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Unsere verbohrte Bildungspolitik

schwadroniert, während unsere Studierenden an manchen Universitätsinstituten Betreuungsverhältnisse vorfinden, die jeder Beschreibung spotten.

Die österreichischen Universitäten wurden mit Jahresbeginn in eine neue Autonomie entlassen, aber für dadurch entstandene Mehrkosten einfach nicht ausreichend alimentiert. Bereits seit vielen Jahren fehlt das Geld für die international konkurrenzfähige Ausstattung und diese Situation hat sich in den letzten Jahren noch deutlich verschlechtert. Jeweils über tausend junge Leute drängen auch heuer wieder in "Massenstudien" wie Psychologie oder Publizistik, für deren Absolventen es nur sehr begrenzte Berufsaussichten gibt. Die Universitäten müssen sie alle wegen des gesetzlich verordneten ?freien Bildungszuganges? aufnehmen, aber können sie nicht zufriedenstellend ausbilden, weil gerade bei derartigen Massenstudien an allen Ecken und Enden die Ressourcen fehlen. Eine opportunistische Bildungspolitik schiebt ihre Verantwortung für diese erbärmlichen Zustände an die Universitäten ab und verlangt von ihnen "Abhilfe durch Ressourcenumschichtung", weiß aber natürlich ganz genau, dass solche Forderungen unerfüllbar sind.

Wann wird diese Bildungspolitik endlich den Mut aufbringen, eine Begrenzung der Studienplätze für Ausbildungsgänge zu ermöglichen, die mit großer Wahrscheinlichkeit direkt in die Arbeitslosigkeit führen?? Damit wäre nämlich schon viel geholfen. Die Universitäten könnten dann ihre Ausbildungsqualität wirklich verbessern, weil ihre begrenzten Ressourcen effizienter einsetzbar werden, und viele Maturantinnen und Maturanten würden dann vielleicht doch eher Studiengänge wählen, wo es gute Berufsaussichten gibt. Aber das Schlachten heiliger Kühe ist verdammt schwer ...

Dieser Text wurde als Leserbrief in den heutigen Ausgaben von "Die Presse" und "Der Standard" veröffentlicht.