Caroline Jäger-Klein

Titel

Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.

Geburtsjahr und -ort

1966 in München

Studium/Studienrichtung

Architektur an der TU Wien mit Austauschsemester an der University of Michigan, Ann Arbor, USA

Interviewdatum

8. Januar 2015

Es sind mehrere Forschungsschwerpunkte:
1. Österreichische Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts: insbesondere der Schulbau des 20. Jahrhunderts, Strandbäder und Wochenendkolonien an der Donau, die modernen Krankenhäuser und Irrenanstalten der k.k. Monarchie (demnächst erscheint die große Monografie über den Steinhof) und die Bautechnik der Gründerzeit
Zum Schulbau in Österreich verfasste ich zwei Studien, 1996 und 2012 im Auftrag des Unterrichtsministeriums. Die erste Studie und im selben Jahr die Einträge über österreichische Architekten des 20. Jahrhunderts im Österreich-Lexikon brachten mich intensiver an die österreichische Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, über die ich mich 2006 habilitierte, und die auch Gegenstand meiner Hauptvorlesung an der TU Wien ist.
2. Erforschung der traditionellen Architektur in Saudi Arabien: Ich habe die wissenschaftliche Leitung eines Forschungsprojektes zur Dokumentation der traditionellen profanen Architektur im Westen Saudi Arabiens (Hedjas) inne, das von 2011-2014 durch das saudi-arabische Hochschulministerium finanziert wurde. Der größte Erfolg dieses Forschungsprojektes war bisher, dass die Altstadt von Jeddah 2014 unter anderem durch unsere Bauforschung am Al-Nawar Haus seitens der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Nun geht es darum, dass mit unserem Spezialwissen über die Altstadterhaltung das historische Bauensemble des „Hafens von Mekka“ einer sinnvollen Adaptierung und Neunutzung zugeführt wird, so wie dies in Österreich Standard ist. Ich hoffe mit meinem Team auf weiterführende Involvierung seitens der saudi-arabischen Denkmalpflegeinstitutionen, die sich gerade erst konstituieren.
3. Inventarisation des architektonisch wertvollen Baubestandes des Kosovo: Seit beinahe zehn Jahren unterrichte ich Architekturgeschichte und Denkmalpflege an der University of Business and Technology (UBT) in Prishtina im Kosovo. Mittlerweile ist die UBT die größte Technische Hochschule des Kosovo und operiert auf bestem, internationalen Standard. Daher habe ich dort letztes Jahr ein Lehr- und Forschungsprogramm zur Inventarisation des architektonisch wertvollen Baubestandes gestartet und eine ICOMOS-Gruppe Kosovo gegründet. ICOMOS ist die Expertengruppe der UNESCO zur Überwachung des nationalen Kulturerbes.

Antrieb war immer die Neugier, wie zu Hause und anderswo gebaut wird und vor allem in der Vergangenheit gebaut wurde. Vor allem mein Kollege am Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege, der Professor für außereuropäische Baukunst Dr. Erich Lehner, hat zu dieser Neugier beigetragen, und die freundschaftlichen Gespräche schon als Student zu den diversen Lehr- und Forschungsschwerpunkten geführt.

Nur insofern, als ich als Mann wie mein Vater Bauingenieurswesen, und nicht Architektur studiert hätte. Selbst in den sehr patriarchalisch geführten Gesellschaften Saudi-Arabiens und des Kosovo ist es kein Problem, als Frau Lehr- und Forschungstätigkeiten durchzuführen – ganz im Gegenteil.  

Durch die nur 20-stündige Anstellung als Universitätsassistentin war die zeitliche Vereinbarkeit kein Problem, aber ein umso größerer finanzieller Nachteil. Schlimm ist, dass es selbst durch die Habilitation kein Entrinnen mehr aus dem „halben“ Anstellungsvertrag an der TU Wien gibt. Das ist schon eine arge Diskriminierung, die vor allem Frauen betrifft. Was in jungen Jahren zur Kindererziehung hilfreich war, entpuppt sich spät als Bumerang.