Ablauf eines Berufungsverfahrens

Grundlagen des Berufungsverfahrens

Grundsätzlich werden allen geplanten Professuren in einem internen Prozess im ENTWICKLUNGSPLAN einer Universität festgelegt bzw. „gewidmet“. Für die TU Wien gilt momentan der „Entwicklungsplan 2025 (2. Fassung) der Technischen Universität Wien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster“, in dem die geplanten Professuren für die Jahre 2021-2024 und 2025-2028 festgelegt wurden.

Juristisch gesehen, sind die Berufungsverfahren in §98, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster des Universitätsgesetzes 2002 (Berufungsverfahren für Universitätsprofessor_innen) und §99, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster bzw. §99a , öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster(Abgekürzte Berufungsverfahren für Universitätsprofessor_innen) grundsätzlich geregelt und durch den universitätsspezifischen Satzungsteil „Berufungsverfahren, öffnet eine Datei in einem neuen Fenster“ ausformuliert bzw. dessen„Erläuterungen zum Satzungsteil Berufungsverfahren, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster" näher erklärt.

Eine zentrale Rolle bei allen Berufungen spielen die BERUFUNGSKOMMISSIONEN, die bei Professuren, die unbefristet besetzt werden sollen, eingesetzt werden. Sie bestehen jeweils aus Vertreter_innen der Personengruppen "Universitätsprofessor_innen", "wissenschaftliche Mitarbeiter_innen" und "Studierenden" und werden vom Senat der TU Wien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster auf Vorschlag der Fakultäten, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster eingesetzt. Dekan_innen, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster und Studiendekan_innen nehmen ebenfalls an den Sitzungen der Berufungskommission als Auskunftspersonen teil, wie auch Vertreter_innen des Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (AKG), öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, die mit beratender Stimme teilnehmen.

Dauer und Phasen eines Berufungsverfahrens

Die DAUER eines Berufungsverfahrens kann natürlich aus den verschiedensten Gründen variieren. Angestrebt wird jedoch, dass Berufungsverfahren innerhalb eines Jahres nach der Bewrebungsfrist beendet sind, d.h. auch die Berufungsverhandlungen abgeschlossen sind (außer es handelt sich um abgekürzte Verfahren, die naturgemäß kürzer sind).

Die Tätigkeit der BERUFUNGSKOMMISSIONEN erstreckt sich dabei in der Regel über 6-8 Monate (mindestens drei Sitzungen neben der konstituierenden Sitzung), bei abgekürzten Verfahren über etwa 3-4 Monate (mindestens zwei Sitzungen neben der konstituierenden Sitzung) und beginnt in Phase 2, der Ausschreibungsphase, nach Ende der Bewerbungsfrist.

Die grundsätzlichen fünf PHASEN eines BERUFUNGSVERFAHRENS sind wie folgt und dauern im Schnitt jeweils zwischen 2-4 Monate:

Der Startschuss jeder Ausschreibung einer Professur beginnt mit der EINLEITUNG des Verfahrens. Die Einleitung selbst, d.h. die Übermittlung eines ersten Entwurfs des Ausschreibungstextes und weiterer grundlegenden Informationen zur zu besetzenden Professur, wird im Rektorat beschlossen und führt in Abhängigkeit vom Verfahren zu folgenden weiteren Schritten:

Bei verkürzten Verfahren wie z.B. nach §99(4) bewirkt die Zustimmung zur Einleitung des Verfahrens und die Genehmigung des Ausschreibungstextes von Seiten des Rektorats, dass die Ausschreibung starten kann (siehe Phase 2).

Bei §98 Verfahren bewirkt die Einleitung des Verfahrens, dass ein SONDIERUNGSAUSSCHUSS eingesetzt wird. Mit dessen Hilfe soll die Bewerber_innenlage für die kommende Ausschreibung analysiert bzw. "sondiert" werden und eine Liste von potentiellen Kandidat_innen für die genannte Professur erstellt werden. Darüber hinaus soll grundsätzlich die Aktualität und Zukunftsfähigkeit des geplanten Ausschreibungsgebietes überprüft werden. Am Ende seiner Tätigkeit - spätestens zwei Monate nach dessen Einsetzen - übermittelt der Sondierungsausschuss dem Rektorat einen Abschlussbericht. Damit ist die Sondierungsphase beendet.

