Es sieht aus wie ein Stern1, leuchtet aber nicht am Firmament, sondern stammt direkt aus einem Forschungslabor: ein wissenschaftliches Bild, dessen symmetrische Strahlen an einen Weihnachtsstern erinnern und die doch nichts mit festlicher Folklore zu tun haben. Und gerade darin liegt der Zauber – ein Funke aus der Wissenschaft, der uns in der stillsten Zeit des Jahres an etwas erinnert, das Menschen seit Jahrtausenden verbindet: den Blick nach oben.
Die zeitlose Faszination des Funkenmeers
Warum berühren uns Sterne so sehr? Die US-Astronomin Dorrit Hoffleit, die alle mit bloßem Auge sichtbaren Sterne katalogisiert hat, nannte eine überraschende Zahl: 9.095. So viele Lichtpunkte wären grundsätzlich zu erkennen – wenn nicht die Hälfte hinter dem Horizont verschwände oder Dunst und Lichtverschmutzung uns die Sicht rauben. Unter realen Bedingungen bleiben uns oft kaum mehr als 3.000 Sterne.
Und doch reicht schon ein einziger klarer Nachthimmel, um etwas in uns zum Klingen zu bringen. Vielleicht liegt es daran, dass Sterne immer mehr waren als nur physikalische Objekte: Sie waren Kalender, Kompass, Mythos, Orientierung. Und sie sind es, die an Winterabenden über unseren Köpfen aufleuchten wie winzige, ferne Versprechen.
Giganten, Welpen und ferne Inseln im All
Wer den Blick in die Dunkelheit richtet, begegnet kosmischen Giganten. Der größte mit bloßem Auge sichtbare Stern ist der rot schimmernde My Cephei. Der hellste Stern des Nachthimmels, Sirius im Großen Hund, wird wiederum von einem weißen Zwerg begleitet, der liebevoll „Welpe“ genannt wird.
Und dann gibt es da noch die Andromedagalaxie – eine gigantische Sterneninsel, rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt und doch die nächste große Nachbarin der Milchstraße. In klaren Nächten wirkt sie wie ein blasser Fleck – und beherbergt doch über eine Billion Sterne.
Ein Blick in die Vergangenheit
Wer in den Himmel schaut, blickt rückwärts durch die Zeit. Das Licht ferner Sterne braucht Jahrhunderte oder Jahrtausende, um uns zu erreichen. Sieht man heute einen Stern, der 1.000 Lichtjahre entfernt ist, betrachtet man eine Botschaft aus dem Jahr 1024. Vielleicht existiert dieser Stern inzwischen gar nicht mehr – und trotzdem spendet sein Licht uns heute Orientierung. Vielleicht ein poetischer Gedanke, der gerade an den Feiertagen eine besondere Stimmung bei uns entfaltet.
Vom ersten Sternenkalender zur modernen Forschung
Die Faszination ist alt: Schon Babylonier_innen und Ägypter_innen beobachteten den Himmel systematisch, entwickelten Kalender und astronomische Modelle. Die antiken Griech_innen berechneten Planetenbahnen und sagten Finsternisse voraus – Wissen, das die Grundlage unserer modernen Naturwissenschaften bildet.
Heute führt die Forschung uns zu Phänomenen, die weit jenseits jeder Alltagserfahrung liegen: Schwarze Löcher etwa, jene kosmischen Extreme, in denen uns die bekannte Physik davonläuft. An der TU Wien arbeitet beispielsweise der Physiker Gerben Oling, öffnet in einem neuen Fenster an Methoden, diese Rätsel besser zu verstehen – ein Forschen, das sinnbildlich zeigt, wie nah Wissenschaft und Staunen beieinander liegen.
Und wer glaubt, Sternenträume seien nur etwas für Observatorien, irrt. Rund 100 Studierende der TU Wien schließen sich im Space Team, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster zusammen, um an echten Raumfahrtprojekten zu arbeiten: Satelliten, Raketen, Experimente für Wettbewerbe in Europa und der ganzen Welt.
Ein Funke für die Feiertage
Das wissenschaftliche „Sternbild“, mit dem dieser Text begann, erinnert daran, wie sehr Wahrnehmung und Wirklichkeit zusammenhängen. Auch wenn künstliches Licht den Nachthimmel vielerorts überstrahlt, bleibt der Antrieb, das Universum zu erforschen, unverändert stark.
Vielleicht gelingt es uns in diesen Tagen, einmal bewusst das Licht zu dimmen. Und sei es nur, um einen Moment lang zu fühlen, was uns Menschen seit Urzeiten verbindet: ein Funke aus der Ferne, der seinen Weg bis zu uns findet.
Frohe Feiertage – und klare Nächte.
1ToF-SIMS* 2D-Messung eines HV**1 Indents mit Rissbildung in Glas
Dargestellt ist die laterale Verteilung von Wasserstoffionen in einem 200 μm x 200 μm großen Bereich um einen Indent auf Kalk-Natron-Silikatglas.
Die Messung wurde mit einem neuen M6 Plus Gerät (IONTOF GmbH) am Analytical Instrumentation Center, öffnet in einem neuen Fenster der TU Wien durchgeführt.
* Flugzeit-Sekundärionen-Massenspektrometrie
**Vickers-Härte
Text: Nicole Schipani
