News

Wien als Zentrum des Hochschul-"Ombudsing" - Tagung am 19./20. Mai

In Österreich vor allem Anfragen zu Studiengebühren, Stipendien und Unzulänglichkeiten im Uni-Betrieb - Wunsch nach gesetzlicher Verankerung einer unabhängigen Stelle.


Wien (APA) - Mit mehr als 6.000 Anfragen beschäftigt sich die im Bildungsministerium angesiedelte Studierendenanwaltschaft pro Semester. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Probleme rund um die Studiengebühren, Stipendien und Unzulänglichkeiten im Uni-Betrieb, so Studierendenanwalt Josef Leidenfrost gegenüber der APA. Mit den Problemen beim "Ombudsing" beschäftigt sich am 19. und 20. Mai in Wien eine Tagung des europäischen Netzwerks der Hochschul-Ombudsdienste ENOHE (European Network of Ombudsmen in Higher Education).

Hauptaufgabe der Ombudsstellen ist die Vermittlung zwischen Hochschulen und ihren Studenten sowie die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen. Mittlerweile hat sich im Englischen dafür der aus Skandinavien stammende Begriff "Ombudsing" eingebürgert. Einzig in Großbritannien kommen dem "Office of the Independent Adjudicator" größere Kompetenzen zu: Es kann den Unis auch Geldstrafen aufbrummen.

In Österreich wurde die Studierendenanwaltschaft 2001 parallel zur Einführung von Studiengebühren geschaffen und steht Studenten an öffentlichen und privaten Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Akademien offen. Neben den rund 6.000 Anfragen pro Semester werden monatlich ca. 40 bis 60 konkrete Fälle bearbeitet, bei denen eine Vermittlung zwischen Unis und Studenten nötig ist. In rund 80 Prozent der Fälle führt diese zu einem positiven Ergebnis, so Leidenfrost.

Derzeit häufen sich auf Grund des Endes der Inskriptions-Nachfrist die Fälle, in denen ein Student in der Nachfrist nur den normalen Studienbeitrag bezahlt hat, also ohne den in der Nachfrist fälligen Zuschlag von zehn Prozent. Damit ist er nicht ordnungsgemäß inskribiert - wenn dies innerhalb weniger Tage auffalle, habe eine Vermittlung aber oft Erfolg, meinte Leidenfrost. Überhaupt stehen Anfragen zu den Studiengebühren bzw. Befreiungen davon ganz oben auf der Hitliste, gefolgt von Problemen rund um die Studienförderung (Bezugshöhe falsch berechnet, etc.). An dritter Stelle liegen die Unzulänglichkeiten im Studienbetrieb wie etwa die Probleme an der Medizinischen Universität Wien beim Umstieg auf den neuen Studienplan.

 

 

 


Für die Zukunft hat Leidenfrost vor allem einen Wunsch: Die gesetzliche Verankerung einer unabhängigen Ombudsstelle - wie etwa in Spanien, den Niederlanden und Großbritannien. "Die Studierendenanwaltschaft könnte damit in der Aufgabenstellung und Funktionsweise ähnlich der Volksanwaltschaft in Wahrung der Unabhängig und der Unparteilichkeit im Sinne der Studierenden agieren", sagte Leidenfrost.

Neben der Studierendenanwaltschaft im Ministerium haben in Österreich vier Unis eigene Ombudsstellen eingerichtet: Während diese an der Veterinärmedizinischen Universität und der Technischen Universität (TU) Wien (hier allerdings nur auf die Physik-Fakultät beschränkt) bereits arbeiten, suchen die bereits in den jeweiligen Satzungen verankerten Stellen an der Universität für Bodenkultur und der TU Graz noch nach einer geeigneten Person.



Quelle: © APA - Austria Presse Agentur reg.GenmbH