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Stellungnahme dreier Fakultäten zum geplanten CERN-Austritt

Stellungnahme der Fakultät für Physik, der Fakultät für Informatik und der Fakultät für Mathematik und Geoinformation der TU Wien zum beabsichtigten CERN-Austritt Österreichs.

Der Detektor des CMS Experiments - entwickelt mit österreichischer Beteiligung ©http://www.flickr.com/photos/solarnu/2654926633/

Der Detektor des CMS Experiments - entwickelt mit österreichischer Beteiligung ©http://www.flickr.com/photos/solarnu/2654926633/

Der Detektor des CMS Experiments - entwickelt mit österreichischer Beteiligung

Der Detektor des CMS Experiments - entwickelt mit österreichischer Beteiligung

Die Fakultät für Physik, die Fakultät für Informatik, sowie die Fakultät für Mathematik und Geoinformation der Technischen Universität Wien sind über die angekündigte Absicht eines Austrittes Österreichs aus dem CERN überrascht, und appellieren an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, Dr. Johannes Hahn, diesen Schritt nochmals zu überdenken.

Für ein Land wie Österreich, das selbst (noch) keine Großforschungsanlagen beherbergt, ist der Zugang zu internationalen Spitzenforschungsanlagen von eminenter Bedeutung und muss auch in Zukunft gesichert sein. Für moderne, in internationale Kooperationen eingebettete Forschung ist es nämlich unabdingbar, sowohl intellektuell als auch finanziell als gleichberechtigter Partner auftreten und handeln zu können. Ein gleichberechtigter Partner muss aber auch bereit sein, einen der Größe und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes entsprechenden Beitrag zu gemeinsamen Europäischen Forschungseinrichtungen zu leisten.

Bei sorgfältig ausgewählten Beteiligungen ist der Mehrwert, der sich durch Wissenserwerb, Synergien und Technologietransfer ergibt, für Österreich in jedem Fall ungleich höher als die entsprechenden Mitgliedsbeiträge. Aufenthalte österreichischer ForscherInnen an internationalen Forschungseinrichtungen haben in den vergangenen Jahrzehnten in hohem Maße zu einer Bereicherung der österreichischen Wissenschaft und Wirtschaft beigetragen. So konnten beispielsweise bei CERN die österreichischen Universitäten, und vor allem die Technische Universität Wien, die Ausbildung einer großen Zahl von ForscherInnen und TechnikerInnen höchster Qualifikation ermöglichen, die dank zusätzlicher Finanzierung durch das BMWF weit über den Anteil anderer Mitgliedsländer hinausging.

CERN ist unwidersprochen ein herausragendes wissenschaftliches und  intellektuelles Zentrum allerersten Ranges, mit einer vorbildlichen international integrativen Rolle. Aus wissenschaftlicher, aber auch gesellschaftlicher Sicht ist  daher die Entscheidung, die österreichische Mitgliedschaft beim CERN in Frage zu stellen, bedauerlich.

Die Fakultät für Physik, die Fakultät für Informatik sowie die Fakultät für Mathematik und Geoinformation der Technischen Universität Wien appellieren an die verantwortliche Politik in Österreich und insbesondere an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, Dr. Johannes Hahn, die aktuelle Politik gegenüber Beteiligungen an Großforschungseinrichtungen und die angekündigte Absicht eines Austrittes Österreichs aus dem CERN nochmals zu überdenken: statt die Beteiligung an hervorragenden wissenschaftlichen Großforschungseinrichtungen zu kündigen, sollten die Mittel für die Beteiligung Österreichs an europäischen Forschungszentren erhöht werden (allerdings nicht zu Lasten nationaler Budgets, wie etwa derjenigen der Universitäten oder des FWF) um einerseits neue Projekte und Beteiligungen zu ermöglichen, und andererseits bereits neben dem CERN bestehende und höchst erfolgreiche Beteiligungen und Kooperationen, wie etwa jene am Institut Laue-Langevin (ILL) oder der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF), nicht zu gefährden.

Gerade in der derzeitig angespannten wirtschaftlichen Lage gilt: Investitionen in Forschung und Bildung sind der beste und wahrscheinlich auch einzige Garant für den langfristigen Erhalt unseres Wohlstandes. Die führenden Industrienationen handeln in diesem Sinne und erhöhen gerade in der gegenwärtigen Krise ihre Forschungsausgaben signifikant. Wir denken, dass Österreich gefordert wäre, dies ebenso zu tun. Dies wäre eine konjunkturbelebende Maßnahme, die insbesondere jungen WissenschaftInneren in Ausbildung und am Startpunkt ihrer Karriere die notwendige Unterstützung brächte, um Österreich als Standort für Spitzenforschung zu sichern.

Für die Fakultät für Physik:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Gerald BADUREK
Dekan

Für die Fakultät für Informatik:
Ao.Univ.-Prof. Dr.phil. Gerald STEINHART
Dekan

Für die Fakultät für Mathematik und Geoinformation:
Univ.-Prof. Dr.phil. Dietmar DORNINGER
Dekan