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Tabletten statt Injektionsnadeln

Ein Forschungsprojekt der TU Wien wurde mit dem Publikumspreis des S&B Award ausgezeichnet. Geforscht wird an neuen Methoden, Medikamente zu verabreichen.

Gruppenbild, fünf Personen

Das NovoArc-Team

Viktor Sedlmayr, Julian Quehenberger, Kerstin Rastädter, Oliver Spadiut und David Wurm (v.l.n.r). Foto: NovoArc

Viktor Sedlmayr, Julian Quehenberger, Kerstin Rastädter, Oliver Spadiut und David Wurm (v.l.n.r). Foto: NovoArc

Impfungen sind eine tolle Sache – aber niemand lässt sich gerne eine Nadel durch die Haut stechen. Viele medizinische Wirkstoffe können heute nur durch Injektion verabreicht werden, doch das soll sich bald ändern: Ein Team der TU Wien entwickelt Methoden, Injektionen durch Tabletten zu ersetzen. Derzeit wird noch an den Grundlagen geforscht, nächstes Jahr soll daraus das Startup „NovoArc“ entstehen. Schon jetzt wurde das Projekt ausgezeichnet: Am 7.10.2020 konnte sich NovoArc bei der Vergabe des S&B-Award des Rudolf Sallinger Fonds, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster über den Publikumspreis freuen.

Mikroorganismen, die das Extreme lieben

„Viele Wirkstoffe können deshalb nicht oral eingenommen werden, weil sie im Magen zersetzt werden“, erklärt David Wurm vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften der TU Wien. „Man muss sie daher in eine Schutzhülle verpacken, die den harschen Bedingungen im Magen widersteht.“

Eine solche Schutzhülle gibt es – besonders stabile Lipide sind gut dafür geeignet. Sie sind allerdings sehr schwer herzustellen. Die Lösung soll nun ein innovativer Produktionsprozess mit ganz besonderen Mikroorganismen liefern: Sie wurden im Yellowstone Nationalpark entdeckt, es handelt sich um sogenannte „extremophile Mikroorganismen“, die sich bei Bedingungen wohlfühlen, bei denen andere Organismen kaum überleben könnten.

„Diese Mikroorganismen erzeugen die gewünschten Lipide, aber sie wachsen in der Natur nur sehr langsam“, sagt Julian Quehenberger. „Wir arbeiten daher daran, die Produktivität dieser Mikroorganismen zu steigern. Im Bioreaktor untersuchen wir genau, welche Bedingungen die Mikroorganismen brauchen, um sich besonders wohl zu fühlen und uns die größtmögliche Menge der gewünschten Lipide liefern.“

Auf dem Weg zum Startup

Das Forschungsprojekt soll in ein Startup-Unternehmen münden – dabei wird das Team rund um David Wurm, Julian Quehenberger und Oliver Spadiut vom innovation incubation center (i²c), öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster der TU Wien unterstützt. „Diese Technologie hat enormes Potential. Sie wird den Alltag von vielen Patienten erleichtern. Dessen sind sich auch Pharmazeutische Firmen bewusst und zeigen daher hohes Interesse an unserem Verfahren“, sagt Oliver Spadiut. Dass dieser Weg erfolgreich ist, wurde dem Team nun auch beim S&B Award attestiert. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnung, die der Rudolf Sallinger Fonds jährlich für Ideen vergibt, die auf einer wissenschaftlichen Leistung beruhen, sich noch in einem frühen Stadium der Kommerzialisierung befinden, aber große Erfolgsaussichten versprechen.

 

Text: Florian Aigner