Entstehungskontext der Kampagne „Be excellent to each other“

Im Oktober 2025 veröffentlichten wir unsere lange vorbereitete Kampagne „Be excellent to each other“, die Bewusstsein für Sexismus und sexuelle Belästigung im Universitätskontext schafft. Der Weg dorthin erforderte einiges an Ausdauer und war nicht immer leicht. Doch geschützt zu sein vor Diskriminierung, Herabwürdigung und Belästigung und Übergriffen ist ein Menschenrecht und Teil der Arbeitssicherheit und daher unabdingbar auch für die TUW.

Als ich 2022 an die TUW kam und begann mich im Zuge der UniSAFE Studie mit dem Thema sexuelle Belästigung im Hochschul- und Forschungsraum zu beschäftigten, hieß es noch, dass man darüber an der TUW nicht reden könne. Die Reaktionen auf meine Vorschläge dieses Thema anzugehen, waren auf allen Ebenen verhalten und von Widerständen geprägt. Das ist in der Gleichstellungsarbeit per se nichts Ungewöhnliches. Wir sind es durchaus gewohnt, durchzuhalten, dranzubleiben, Widerstände auszuhalten und so gut es geht, ins Gespräch zu kommen, um diese zu überwinden. Es war jedoch deutlich spürbar, dass die Widerstände zu diesem Thema aggressiver und auch persönlich angriffiger waren. Den einen ist nichts woke, radikal, inklusiv und durchgreifend genug, was man tut, den anderen ist das Thema sowieso unangenehm, wieder andere glauben, das wäre heutzutage alles kein Problem mehr oder wäre nie eines gewesen – schon gar nicht an Universitäten, die vermeintlich von Vernunft und Rationalität geprägt sind. Wieder andere (meist Männer) fühlen sich so bedroht von diesem Thema, dass sie ausfallend werden und sich aktiv gegen entsprechende Maßnahmen einsetzen. Und so machte ich, speziell in meiner zu jener Zeit neuen Rolle als interimistische Leiterin, damals noch der Abteilung Genderkompetenz, die Erfahrung, dass man mit diesem Thema gegen Wände rennt. Dessen ungeachtet beauftragte die damalige Vizerektorin Anna Steiger nach einigen Gesprächen eine abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe, die ab Ende 2022 für neun Monate die Arbeit aufnahm und einen Handlungsleitfaden für den Umgang mit Sexismus und sexueller Belästigung erarbeitete. Es  bedurfte einer tiefgreifende Auseinandersetzung mit gesetzlichen Bestimmungen, internen Regelwerken, vorhandenen Strukturen und Zuständigkeiten, ungleichen Verständnissen und Definitionen von Begrifflichkeiten, um dieses Dokument zu schreiben. Damit war ein Rahmendokument geschaffen, das über die Betriebsvereinbarung „Partnerschaftliches Verhalten“ hinaus ging und Definitionen, Auswirkungen auf die betroffenen Personen, Anlaufstellen, konkrete Handlungsempfehlungen sowie Informationen über rechtliche Konsequenzen zur Verfügung stellt.

Als wir im Anschluss an die Veröffentlichung des Handlungsleitfadens gemeinsam mit dem damaligen Rektorat und den Dekan_innen nach dem Vorbild der Schweizer Hochschulen und ihres Sexual Harassment Awareness Days, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, Videos drehen wollten, wurden Gegenstimmen laut. Daraufhin wurde dem Projekt trotz einiger bereits abgeschlossener Drehs ein Ende gesetzt. Begründet wurde dies mit dem Argument, dass man Frauen an der TUW mit solchen Videos Angst mache und das Haus sofort mit Übergriffen assoziiert würde. Mittlerweile war es fast Ende 2023 und in Österreich wie auch auf EU-Ebene zeigte sich, dass das Thema geschlechterbasierte Gewalt, zu der auch sexuelle Belästigung gehört, an Bedeutung gewann. Das geschah einerseits, weil die Prävalenz gestiegen war bzw. zum ersten Mal europaweit erhoben wurde (UniSAFE, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster) und andererseits, weil geopolitische Entwicklungen zeigten, dass der gefürchtete Backlash und damit Misogynie auf dem Vormarsch waren und zugleich neue technologische Entwicklungen neue Möglichkeiten des Missbrauchs und der Belästigung eröffneten. Sowohl im ERA-NAP, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, dem aus dem Europäischen Rahmen für Forschung abgeleiteten Nationalen Umsetzungsplan Österreichs, als auch im Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster wird das Thema adressiert. Auch Fälle an der TU Wien zeigten die Notwendigkeit von transparenten und klaren Meldeverfahren und Anlaufstellen immer deutlicher. Die Ombudsstelle für Studierende der TUW wurde ins Leben gerufen und nahm sich neben dem AKG der Verantwortung als Anlaufstelle für betroffene Studierende an.

Neue Impulse & Strukturaufbau: Maßnahmen ab dem Rektoratswechsel 2023

Mit dem neuen Rektorat kamen ab Oktober 2023 neue Möglichkeiten. Die beiden Juristinnen Ute Koch und Jasmin Gründling-Riener, die in der Arbeitsgruppe zum Handlungsleitfaden im Umgang mit Sexismus und sexueller Belästigung mitgearbeitet hatten, wurden nun Vizerektorinnen. Diese Entwicklung brachte für das Verständnis der Wichtigkeit des Themas sexuelle Belästigung große Vorteile mit sich. Wir begannen in regelmäßigen Abständen Schulungen für Vertrauenspersonen mit Yara Hofbauer anzubieten. Zudem bauten wir die Implementierung des E-Learnings zu sexueller Belästigung weiter aus, intensivierten unsere Teilnahme an der UN Women Kampagne „Orange the World“ gegen Gewalt an Frauen*, erarbeiteten in der AG „Geschlechterbasierte Gewalt“ der Genderplattform eine Vortragsreihe, die wir Rahmen von Orange the World gemeinsam mit anderen Universitäten umsetzen, und begannen unsere Inputs für die Orientierungslehrveranstaltungen der Erstsemestrigen an allen Fakultäten auf Sensibilisierung zum Thema Sexismus, sexuelle Belästigung und respektvoller Umgang auszuweiten.
 Gemeinsam mit Vizerektorin Ute Koch machten wir das Thema geschlechterbasierte Gewalt zu einem Schwerpunkt unserer Agenda im Gender Equality Office und planten eine vom WWTF geförderte Kampagne, die im Oktober 2025 veröffentlicht wurde und aus Sujets, Postern, Screens und Postkarten sowie einer Übersichtswebsite zum Thema, Kooperationen mit zwei Lehrveranstaltungen, einer Videokampagne mit wichtigen Entscheidungsträger_innen der TUW und einer Reihe an Veranstaltungen besteht.

Keynote & Podiumsdiskussion “Wie umgehen mit sexueller Belästigung im Hochschulkontext?”

Weil das Thema brennt und wir alle gemeinsam lernen müssen, wie wir mit sexueller Belästigung im Hochschulkontext umgehen, hat das Gender Equality Office am 22. April zur Veranstaltung „Wie umgehen mit sexueller Belästigung im Hochschulkontext?“ eingeladen. Zahlreiche Menschen sind dieser Einladung gefolgt und haben die Veranstaltung mit ihren Fragen und Impulsen mitgestaltet.

Generell lässt sich festhalten: Sexuelle Belästigung an Universitäten ist kein individuelles Problem Einzelner, sondern eine strukturelle Herausforderung, die aus den spezifischen Bedingungen des akademischen Betriebs erwächst. Hierarchische Abhängigkeitsverhältnisse sind Teil des Alltags. Hoher Leistungsdruck und befristete Verträge können die Machtgefälle in diesen Beziehungen verstärken; Bedingungen, unter denen Belästigung entstehen und fortbestehen kann. Universitäten haben die Verantwortung, Strukturen zu schaffen, die Belästigung verhindern und Betroffene wirksam schützen.

Wenn wir über niedrige Frauenquoten und hohen Drop Out von Frauen in der Technik, über Leaky Pipelines und ähnliches sprechen, muss uns immer bewusst sein, dass wir auch über Sexismus, Gender Harassment und sexuelle Belästigung sprechen. Dies sind Gründe, und zwar mehr als legitime Gründe, weshalb Frauen und TIN* Personen kein technisches Studium, keine technische Ausbildung oder keine Karriere in der Technik und/oder Wissenschaft (zu Ende) machen können oder machen wollen. Und falls noch jemand dem Irrglauben unterliegen sollte: Frauen und TIN* Personen müssen nicht härter im Nehmen oder gar weniger „empfindlich“ gegenüber verletzenden und demütigenden Sprüchen, Witzen, Handlungen oder Nicht-Handlungen werden, sich selbst einfach nur noch mehr optimieren und anpassen. Nein, die Strukturen, die Kultur innerhalb dieser Organisation müssen sich ändern und damit auch alle Mitglieder dieser Organisationen. Uns muss endlich klar werden und das hat Barbara Blaha sehr gut in Worte gefasst, dass nicht die Meldung eines Vorfalls eine Systemstörung darstellt und auch nicht die meldende Person das Problem ist, sondern, dass der Vorfall selbst die Systemstörung ist, die nachhaltig behoben werden muss.

Unser Ziel war ein vielschichtiger Dialog, der die Komplexität des Themas ernst nimmt und gleichzeitig nach praktikablen Wegen der Prävention, Intervention und Nachsorge sucht. Es war von Beginn an klar, dass wir hier keine Quick Fixes erarbeiten können oder konkrete nächste Schritte festlegen werden, denn dieses Thema braucht Sensibilität, Reflexion, Umsicht und einen Betroffenen-zentrierten Blick. Jeder Schritt will gut überlegt und aus mehreren Perspektiven reflektiert sein. Wir haben uns vorgenommen zunächst einmal zu zeigen, welche Relevanz das Thema wirklich hat. Der Fokus lag darauf, welche Ebenen und Dimensionen im Thema sexuelle Belästigung im Hochschulkontext zusammenkommen; welche Konsequenzen eine solche Würdeverletzung für die betroffenen Personen, ihr Umfeld, die Zusammenarbeit in Organisationen, das Sicherheitsgefühl von Personen und auch für die Reputation einer Universität und für Forschung, Lehre und Exzellenz haben und was in der Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen zu beachten ist.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Wolfgang Gerlich und eröffnet mit den Begrüßungsworten von Sektionschefin Barbara Weitgruber (Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung - BMFWF), die den Bogen weit spannte und klar machte, welche Relevanz das Thema für das BMFWF und in den Strategiedokumenten des europäischen Forschungsraumes hat. Sie ging dabei sowohl auf die Ergebnisse der UniSAFE Studie, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster ein als auch jene der Status quo-Erhebung von Maßnahmen und Unterstützungsangeboten bei geschlechterbasierter Gewalt an österreichischen Hochschul- und Forschungseinrichtungen im Wirkungsbereich des BMFWF, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, die vom Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte im Auftrag des BMFWF durchgeführt wurde. Rektor Jens Schneider machte in seinen Begrüßungsworten darauf aufmerksam, dass Universitäten das Thema sexuelle Belästigung lange Zeit leise behandelt haben und sich das nun langsam ändert. Er wies darauf hin, dass wir nicht nur reagieren, sondern präventiv handeln und die Organisationskultur verändern müssen, damit Betroffene sich trauen zu melden und entsprechend unterstützt und geschützt werden.

