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"Technologische Entwicklung Data-Mining: Fluch für unsere Privatsphäre oder Nutzen für die Gesellschaft?"

Im Rahmen einer moderierten Podiumsdiskussion am 22. Mai 2012 diskutiert der TeleCommunication Cercle (TCC) mit prominenten Gästen aus Forschung und Wirtschaft über die wirklichen GewinnerInnen neuer Technologien.

Podiumsdiskussion Technologische Entwicklung Data-Mining: Fluch für unsere Privatsphäre oder Nutzen für die Gesellschaft?

Podiumsdiskussion Technologische Entwicklung Data-Mining: Fluch für unsere Privatsphäre oder Nutzen für die Gesellschaft?

In der Podiumsdiskussion wird auch geklärt, ob neue Techniken der Zugriffskontrolle und Zugriffsüberwachung, neue auf Datenschutz spezialisierte IT-Architekturen o.ä. erforderlich sind, oder ob es strengerer gesetzlicher Regulierungen bedarf, um den zusätzlichen Bedrohungen für die Privatsphäre entgegenzuwirken.

Weitere Informationen: www.keyevent.at

Zeit & Ort
Dienstag, 22. Mai 2012, 19:00 Uhr (Einlass: 18:45 Uhr)
Technische Universität Wien
Boecklsaal
Karlsplatz 13, 1040 Wien, Hauptgebäude, Stiege I, 1. Obergeschoß

Technologische Entwicklung Data-Mining
Durch immer kostengünstigere Informationstechnologie werden heutzutage beinahe alle nur erdenklichen Informationen unserer Umwelt digital erfasst und gespeichert. Unter dem Stichwort Big-Data werden aktuell Systeme entwickelt, welche ein Analysieren und Verknüpfen dieser enormen Mengen an unstrukturierten Daten in naher Zukunft ermöglichen sollten. Der versprochene Nutzen lässt wahrlich von einer neuen Ära der Informationstechnologie sprechen. Im Rahmen einer moderierten öffentlichen Podiumsdiskussion soll mit FachexpertInnen insbesondere über die Implikationen auf die Privatsphäre sowie über mögliche technische und organisationale Lösungen diskutiert werden.

Zweifellos kommt Data-Mining Technologien bereits heute eine sehr große Bedeutung im alltäglichen Leben zu. Präzise Wetterprognosen sowie viele Erkenntnisse und Diagnosen im medizinischen Bereich wären ohne die gezielte Analyse von Bergen an ungeordneten Daten und ausgefeilten statistischen Verfahren kaum denkbar. Auch Suchmaschinen würden ohne die hochentwickelte Vernetzung verschiedenster Datenquellen wohl kaum brauchbare Ergebnisse liefern. Ohne die Existenz präziser personenbezogener Anzeigen und den daraus resultierenden Werbewert würde das gesamte World Wide Web wohl nicht so aussehen, wie wir es heute kennen.

Die Zukunftsvisionen vieler ExpertInnen stellen jedoch alle bisherigen Errungenschaften von Data Mining Technologien weit in den Schatten. Die Menge an gesammelten Informationen, welche als wertvolle Quelle statistischer Analysen dienen, hat bereits jetzt unvorstellbare Ausmaße angenommen. Wurde noch kürzlich eine Datenmenge von einem Terabyte nur von wenigen Großunternehmen überschritten, so generieren heute Unternehmen wie Facebook Hunderte Terabytes pro Tag alleine an Logdaten. Durch immer kostengünstigere Computersysteme, Sensoren und Speicher wird nahezu alles gespeichert. Fehlten bis vor kurzem noch Systeme, welche diese enormen Mengen an strukturierten (z.B. Datenbanken) und unstrukturierten Daten (z.B. Videodaten) analysieren konnten, so befinden wir uns nun an der Schwelle zu neuen, noch nicht da gewesenen technologischen Möglichkeiten. Aktuell arbeitet Forschung und Industrie unter dem Stichwort Big-Data intensiv an neuen Hochleistungssystemen, welche aus der Verknüpfung vorhandener Rohdaten möglichst rasch nützliche Informationen extrahieren sollen. Lösungen im Gesundheitsbereich sollen so in Zukunft alle jemals erstellten Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der PatientInnen analysieren und dadurch die Anzahl von Fehlbefunden drastisch reduzieren. Auch im Energiesektor wird bereits durch die Analyse von Petabytes an Messdaten eine optimale Platzierung von Windkraftanlagen ermöglicht. Durch eine Analyse der Positionsdaten von Mobilfunkgeräten könnten im Verkehrssystem frühzeitig erkannt und durch hochentwickelte Verkehrsleitsysteme entsprechend gelöst werden.

Zweifellos stellen diese Visionen auf den ersten Blick einen großen Nutzen für das alltägliche Leben dar. Es gilt jedoch auch kritisch zu hinterfragen, ob sich dieser zusätzliche Nutzen und damit enormer Wert in der gesamten Gesellschaft, oder nur in den Bilanzen einiger weniger AkteurInnen manifestiert. Viele KritikerInnen sehen endgültig den Zeitabschnitt des gläsernen Menschen erreicht, sollten es neue Data Mining Technologien erstmalig ermöglichen, Bildmaterial von öffentlichen und privaten Kameras, sozialen Netzwerken, Kundendatenbanken etc. zu analysieren und zusammenzuführen. So wird eine Welt befürchtet, in der es nahezu unmöglich wird, Geheimnisse und Schwächen vor der Öffentlichkeit zu verbergen und die Zukunftsaussichten maßgeblich von einem "präzise" errechneten psychologischen Profil bestimmt wird. Als die größten Gewinner dieser technologischen Entwicklung werden die bereits heute riesigen Data-Warehouses von großen sozialen Netzwerken gesehen, welche durch die Anreicherung der existierenden Datenbestände mit Informationen aus unstrukturierten Datenquellen BenutzerInnenprofile mit enormer Präzision und unschätzbarem Wert erhalten (z.B. könnten soziale Netzwerke über existierende Profilbilder und öffentlichen Überwachungskameras zukünftig genaue Informationen über den Tagesverlauf der BenutzerIn ermitteln).

Hintergrundinfo TeleCommunication Cercle (TCC):
Der TeleCommunication Cercle (TCC) ist eine Gruppe von technisch und wirtschaftlich interessierter StudentInnen mit dem Zweck theoretisches Wissen mit aktuellen Entwicklungen in der Praxis zu verknüpfen. Unterstützung findet der TCC dabei insbesondere seitens der Technischen Universität Wien und Alcatel-Lucent.