Astrid Weiss

Titel

Dr.

Academic age

13 Jahre

Studium/Studienrichtung

Soziologie / Empirische Sozialforschung und angewandte Statistik

Doktoratsstudium: Mensch-Computer-Interaktion / Mensch-Roboter-Interaktion

Interviewdatum

30. Januar 2019

Mein Forschungsschwerpunt liegt in der Mensch-Roboter-Interaktion. Dazu bin ich eher zufällig gekommen – es war nicht von langer Hand linear geplant. Ich hatte damals in der Forschungsgruppe für Mensch-Computer-Interaktion an der Universität Salzburg ein Praktikum abgeschlossen (zum Thema „Interaktives Fernsehen“), als ein neues EU-Projekt gestartet hatte zum Thema: Soziale Akzeptanz von humanoiden Robotern. Der leitende Professor fragte mich, ob das für eine Soziologin nicht spannend wäre. Es war so spannend, dass ich bei der Thematik geblieben bin.

 

 

Zu Beginn sicherlich, dass ich in einem Akademikerhaushalt aufgewachsen bin. Meine Eltern waren beide Universitätsprofessoren für Germanistik, meine Brüder beide promovierte Molekularbiologen. Als ich als Nachzüglerin schließlich meine Universitätsassistentinnen-Stelle angetreten habe, wollten mir alle Familienmitglieder von der akademischen Laufbahn abraten, da sich die Arbeitsbedingungen an den Universitäten so verschlechtert hätten; Publikationsdruck, Drittmittelfinanzierung, kaum permanente Stellen etc. Allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt schon von der Forschung als Beruf so angetan, dass ich mir nichts anderes mehr vorstellen wollte. Dazu hat auch maßgeblich meine Assistenzprofessorin Regina Bernhaupt, die damals mein Doktorat begleitet hat, beigetragen. Sie war definitiv eine Art Role-Model für mich. Ein prägendes Ereignis war unter anderem als ich heulend an ihrem Küchentisch gesessen bin und meinte, dass ich dieses Doktorat nie hinkriegen werde und sie nur meinte: ‚An diesen Punkt kommt jeder irgendwann und es ist ein Zeichen dass du näher vor dem Abschluss stehst als du glaubst.‘. Wichtig war auch meine Hostprofessorin Vanessa Evers, als ich an der Universität Amsterdam mein Sabbatical machte. Sie hat mir vorgelebt wie chaotisch aber machbar Professur plus kleine Kinder ist. Und sie war es auch, die mir damals gesagt hat: ‘Don’t work too much in everyday business, otherwise you have no resources left, when you really need them’ - ein Ratschlag, den ich mittlerweile nur zu gerne weiter gebe.

Mein letzten beiden Anstellungen waren durch die FWF Frauenförderstipendien Hertha-Firnberg und Elise-Richter finanziert; allein dadurch lässt sich die erste Frage eindeutig mit „ja“ beantworten. Allerdings wurde mir auch bewusst, dass diese Art der Frauenförderung zum Teil von männlichen Kollegen als o.T. „unfair“ in einem hochkomeptitiven Stellenmarkt empfunden werden. Andererseits wurde mir auch in den beiden Fällen, in denen ich eine Unistelle bekommen hatte (also nicht Drittmittel finanziert war) nachgesagt, dass ich diese Posten wegen der Quotenregelung erhalten hätte. Ein schwieriges Terrain…Weiters fällt mir auf, dass ich als „Quotenfrau“ zu vielen Meetings, Projektkonsortien, Panels u.Ä. geladen werde, auch ein Aspekt der seine Vor-und Nachteile hat.

 

Die Flexibilität, die der Beruf mit sich bringt ist definitiv ein Plus; dass es jedoch kaum möglich ist ab Professorenlevel einen Vertrag mit weniger als 40 Stunden zu haben, ein Minus. Work-life Balance ist eine Herausforderung in einem Beruf, den man vorrangig aus intrinsischer Motivation heraus betreibt, in dem man theoretisch beliebig viel arbeiten kann und, der darüber hinaus hochkompetitiv ist. Sobald Kinder da sind, sind vor allem die häufigen Dienstreisen (Konferenzen, Projektmeetings etc.) schwierig zu vereinbaren, vor allem weil Projektmittel selten Kinderbetreuung am Meetingort inkludieren. In diesem Aspekt gibt es z.B; in den USA und Kanada sehr fortschrittliche Frauenförderungsprogramme (Transitional Support Program (TSP)).

Weil ich es oft von Doktorandinnen gefragt werde: Wann ist in der akademischen Laufbahn der richtige Zeitpunkt für Kinder? Dazu kann ich nur sagen: einen „guten“ Zeitpunkt gibt es nicht, ich selbst hätte fast zu lange gewartet…diese Entscheidung sollte Frau unabhängig von der akademischen Welt treffen. Oder anders ausgedrückt mit den Worten meiner Amsterdamer Professorin: “When you want to have kids, go home now and tell it your man, not me”.