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Wiener Feinstaub

Im Rahmen des Projekts "AQUELLA" ermittelte eine Forschungsgruppe der Technischen Universität (TU) Wien Zusammensetzung und Ursachen des vieldiskutierten Feinstaubs in österreichischen Städten. Die aufwendigen und neuentwickelten Analysenmethoden brachten vor allem für den Wiener Raum ein überraschendes Ergebnis, das bis zu 90% der Staubquellen offen legt.

 

Hans Puxbaum (Copyright: TU Wien)

Hans Puxbaum

Hans Puxbaum

Wien (TU). – Professor Hans Puxbaum vom Institut für Chemische Technologien und Analytik beschäftigt sich seit rund vier Jahren mit der Aerosolquellenanalyse, kurz „AQUELLA“ genannt. Demnach setzt sich der Feinstaub in der Stadt Wien „nur“ zu maximal einem Drittel aus direkten und indirekten Emissionen des Kraftfahrzeugverkehrs zusammen. Gemeint sind damit beispielsweise die Autoabgase, Aufwirbelung und Abrieb von Straßenstaub und Belägen sowie Staub durch Streusplit. Die verbleibenden zwei Drittel entstehen durch sekundäre Stäube aus Holzrauch oder durch Ferntransportkomponenten wie Sulfate und Nitrate. „Unsere Analysen gehen von Luftmessungen aus. Dort treffen wir interessanterweise andere Emissionen an, als nach der Emissionserhebung anzunehmen wäre. Die chemischen Umwandlungen in der Atmosphäre lassen eine Reihe von Sekundärstäuben entstehen, die in der Emissionsinventur nicht vorkommen. Dazu trägt unter anderem auch der Holzrauch bei. Die Sekundärstäube stammen zu einem hohen Anteil aus Gebieten außerhalb der Stadt. Somit kann man sagen, dass in Wien im Gegensatz zu anderen Landeshauptstädten der Fremdanteil am Feinstaub überwiegt“, erklärt Hans Puxbaum. In Graz, das eine wesentlich höhere Feinstaubbelastung als der Wiener Raum aufweist, überwiegt der Eigenanteil. Dies lässt sich durch ein unterschiedliches Verdünnungsverhalten der Schadstoffe nördlich und südlich der Alpen erklären. Nördlich der Alpen tritt eine allgemein gute Durchlüftung auf. In den südlichen Teilen Österreichs kann es in abgeschlossenen Beckenlagen zu einer geringeren Durchlüftung und zu einer Anreicherung von Schadstoffen kommen.  

Basis der Analysen bildet für das 16köpfige KollegInnenteam von Professor Puxbaum eine umfangreiche Studie des CALTECH (California Institute of Technology) in Pasadena. Die Kombination aus elf verschiedenen Analysenmethoden führte zu einem Modell, das den WissenschafterInnen erlaubt zwischen 70 und 90% der Feinstaubquellen nachzuweisen. Acht Feinstaubsammelgeräte, die in Wien an vier Orten (Schafberg, Lobau und zwei verkehrsnahe Messstellen) aufgestellt wurden, liefern detailliertes Analysematerial.
Der EU-Jahresgrenzwert für Feinstaub liegt derzeit bei 40 µg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter = 40 Mikrogramm Staubmenge in einem Kubikmeter Luft). Ein Tagesmittelwert von 50 µg/m³ dürfte laut EU nicht mehr als 35 Mal im Jahr überschritten werden. In Österreich sieht das Immissionsschutzgesetz vor, dass dieser Wert sogar nur 30 Mal höher sein darf. Tatsächlich werden die Feinstaubgrenzwerte aber in vielen Städten Europas überschritten. Überschreitungen des Tagesmittelwerts von 50 µg/m³ treten überwiegend in der kalten Jahreszeit (November – März) auf und dort hauptsächlich während winterlich kalt-trockener Schönwetterperioden.

Maßnahmen für die Feinstaubreduktion hängen unter anderem eng mit der klassischen Staubbekämpfung im Bereich Gehsteig – Straße und der Verringerung der Emissionen fester Brennstoffe zusammen. Puxbaum untersucht in einem zweiten Projekt die Zusammensetzung von Holzrauch und den Einfluss der verschiedenen Ofentypen auf die Verbrennung.
Im Osten Österreichs wird ein großer Teil des Feinstaubs auch aus dem Ferntransport verursacht. Puxbaum bezeichnet dies als Importsituation. Ein weiterer Schritt in Richtung Feinstaubreduktion beschäftigt sich mit den Salzen zur Enteisung. Das bisher verwendete Natriumchlorid hinterlässt nach dem Auftrocknen weiße Ränder auf den Straßen, die Feinstaub bilden. Ein neuartiges Streusalz, der „Staubkleber“, wird derzeit von der Stadt Klagenfurt getestet.

Fotodownload: http://www.tuwien.ac.at/index.php?id=2837

Rückfragehinweis:
Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hans Puxbaum      
Technische Universität Wien
Institut für Chemische Technologien und Analytik
Getreidemarkt 9/164, 1060 Wien
T +43/1/58801 – 15170,
F +43/1/58801 – 15199
E hans.puxbaum@tuwien.ac.at

Aussender:
Mag. Daniela Ausserhuber
TU Wien - PR und Kommunikation
Karlsplatz 13/E011, A-1040 Wien
T +43-1-58801-41027
F +43-1-58801-41093
E daniela.ausserhuber@tuwien.ac.at
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