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Vladimir Veliov - Professor für Operations Research

Der Mathematiker entwickelt an der TU Wien analytische Modelle für die Steuerung dynamischer Systeme in Wirtschaft und Gesellschaft.

Vladimir Veliov

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Viele Theorien und Modelle der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialwissenschaften sind heute immer noch zu wenig auf ihre Stimmigkeit mit der Wirklichkeit überprüft. „Manche Modelle fußen gar auf reiner Spekulation“, meint der TU-Mathematiker Vladimir Veliov. Eine tiefgreifende, Validierung genannte Überprüfung mathematischer Modelle an der Wirklichkeit ist jedoch Voraussetzung für eine effektive Steuerung und Optimierung dynamischer Systeme. Veliov und sein Team entwickeln solche mathematische Modelle. Dabei geht es den Forschenden nicht nur darum, einzelne Entscheidungen in Wirtschaft und Politik effizienter zu machen. „Wir entwickeln mathematische Methoden für analytische Beschreibungen von komplexen wirtschaftlichen und sozialen Abläufen und für technische Anwendungen“, erklärt Veliov den Kern seiner Arbeit. Seit März 2009 ist er Professor für Operations Research am Institut für Wirtschaftsmathematik der Technischen Universität Wien und Leiter der dort angesiedelten Forschungsgruppe für Operations Research and Control Systems, kurz ORCOS.

Nachhaltigkeit als mathematisches Modell

Eines der aktuellen Forschungsgebiete von Veliovs Arbeitsgruppe ist die Abschätzung der wirtschaftlichen Folgen einer Politik der CO2-Emissionsreduktion. Viele Leute gehen heute beim Thema Emissionsbeschränkungen von einer Win-Win-Situation aus. „Die Industrie soll dabei mit höherer Effizienz weniger Ressourcen verbrauchen, es wird weniger CO2 ausgestoßen, und die globale Erwärmung wird gebremst“, schildert Veliov die existierende Meinung. Solche Aussagen mit mathematischen Modellen von Nachhaltigkeit zu untermauern ist allerdings schwierig. Veliovs Team entwickelt nun ein dynamisches mathematisches Modell, bei dem die Heterogenität von Produktionsmaschinen ihrer Produktivität und ihren Emissionswerten gegenübergestellt werden. Erste Ergebnisse lassen beispielsweise erwarten, dass verschiedene Wirtschaftsregionen und Industrien vom Austausch alter durch neue Maschinen mit unterschiedlich starken positiven, aber auch negativen ökonomischen Auswirkungen rechnen müssen.

Überfischung beeinflusst Evolution

Mit den gleichen mathematischen Methoden, mit denen Veliov die Nachhaltigkeit von Klimamaßnahmen untersucht, entwickelte er zuvor ein Modell, das die Auswirkungen von Überfischung auf Populationen von Kabeljau vor der kanadischen Atlantikküste beschreibt. Die durchschnittliche Größe der Fische hat zwischen 1975 und 1992 um mehr als 40 Prozent abgenommen. Das liegt an den überraschend schnellen genetisch-evolutionären Veränderungen, die laut den Berechnungen erst nach rund 300 Jahren wieder rückentwickelt werden können. „Mit einem mathematischen Modell, das die Heterogenitäten den Körpergröße und von genetischen Parametern zugleich berücksichtigt, haben wir eine optimale Fischereistrategie entwickelt, die starke evolutionelle Veränderungen vermeidet“, erklärt Veliov.

Internationale Karriere

Veliov studierte an der Universität Sofia Mathematik und beschäftigte sich bereits in seiner Diplomarbeit mit Operations Research. Nach seinem Doktorat zum Thema Optimale Steuerung habilitierte er sich im Jahr 1986 an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften und wurde Assistenzprofessor und später Dozent am dortigen Institut für Mathematik und Informatik. Ab 1987 arbeitete er am IIASA, dem International Institute for Applied Systems Analysis in Laxenburg, wo er von 1991 bis 1993 auch als Projektleiter und Vizedekan der IIASA Summer School wirkte. Es folgten eine Reihe von  Gastprofessuren in Frankreich, den USA, Deutschland und an der TU Wien. Ab dem Jahr 2000 war er Projektassistent und Senior Post Doc am Institut für Wirtschaftsmathematik der TU Wien, ehe er dort im März 2009 zum Professor berufen wurde.

Mit seiner Frau, die auch Mathematikerin ist, hat er drei bereits erwachsene Töchter. Seine Freizeit verbringt Veliov mit Lesen und in der Oper. Zudem ist er überzeugter Radfahrer. „Ich erledige all meine Wege mit dem Fahhrad, auch im Winter“, sagt er. Den Sommer genießt er mit längeren Radausflügen, zum Beispiel von Wien aus, die Donau hinauf, bis nach Melk.

Links:

www.eos.tuwien.ac.at/OR
www.iiasa.ac.at