Im Anschluss hörten die 150 anwesenden Personen eine sehr pointierte Keynote “Hinsehen statt Wegschauen. From Awareness to Action.” von Barbara Blaha, die wie immer den Finger in die Wunde legte. Barbara Blaha ist Gründerin und Leiterin des Momentum Instituts, Autorin und bekannt für ihre pointierten Analysen zu Macht, Geschlecht und Wirtschaft. Sie machte in ihrer Keynote eindrücklich klar, dass Universitäten keine „Inseln der Vernunft“ sind und „[e]in Klima, in dem Menschen sich absichern, verstummen, Räume meiden, Betreuungssituationen umgehen oder sich ganz aus dem Fach zurückziehen wissenschaftsfeindlich ist“ und der Qualität von Lehre, Forschung, der Rekrutierung der besten Köpfe und schlussendlich der Institution schadet. 
 Dabei muss klar sein, dass sexuelle Belästigung nichts mit Attraktivität oder sexueller Anziehung zu tun hat, sondern wie alle Formen von Belästigung mit Machtmissbrauch und Herabwürdigung. Sara Hassan hält dazu fest: „Sexuelle Belästigung bewegt sich immer entlang eines Spektrums und baut sich mit der Zeit auf. Es kann [...] ganz unauffällig beginnen, aber rasend schnell in die nächste Eskalationsstufe kommen.“ Belästiger_innen schaffen so ein Klima in dem immer mehr Grenzüberschreitungen möglich sind (Hassan 2020: 9).
 Dieses Klima, das in der Fachliteratur oft als „chilly climate“ speziell in der Technik und den Naturwissenschaften beschrieben wird (Hande & Tevfik 2022), führt oft dazu, dass Frauen und TIN* Personen den Wissenschafts- und Techniksektor verlassen. Denn es ist geprägt von Sexismus, der sich durch Witze, Sprüche, durch das so oft gehörte „das war doch nicht so gemeint“, durch Unterbrechen und Unsichtbarmachen, dem Reproduzieren von Stereotypen, dem Kommentieren von Körpern, Kleidung und Aussehen, aber auch in den sogenannten Non-Events (Husu 2013) zeigt. Damit meint Liisa Husu das Nicht-Einladen auf Konferenzen, das Nicht-Anerkennen von Leistung, die Nicht-Nennung von Namen, die Nicht-Einladung in informelle oder auch formelle Netzwerke, die Nicht-Unterstützung der wissenschaftlichen Karriere etc.

Zentrale Erkenntnisse der Keynote von Barbara Blaha

All dies führt, so machte es Barbara Blaha deutlich, zu einem „[…] subtilen, aber dauernden Signal: du gehörst nicht hier her“. Dies gilt nicht nur für Frauen, sondern ebenso für andere Minderheiten und marginalisierte Gruppen wie z.B Menschen mit Behinderung, Migrationsgeschichte oder nicht-hetero-sexuelle Personen. Dieses „chilly climate“ prägt die Organisationskultur und die Normen, die daraus erwachsen. Dadurch werden Sexismus, Ableismus, Rassismus, Belästigungen und sexuelle Übergriffe strukturell verankert. Sie gehören einfach dazu, sind Teil der Normalität und genau das muss sich ändern. Barbara Blaha hat hierfür sechs Punkte genannt, von denen ich drei herausgreifen möchte.

  1. Konkrete Definitionen: nicht nur von sexuellen Übergriffen, sondern auch „vom sexistischen Klima darunter“ (Blaha 2026). Daran arbeitet die TUW derzeit im Rahmen einer Arbeitsgruppe des BMFWF, die ein einheitliches Verständnis und Mindeststandards sowie ein modulares Rahmendokument für Hochschulen erstellt. Wir müssen wissen, wovon wir reden und was wir nicht wollen.
  2. Niederschwellige, unabhängige und sichtbare Anlaufstellen für alle Universitätsangehörigen: Dazu gehören an der TUW der AKG, die Ombudsstelle für Studierende, die HTU und für Mitarbeitende auch das Gender Equality Office . Im Moment überarbeitet und professionalisiert Vizerektorin Ute Koch mit einer internen Arbeitsgruppe unter der juristischen Beratung von Yara Hofbauer die offiziellen Melde- und Beschwerdewege an der TUW.
  3. Führung bedeutet, ein sicheres Arbeits- und Lernumfeld herzustellen und muss auch daran gemessen werden: Nicht nur Drittmittel oder Publikationszahlen zählen, sondern soziale sowie Gender- und Diversitätskompetenz machen die notwendige Führungskompetenz aus. Die TUW arbeitet hierzu unter Leitung der Personalentwicklung derzeit an einem neuen Führungsleitbild.