Alles rund um die Ausschreibung

Die Ausschreibung für die neu zu besetzende Professur wird nun durch das Rektorat - bei §98 Professuren unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Sondierungsausschusses  - in Abstimmung mit dem_der zuständigen Dekan_in veranlasst und im Mitteilungsblatt, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster sowie im Karriereportal, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster der TU Wien veröffentlicht. Zusätzlich muss bei §98 Professuren auch national und international öffentlich ausgeschrieben werden. Im Ausschreibungstext stehen alle Informationen zum besetzenden Fach (dazu gibt es deutsche und englische Ausschreibungsvorlagen für §98 oder §99(4) Professuren [unter: Interne Dokumente, öffnet in einem neuen Fenster]). Die Ausschreibung ist typischerweise für etwa 6-8 Wochen offen, außer bei verkürzten Verfahren: hier sind es (mindestens) 3 Wochen.

WICHTIG: Es wird empfohlen, dass die verschiedenen Maßnahmen gemäß der Richtlinie zum Entfall der Wiederholung der Ausschreibung, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster des AKG zeitgleich mit der Veröffentlichung der Ausschreibung entsprechend dem Formblatt des AKG zum Entfall der Wiederholung der Ausschreibung, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster umgesetzt werden.

Anschließende erste Sitzungen der Berufungskommissionen (BK)

Nach Ende der Bewerbungsfrist beginnt nun die jeweilige BERUFUNGSKOMMISSION zu arbeiten und hat ihre konstituierende Sitzung um u.a. den Vorsitz der Berufungskommission zu wählen und dann (meist) anschließend die erste Sitzung, um die Bewerbungen zu sichten (Überprüfung bzw. Erfüllung der formalen Anforderungen) und einen Zeitplan zu erstellen.
Bewerbungen, die die Ausschreibungskriterien offensichtlich nicht erfüllen (u.a. aus formalen Gründen) werden in dieser ersten Sitzung aussondiert und eine Liste der Kandidat_innen erstellt, über die Gutachten eingeholt werden. Zudem werden etwaige Befangenheiten („Befangenheiten – Kriterien zum Ausschluß von Befangenheiten, öffnet eine Datei in einem neuen Fenster“/“Criteria for exclusion of partiality, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster“) sowohl von Gutachter_innen als auch den Mitgliedern der Berufungskommission überprüft, um feststellen zu können, ob alle Personen weiterhin am Prozess teilnehmen können (siehe auch "Umgang mit Befangenheiten" unter Leitlinien und Qualitätssicherung, öffnet in einem neuen Fenster).

Einholung der Gutachten und zweite Sitzung der BK

Ziel ist es in dieser Phase des Berufungsverfahrens mit Hilfe von (meist externen) Gutachten eine erste Reihung der Bewerber_innen vorzunehmen, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen und didaktischen Eignung sehr geeignet für die ausgeschriebene Professur erscheinen. Der Blick von außen stellt hier einen unabhängigen und wichtigen Input dar und wird in der (meist 2.) Sitzung, die nach der Gutachteneinholung stattfindet, diskutiert. Da für die Erstellung der Gutachten den Gutachter_innen genügend Zeit gegeben wird, kann diese Phase bis zu 4 Monate dauern.

WICHTIG: Bei §99(4) Professuren endet nach Erhalt der Gutachten und der darauf folgenden Sitzung das Berufungsverfahren, denn die in dieser Sitzung erstellte Liste der am besten geeignetsten Bewerber_innen entspricht dem Besetzungsvorschlag.

Auswahl der Gutachter_innen

Die dafür notwendigen nach internationalen Standards ausgewiesenen GUTACHTER_INNEN (mindestens zwei, besser drei) werden beim §98 Verfahren von den Universitätsprofessor_innen des Senats auf Vorschlag der Universitätsprofessor_innen der relevanten Fakultät bestellt worden, wobei gilt, dass eine/r der Gutachter_innen von extern sein MUSS (d.h. NICHT an der TU Wien beschäftigt ist).
Bei §99(4) Verfahren erfolgt die Bestellung der Gutachter_innen anders. Hier schlägt die Berufungskommission dem_der Rektor_in potentielle Gutachter_innen vor und der_die Rektor_in wählt die mindestens zwei Gutachter_innen, davon ein_en aus extern, aus dieser Liste aus.

