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Von Null auf 25 in 90 Jahren

Am 21. April 1919 trat die Verordnung von Otto Glöckel, Staatssekretär für Unterricht in Kraft, die Frauen zum Technikstudium zuließ. In den vergangenen 90 Jahren ist der Anteil der Studentinnen an der Technischen Universität (TU) Wien von 0,4 auf 25 Prozent gestiegen.

Ansuchen um Zulassung Leonie Pilewska

Ansuchen um Zulassung Leonie Pilewska

Ansuchen um Zulassung Leonie Pilewska

Ansuchen um Zulassung Leonie Pilewska

Wien (TU).- Der Zugang zum Technikstudium für Frauen erfolgte in Österreich mit deutlicher Verzögerung. Die Öffnung der Universitäten 1897 galt zunächst nur für die philosophischen Fakultäten, ab 1900 auch für Medizin und Pharmazie. Die technischen Studien blieben Frauen weiterhin verschlossen.

"… unter den gleichen Bedingungen wie die Männer"
Bereits 1899 suchten zwei Lehrerinnen an der Böhmischen TH in Brünn um Zulassung als "Hospitantinnen" an. An der TH Wien konnte erstmals 1908 die Bürgerschullehrerin Mathilde Hübner Vorlesungen aus Gebäudehygiene und Volkswirtschaftslehre als Gast besuchen.
Ab 1908 mehrten sich Petitionen von Frauenverbänden, Mädchen "unter den gleichen Bedingungen wie die Männer" zuzulassen, und Eingaben von Eltern, deren Töchter als Realschulabsolventinnen weder an Universitäten noch an THs studieren konnten. Sie alle wurden jedoch vom Unterrichtsministerium zurückgewiesen.

Gespaltene Meinungen
Die Einstellung der Hochschulen zum Frauenstudium generell war gespalten. Das Professorenkollegium der Technischen Hochschule (TH) Wien befasste sich erstmals 1910 mit dem Thema. Die Gegner einer Zulassung argumentierten unter anderem, es fehle Frauen an der „natürlichen Autorität“, um sich in Leitungspositionen zu behaupten. Die Befürworter waren der gleichen Meinung, glaubten aber, langfristig sei die Zulassung nicht zu verhindern.
Zudem rechneten sie mit einer geringen Zahl von Hörerinnen, die zudem eher in Labors und technischen Hilfsberufen arbeiten würden. Die Abstimmung ergab eine hauchdünne Mehrheit von 19:18 für die „Befürworter“. Spätere Abstimmungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Lehramtsstudium als Türöffner
Nachdem ab 1907 für Lehrkräfte an höheren Handelsschulen und Mädchenlyzeen ein universitäres Fachstudium vorgeschrieben wurde, konnte 1913 immerhin erreicht werden, dass Lehramtskandidatinnen als außerordentliche (a.o.) Hörerinnen an technischen Hochschulen jene Fächer inskribieren durften, die ausschließlich dort gelehrt wurden (Darstellende Geometrie und Freihandzeichnen).
Dies war wesentlich dem Einsatz von Emil Müller, Professor für Darstellende Geometrie und 1912/13 Rektor der TH Wien, zu verdanken, dessen Tochter selbst das Lehramt anstrebte. Die Zahl der a.o. Hörerinnen blieb jedoch gering: An der Wiener Technik waren es zwischen 1913 und 1919 ganze 27 Personen.
Ansuchen, auch andere Fächer inskribieren zu dürfen, wurden von der Unterrichtsverwaltung stets „aus prinzipiellen Erwägungen“ abgelehnt. Einige Frauen wählten daher den Umweg, als Gasthörerinnen technische Vorlesungen zu besuchen, um diese Kenntnisse später bei einem Studium im Ausland zu verwerten. Dazu gehörte auch Leonie Pilewska, die ab 1915 als Hospitantin Maschinenbauvorlesungen belegte, 1918 zum Weiterstudium an die TH Darmstadt wechselte und als Architektin bekannt wurde.

Umbruch
Unter dem Eindruck der Erfahrungen des I. Weltkriegs sprachen sich die Hochschulen ab 1916 mehrheitlich für eine Zulassung von Frauen aus. Insbesondere die nicht-deutschsprachigen THs plädierten dafür, die deutschsprachigen THs zeigten sich deutlich konservativer.
Nach dem Zerfall der Donaumonarchie wurden also in den Nachfolgestaaten noch 1918 die THs für Frauen geöffnet. In „Deutsch-Österreich“ erfolgte dies erst unter dem sozialistischen Staatssekretär für Unterricht Otto Glöckel. Seine Verordnung vom 21. April 1919 erlaubte Frauen die ordentliche Inskription an technischen Hochschulen - freilich nur soweit, als sie den männlichen Hörern keine Studienplätze wegnähmen.

Langsamer Start
Tatsächlich blieb die Anzahl der Hörerinnen vorerst sehr gering. Im Studienjahr 1919/20 gab es an der TH Wien ganze 65 Studentinnen, davon nur 20 ordentliche Hörerinnen (= 0,4% aller Studierenden), 1937 waren es 40 (= 2,3%). Heute, nach 90 Jahren, sind 25% der über 20.000 Studierenden an der TU Wien Frauen - Tendenz seit Jahren langsam aber sicher steigend.

Fotodownload: https://www.tuwien.ac.at/index.php?id=8701

Rückfragehinweis:
Mag. Dr. Juliane Mikoletzky
TU Wien - Universitätsarchiv
Karlsplatz 13, 1040 Wien
T +43-1-58801-41140
E juliane.mikoletzky+e010f@tuwien.ac.at

Aussender:
Herbert Kreuzeder
TU Wien - PR und Kommunikation
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