Strukturelle Herausforderungen, gemeinsame Verantwortung: Was die Podiumsdiskussion zeigte

Das hochkarätig besetze Podium bestehend aus

  • Yara Hofbauer, Rechtsanwältin und Partnerin bei RBH Legal mit Spezialisierung auf Diskriminierungsschutz und Opferrechte, Gründerin und Co-Geschäftsführerin von upright
  • Ana Brandl, Gender Equality and Diversity Officer an der Central European University (CEU), Leiterin des CEU-Teams im EU-Projekt „GenderSAFE"
  • Erich Lehner, Psychotherapeut, Psychoanalytiker und Vorstandsvorsitzender des Dachverbands für Männer-, Burschen- und Väterarbeit in Österreich (DMÖ)
  • Jasmin Gründling-Riener, Vizerektorin für Lehre an der Technischen Universität Wien
  • Karin Tausz, Geschäftsführerin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)

... diskutierte gute 70 Minuten lang verschiedene Aspekte rund um das Thema sexuelle Belästigung und den Umgang damit an Hochschulen. 
 Auffallend war die geringe Präsenz von Entscheidungsträger_innen der TUW – mit Ausnahme von Rektor Jens Schneider und den Vizerektorinnen Ute Koch und Jasmin Gründling-Riener - und von männlichen Teilnehmern im Publikum und genau das adressierte Erich Lehner, da der Impact von Männern, vor allem in männlich dominierten Institutionen wie der TUW, unerlässlich für das Thema und einen notwendigen Kulturwandel ist. Er machte anhand von Studien eindrucksvoll deutlich, wie Gewaltbereitschaft und die Aufteilung von Carearbeit sowie die Gesprächskultur im privaten Umfeld zusammenhängen, und, dass die meisten Täter genau wissen, was sie tun, wenn sie verbale oder körperliche Übergriffe begehen. Erich Lehner brachte außerdem ein, dass das Verständnis und die soziale Konstruktion von Männlichkeit aus Sicht der Männlichkeitsforschung einen wesentlichen Anteil am Ausmaß und der Normalisierung von Sexismus, Misogynie und sexueller Belästigung in unserer Gesellschaft haben und daher Männerarbeit unverzichtbar ist.

Yara Hofbauer wurde nicht müde zu betonen, dass ein schnelles Handeln, klare Zuständigkeiten und saubere Dokumentation im Anlassfall wesentlich und keine Raketenwissenschaft sind. Jasmin Gründling-Riener beschrieb ausführlich, welche Schritte die TUW in den letzten Jahren und in jüngster Zeit gesetzt hat wie z.B. die studienrechtlichen Bestimmungen zum Thema, den bereits erwähnten Handlungsleitfaden und die aktuelle laufende Professionalisierung der Beschwerdewege. Ana Brandl zeigte auf, dass auf EU-Ebene und im von Horizon Europe geförderten Projekt GenderSAFE, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, das die Nachfolge von UniSAFE, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster darstellt, bereits viele Ressourcen vorhanden sind, welche für die eigene Institution genutzt werden können und die jetzt auf nationaler Ebene verankert werden müssen.

Karin Tausz von der FFG drückte sehr klar aus, dass angemessenes Verhalten ein unerlässlicher Teil von exzellenter Forschung ist. Nur in einem angstfreien Klima, in dem jede Stimme gleiches Gewicht erhält und gehört wird, kann für die gesamte Gesellschaft nützliche Innovation stattfinden. Für die FFG ist es kein Add-on, sondern impliziter Bestandteil förderungswürdiger Forschung, dass neben der wissenschaftlichen Qualität auch die Arbeitskultur exzellent ist.

Die große Resonanz, der breite Zuspruch und die engagierte Mitwirkung des Publikums, insbesondere durch zahlreiche Fragen und Kommentare über die Q&A- und Abstimmungsplattform Slido, unterstreichen eindrucksvoll die Relevanz des Themas. Die Veranstaltung erwies sich als voller Erfolg und setzte zugleich ein starkes Zeichen für die TUW: Sie macht deutlich, dass wir dem Thema sexuelle Belästigung mit hoher Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit begegnen und es aktiv in den Fokus rücken. 

Die meist gestellte Frage aus dem Publikum war, wie man den Kulturwandel anstoßen und beschleunigen könne und wie man Männer und Personen, die das Gefühl haben das Thema betrifft sie nicht, mit ins Boot holen kann – eine der schwierigsten Fragen der Gleichstellungsarbeit, auf die meines Wissens nach noch niemand eine befriedigende Antwort gefunden hat. Um Kulturwandel zu erreichen, muss man Haltungsänderungen erzielen und eine neue Normalität im Sinne von Normen und Werten schaffen. Das ist und bleibt für uns alle fortlaufender Lernprozess– auch an Universitäten. Ein guter Anfang ist es, Zivilcourage zu zeigen. Einschreiten, wenn man etwas beobachtet; Unterstützung anbieten; aussprechen, dass eine Grenze überschritten wurde; Ungerechtigkeiten und Belästigung benennen, auch dann wenn man sie nicht selbst erlebt hat; nicht mitlachen, wenn der Chef im Meeting einen Witz auf Kosten einer anderen Person macht; aktiv Frauen und Minderheiten unterstützen; Vorfälle melden, wenn man die Kraft dazu hat und ausreichend Schutz erfährt.

Nächste Schritte: Videokampagne und der lange Weg zum Kulturwandel

Als TU Wien arbeiten wir neben allen bereits genannten Punkten wie Sensibilisierung, Schulungen und der Professionalisierung unserer Meldeverfahren stetig daran, den Schutz von Betroffenen durch transparent kommunizierte und gut geschulte Anlaufstellen, die schnell und kompetent handeln, zu sichern. Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein sollten, aber wir lernen täglich dazu und arbeiten mit großem Engagement daran, die Situation nachhaltig zu verbessern. Um einen Kulturwandel hin zu einem inklusiven, respektvollen und wertschätzenden Arbeits- und Studienumfeld zu schaffen und sexuelle Belästigung im Keim zu ersticken, lange bevor sie passiert, brauchen wir jedoch alle TU-Angehörigen. Denn wie Barbara Blaha in ihrer Keynote sagte: „Wer sein Leben dem wissenschaftlichen Fortschritt widmet, sollte auch den Anspruch haben, für das Richtige einzustehen“.

Ein weiterer Schritt in diese Richtung wird die Videokampagne sein, die mit dem heutigen Tag (11.5.2026) als weiterer Teil von „Be excellent to each other“ veröffentlicht wird. Die nächsten fünf Wochen wird jeden Montag ein Video erscheinen, in dem sich wichtige Entscheidungsträger_innen der TUW zu Themen rund um Sexismus und sexuelle Belästigung positionieren. Eine Videokampagne macht noch keinen Kulturwandel, aber sie zeigt klar und deutlich, wofür die TUW steht und was wir hier nicht dulden und das ist immer ein wichtiger Schritt. 

Fotos der Veranstaltung

Bild Blickrichtung Publikum von der Veranstaltung am 22.4.

© Andrea Metzler

Insgesamt folgten 150 Personen der Einladung des Gender Equality Office zur Veranstaltung „Wie umgehen mit sexueller Belästigung im Hochschulkontext?“ im Kuppelsaal der TU Wien.

Sektionschefin Barbara Weitgruber steht hinter einem Redner_innenpult, auf dem das Logo der TU Wien zu sehen ist.

© Andrea Metzler

Sektionschefin Barbara Weitgruber (BMFWF) eröffnet die Veranstaltung mit ihren Begrüßungsworten.

Rektor Jens Schneider steht hinter einem Redner_innenpult, auf dem das Logo der TU Wien zu sehen ist.

© Andrea Metzler

Rektor Jens Schneider richtet seine Begrüßungsworte an das Publikum.

Keynote-Speakerin Barbara Blaha und Moderator Wolfgang Gerlich stehen auf einer Bühne und haben Mikrofone in der Hand. Wir sehen beide Personen aus der Perspektive des Publikums.

© Andrea Metzler

Barbara Blaha stellt sich im Anschluss an ihre Keynote den Fragen des Publikums. Wolfgang Gerlich moderiert das Q&A. 

Bild Blickrichtung Podium von der Veranstaltung am 22.4.

© Andrea Metzler

Wolfgang Gerlich führt durch die Podiumsdiskussion mit Jasmin Gründling-Riener, Karin Tausz, Yara Hofbauer, Ana Brandl und Erich Lehner (v.l.n.r.).

Bild vom Podium der Veranstaltung am 22.4.

© Andrea Metzler

Moderator Wolfgang Gerlich richtet die Fragen des Publikums an die Podiumsteilnehmenden: Jasmin Gründling-Riener, Karin Tausz, Yara Hofbauer, Ana Brandl und Erich Lehner (v.l.n.r.).

Drei Podiumsteilnehmende sind zu sehen. Sie sitzen auf blauen Sesseln. In der Mitte sitzt Ana Brandl. Sie hat ein Mikrofon in der einen Hand und gestikuliert mit ihrer anderen Hand.

© Andrea Metzler

Ana Brandl, Gender Equality and Diversity Officer an der Central European University (CEU), bringt die EU-Ebene in die Diskussion ein.

Viele verschiedene Personen sitzen in mehreren Reihen auf Stühlen und blicken gemeinsam in eine Richtung.

© Andrea Metzler

Personen aus dem Publikum folgen dem Programm der Veranstaltung.

Moderator Wolfgang Gerlich und Vize-Rektorin Jasmin Gründling-Riener sitzen auf der Bühne auf Sesseln. Sie hat ein Mikrofon in einer Hand und gestikuliert mit ihrer anderen Hand. Wir sehen davor Köpfe aus dem Publikum.

© Andrea Metzler

Vizerektorin Jasmin Gründling-Riener beschreibt, welche Schritte die TU Wien bereits gesetzt hat.

Laptop, im Hintergrund das Publikum der Veranstaltung am 22.4.

© Andrea Metzler

Die Veranstaltung erwies sich als voller Erfolg.

Viele Menschen stehen an Stehtischen und darum herum in kleinen Gruppen. Sie essen Fingerfood und unterhalten sich.

© Andrea Metzler

Nach dem Programm gibt es die Möglichkeit für Austausch bei Getränken und Fingerfood.

Sechs Personen stehen vor einer Fotowand mit dem Logo der TU Wien. Sie posieren und lächeln in die Kamera. Es handelt sich um das Team des Gender Equality Office der TU Wien.

© Andrea Metzler

Das Team des Gender Equality Office hat zur Veranstaltung „Wie umgehen mit sexueller Belästigung im Hochschulkontext?“ eingeladen.

Graphic Recordings der Veranstaltung

von Viktoria Strehn

Graphic Recording der gesamten Veranstaltung
Graphic Recording der Keynote von Barbara Blaha
Graphic Recording der Podiumsdiskussion