Abhaltung von Hearings, letzte Sitzung der BK inkl. Erstellung des Besetzungsvorschlags

Zu Hearings eingeladen zu werden, ist eine erste Auszeichnung für Bewerber_innen. Meist werden - abhängig von der ursprünglichen Anzahl der Bewerber_innen - 5-6 Personen eingeladen. Da zur Vorbereitung der Hearings den Bewerber_innen genügend Zeit gegeben wir, dauert aus diesem Grund diese Phase in etwa 2-3 Monate.

WICHTIG: Zu den Hearings müssen alle Bewerberinnen, die die Ausschreibungskriterien erfüllen, eingeladen werden. In besonders berücksichtigungswürdigen Fällen (z.B. ungewöhnlich große Anzahl an Bewerber_innen) kann mit schriftlichem Einverständnis des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen die Anzahl der einzuladenden Bewerberinnen reduziert werden. 

Nach den „Hearings“ erstellt die Berufungskommission als letzten Arbeitsschritt ihrer Tätigkeit in ihrer letzten gemeinsamen Sitzung einen begründeten Besetzungsvorschlag ("Dreier-Vorschlag"), der an den_die Dekan_in übermittelt wird. 

Die Hearings

Die Hearings bestehen aus BERUFUNGSVORTRÄGEN und anschließenden INTERVIEWS:
- Die BERUFUNGSVORTRÄGE wiederum bestehen prinzipiell aus zwei Teilen, einerseits einer Lehrprobe über ein vorgegebenes Thema, um die didaktischen Fähigkeiten zu überprüfen (hierzu kommt den Studierenden eine besondere Rolle zu) und andererseits einem wissenschaftlichen Vortrag zu einem von den Bewerber_innen selbst gewählten Thema. 
- Bei den anschließenden nicht-öffentlichen INTERVIEWS werden administrative und fakultätsbezogene Fragen erörtert und dem_der Bewerber_in die Chance gegeben seine/ihre Motivation und Ziele noch fundierter darzustellen. Zudem hat der_die Bewerber_in die Möglichkeit die TU Wien und seine/ihre neuen Kolleg_innen kennenzulernen .

Dem_der Dekan_in obliegt nun eine Stellungnahme zu dem von der Berufungskommission erhaltenen Besetzungsvorschlag zu schreiben. Die Stellungnahme und alle anderen relevanten Unterlagen (Protokolle, Abschlussbericht, Besetzungsvorschlag etc.) sendet er/sie an den_die Rektor_in. Nach Erhalt aller relevanten Unterlagen und einer Formalüberprüfung entscheidet der_die Rektor_in über die Annahme des Vorschlages der BK und die Aufnahme von Berufungsverhandlung. Diese Entscheidung teilt er_sie dem Betriebsrat und dem AKG mit.

Erfolgt von diesen Seiten kein Einspruch über die Entscheidung, beginnt die Berufungsverhandlung, wobei diese alles rund um den Arbeitsplatz selbst (Ausstattung, Sachmittel, Übertragung von Forschungsprojekten, Personal, Gehalt), aber auch familienbezogene Fragestellungen wie Stellensuche für den Partner/die Partnerin und geeignete Schulen/Kindergärten (Dual Career Advice, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster), sowie die Übernahme der Umzugskosten, Unterstützung bei der Wohnungssuche und anderen administrativen Sachen beinhalten kann.

Die Berufungsverhandlung endet mit der Annahme des Berufungsangebotes und der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags. Damit endet auch offiziell das Berufungsverfahren.

Waren die Berufungsverhandlungen erfolgreich und wurde ein Arbeitsvertrag unterschrieben, erfolgt letztendlich der DIENSTANTRITT des_r zukünftigen Professor_in (siehe auch "Neue Professor_innen, öffnet in einem neuen Fenster "). Für neue Professor_innen an der TU Wien gibt es seit dem Jahr 2020 eine Reihe von Welcome-Aktivitäten (siehe auch unter "Welcome Center, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster").