Dipl.-Ing. Dorothea Heiss-Czedik-Eysenberg

Geburtsjahr und -ort

1963, Wien

Studium/Studienrichtung

Technische Informatik mit Spezialisierung auf Artificial Intelligence

Aktuelle Position

Deputy Head of Business Unit
High Performance Image Processing
im Austrian Institute of Technology

Familienstand

verheiratet, 2 Kinder (1 Sohn, 1 Tochter) Beide studieren Technische Mathematik an der TU Wien

Interviewdatum

24. März 2015

Schon meine Mutter hat Mathematik und Physik studiert, daher gab es in unserer Familie (2 Söhne, 2 Töchter) keinerlei Vorurteile bezüglich mathematischer Begabung.
Ich weiß nicht genau warum, aber ich wollte immer schon Wissenschaftlerin werden – so wie andere Schauspielerin werden wollen. Ich freue mich, dass dieser Lebenswunsch sich erfüllt hat.
Mein ältester Bruder, der ebenfalls an der TU studiert hat (so wie übrigens auch mein Vater) hat mich sehr gefördert und mir z. B. Programmieren beigebracht als ich 12 Jahre alt war. (Wir besaßen 1975 übrigens keinen Computer!) Mein Mann hat mich auch immer ermutigt.
In meinem beruflichen Leben hatte ich leider keine weiblichen Role Models, aber ich habe immer das Gefühl gehabt, dass mir eine faire Chance gegeben wurde und wird.

In der Wissenschaft gibt es Herausforderungen, die so noch niemand auf der Welt gelöst hat. Wenn dann gemeinsam im Team eine Lösung gefunden wird, ist das natürlich ein Hochgefühl. Besonders freut mich auch, wenn es mir gelingt, dass so eine Lösung in einem Industriebetrieb zur praktischen Anwendung kommt. Dann kommt zusätzlich zur wissenschaftlichen Begeisterung noch ein zufriedenes Gefühl der Nützlichkeit hinzu. Was mir auch sehr wichtig ist: dass ich in meinem Beruf Ideen verwirklichen und selbständig handeln kann.
Ich habe übrigens das Vorurteil, dass Techniker besonders konstruktive und hilfsbereite Menschen sind, denen Macht und Konkurrenzdenken fremd ist. In so einem Umfeld macht Arbeiten erst richtig Spaß. 

Ich glaube, dass ich nicht eklatant benachteiligt wurde, allerdings auch sicher nicht bevorzugt. In Kleinigkeiten war es manchmal unangenehm: Ich bin in fast jedem Meeting die einzige Frau. Wie ich jünger war, habe ich mich manchmal über dumme Bemerkungen geärgert („Oijeh, jetzt dürfen wir keine unanständigen Witze mehr erzählen“ – so als ob ich die Spielverderberin wäre. So eine Bemerkung ist ausschließend und im Grunde nur primitiv). Mittlerweile merke ich, dass die nachkommende Männergeneration viel weiter ist und kaum einen Unterschied macht, ob sie einer Frau oder einem Mann gegenüber sitzen und das finde ich sehr angenehm.

Als meine Kinder klein waren, war die Vereinbarkeit schwierig. Mein Mann war beruflich sehr engagiert. Ich habe insgesamt vier Jahre pausiert, allerdings in dieser Zeit viel Fachliches gelesen. Danach habe ich in Teilzeit gearbeitet und meine Mutter und meine Schwiegermutter haben mich sehr unterstützt. Interessanterweise hat mir die Teilzeit-Beschäftigung bei meiner Karriere nicht geschadet. Ich habe immer eine Projektleiter- oder Gruppenleiterposition gehabt. 

Trauen Sie sich - in beiden Bedeutungen des Wortes. Also: Haben Sie Mut, Dinge einfach zu probieren und vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeiten.