im Schnitt jeweils zwischen 2-4 Monate:

Der Startschuss jeder Ausschreibung einer Professur beginnt mit der EINLEITUNG des Verfahrens. Die Einleitung selbst, d.h. die Übermittlung eines Ausschreibungstextes und weiterer grundlegenden Informationen zur Ausschreibung, wird im Rektorat beschlossen und kann zweierlei bewirken:

Bei verkürzten Verfahren wie z.B. nach §99(4) bewirkt die Zustimmung von Seiten des Rektorats, dass die Ausschreibung starten kann.

Bei §98 Verfahren bewirkt die Einleitung des Verfahrens, dass ein SONDIERUNGSAUSSCHUSS eingesetzt wird. Mit dessen Hilfe soll die Bewerber_innenlage für die kommende Ausschreibung analysiert bzw. "sondiert" werden und eine Liste von potentiellen Kandidat_innen für die genannte Professur erstellt werden. Zudem soll grundsätzlich die Aktualität und Zukunftsfähigkeit des geplanten Ausschreibungsgebietes abgesteckt werden. Am Ende seiner Tätigkeit - spätestens zwei Monate nach dessen Einsetzen - übermittelt der Sondierungsausschuss dem Rektorat einen Abschlussbericht. Damit ist die Sondierungsphase beendet.

Alles rund um die Ausschreibung

Die Ausschreibug für die neu zu besetzende Professur wird durch das Rektorat - unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Sondierungsausschusses bei §98 Professuren  - in Abstimmung mit dem_r zuständigen Dekan_in veranlasst und im Mitteilungsblatt, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster sowie im Karriereportal, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster der TU Wien veröffentlicht. Zusätzlich muss bei §98 Professuren auch national und international öffentlich ausgeschrieben werden. Im Ausschreibungstext stehen alle Informationen zum besetzenden Fach (dazu gibt es deutsche und englische Ausschreibungsvorlagen für §98 oder §99(4) Professuren [unter: Interne Dokumente, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster]). Die Ausschreibung ist typischerweise für etwa 6-8 Wochen offen, außer bei verkürzten Verfahren: hier sind es (mindestens) 3 Wochen.

WICHTIG: Es wird empfohlen, dass die verschiedenen Maßnahmen gemäß der Richtlinie zum Entfall der Wiederholung der Ausschreibung, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster des AKG zeitgleich mit der Veröffentlichung der Ausschreibung entsprechend dem Formblatt des AKG für Professuren, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster umgesetzt werden.

Anschließende erste Sitzungen der Berufungskommissionen (BK bzw. BEKO)

Nach Ende der Ausschreibungsfrist beginnt nun die jeweilige BERUFUNGSKOMMISSION zu arbeiten und hat ihre konstituierende Sitzung um u.a. den Vorsitz der Berufungskommission zu wählen und dann (meist) anschließend die erste Sitzung, um die Bewerbungen zu sichten (Überprüfung bzw. Erfüllung der formalen Anforderungen) und einen Zeitplan zu erstellen.
Bewerbungen, die den formalen Vorraussetzungen nicht entsprechen werden in dieser ersten Sitzung aussondiert und eine Liste der Kandidat_innen erstellt, über die Gutachten eingeholt werden. Zudem werden etwaige Befangenheiten („Befangenheiten – Kriterien zum Ausschluß von Befangenheiten, öffnet eine Datei in einem neuen Fenster“/“Criteria for exclusion of partiality, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster“) sowohl von Gutachter_innen als auch den Mitgliedern der Berufungskommission überprüft, um feststellen zu können, ob alle Personen weiterhin am Prozess teilnehmen können (siehe auch "Umgang mit Befangenheiten" unter Leitlinien und Qualitätssicherung, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster).

Einholung der Gutachten und zweite Sitzung der BK

Ziel ist es in dieser Phase des Berufungsverfahrens mit Hilfe von (meist externen) Gutachten eine Liste der Bewerber_innen zu erstellen, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen und didaktischen Eignung sehr geeignet für die ausgeschriebene Professur erscheinen. Der Blick von außen stellt hier einen unabhängigen und wichtigen Input dar und wird in der (meist 2.) Sitzung, die nach der Gutachteneinholung stattfindet, diskutiert. Letztendlich erfolgt durch den Input der Gutachten eine weitere Reduzierung und Einengung des potentiellen Bewerber_innenfeldes, wobei betont werden soll, dass Bewerber_innen, von denen Gutachten eingeholt werden, die erste Hürde (Ausscheiden aufgrund formaler Gründe) bei der Selektion der Bewerbungen genommen haben.

Für die Erstellung der Gutachten wird den Gutachter_innen genügend Zeit gegeben und daher kann diese Phase bis zu 4 Monate dauern.

WICHTIG: Bei §99(4) Professuren endet nach Erhalt der Gutachten und der darauf folgenden Sitzung das Berufungsverfahren, denn die in dieser Sitzung erstellte Liste der am besten geeignetsten Bewerber_innen ist gleich dem Besetzungsvorschlag.

Auswahl der Gutachter_innen

Die dafür notwendigen nach internationalen Standards ausgewiesenen GUTACHTER_INNEN (mindestens zwei, besser drei) sind beim §98 Verfahren von den Universitätsprofessor_innen des Senats auf Vorschlag der Universitätsprofessor_innen der relevanten Fakultät bestellt worden, wobei gilt, dass eine/r der Gutachter_innen von extern sein MUSS (d.h. NICHT an der TU Wien beschäftigt ist).
Bei §99(4) Verfahren erfolgt die Wahl der Gutachter_innen anders: hier schlägt die Berufungskommission dem_der Rektor_in potentielle Gutachter_innen vor und der_die Rektor_in wählt die best geeignetesten Gutachter_innen aus dieser Liste aus.

Abhaltung von Hearings, letzte Sitzung der BK inkl. Erstellung des Besetzungsvorschlags

Zu Hearings eingeladen zu werden, ist eine erste Auszeichnung für Bewerber_innen. Meist sind dies - abhängig von der ursprünglichen Liste der Bewerber_innen - 5-6 Personen. Zur Vorbereitung der Hearings wird den Bewerber_innen genügend Zeit gegeben und aus diesem Grund dauert diese Phase in etwa 2-3 Monate.
Nach den „Hearings“ erstellt die Berufungskommission als letzten Arbeitsschritt ihrer Tätigkeit in ihrer letzten gemeinsamen Sitzung einen begründeten Besetzungsvorschlag ("Dreier-Vorschlag"), der an den_die Dekan_in übermittelt wird. 

WICHTIG: Hearings sind nur bei §98 Professuren, jedoch nicht bei abgekürzten Verfahren notwendig. 

Die Hearings

Die Hearings bestehen aus BERUFUNGSVORTRÄGEN und anschließenden INTERVIEWS:
- Die BERUFUNGSVORTRÄGE wiederum bestehen prinzipiell aus zwei Teilen, einerseits einer Lehrprobe über ein vorgegebenes Thema, um die didaktischen Fähigkeiten zu erkennen (hierzu sind speziell die Studierenden eingebunden) und andererseits einem wissenschaftlichen Vortrag zu einem von den Bewerber_innen selbst gewählten Thema. 
- Bei den anschließenden nicht-öffentlichen INTERVIEWS werden administrative und fakultätsbezogene Fragen erörtert und dem Bewerber_in die Chance gegeben seine/ihre Motivation und Ziele noch fundierter darzustellen. Zudem hat der_die Bewerber_in die Möglichkeit die TU Wien und seine/ihre neuen Kolleg_innen kennenlernen zu können.

Dem_der Dekan_in obliegt nun eine Stellungnahme zu den von der Berufungskommission erhaltenen Besetzungsvorschlag zu schreiben. Die Stellungnahme und alle anderen relevanten Unterlagen (Protokolle, Abschlussbericht, Besetzungsvorschlag etc.) sendet er an die Rektorin.

Nach Erhalt aller relevanten Unterlagen beginnt die Rektorin mit der Berufungsverhandlung, wobei diese alles rund um den Arbeitsplatz selbst (Ausstattung, Sachmittel, Übertragung von Forschungsprojekten, Personal, Gehalt), aber auch familiärbezogene Fragestellungen wie Stellensuche für den Partner/die Partnerin und geeignete Schulen/Kindergärten (Dual Career Advice, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster), sowie die Übernahme der Umzugskosten, Unterstützung bei der Wohnungssuche und anderen administrativen Sachen beinhalten kann.

Mit dem Ende der Berufungsverhandlung endet auch offiziell das Berufungsverfahren.

Waren die Berufungsverhandlungen erfolgreich und wurde ein Arbeitsvertrag unterschrieben, erfolgt letztendlich der DIENSTANTRITT des_r zukünftigen Professor_in (siehe auch "Neue Professor_innen 2019, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster "). Für neue Professor_innen an der TU Wien gibt es ab dem Jahr 2020 eine Reihe von Welcome-Aktivitäten.